Zwischen Glaube, sexueller Gesinnung und Nazikitsch

Kolumne: Game-Bytes als ideologischer Nährboden

Kein anderes Unterhaltungsmedium entwickelt sich schneller als das interaktive Spiel. Außenstehende haben mit dieser Dynamik flagrante Probleme. Während diejenigen, die nicht spielen, über die Gefahren des Konsums insbesondere von "Killerspielen" Bescheid zu wissen meinen, geben sich ambitionierte Gamer längst nicht mehr damit zufrieden, allein am PC computergesteuerte Gegner abzuservieren. Der Kampf Player versus Player - das Duell Mensch gegen Mensch - versammelt heute Millionen vor den Bildschirmen. Doch mit dem Siegeszug der so genannten Massivley Multiplayer Online Games (MMOG) droht möglicherweise Gefahr.

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Moderne Rattenfänger finden im Knäuel der Vernetzten auf spielerische Weise menschliches Rohmaterial, immer mehr Clans und Gilden machen inzwischen dem klassischen Vereinswesen Konkurrenz. Besonders für Jugendliche ist es nicht leicht, das gemeinschaftliche Spielen von hintergründigen Weltanschauungen zu unterscheiden. Ob ein Clan, wie er tatsächlich existiert, Shutzstaffel heißt, dürfte so lange irrelevant sein, wie mit den Spielkameraden Spaß zu haben ist und gemeinsame Siege eingefahren werden - zumal vielerorts das historische Hintergrundwissen fehlt. Fehlende Geschichtsbildung trägt überdies offenbar dazu bei, dass auch nicht-tendenziöse Clans verfängliche Namen wählen. Besonders um die "Half Life"-Modifikation "Day of Defeat" versammeln sich auch deutsche Clans, die sich auf ihren Websites zwar von jeglichem rechten Gedankengut distanzieren, aber nichtsdestoweniger Namen wie Legion Germania oder Schutzstaffel Berlin tragen. Es sei jedoch vermerkt, dass im Reich der (Kriegs-)Spiele mit martialischen Namen ebenso kokettiert wird wie mit einschlägigen Begriffen aus der Militärhistorie. Beides ist bei aller Wachsamkeit nicht überzubewerten. Allein der Vergleich mit der Musikszene macht deutlich, dass Computerspieler (noch) weit davon entfernt sind, anhand kommerzieller Games in den braunen Sumpf zu schlittern.

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Dennoch nimmt die Identifikation mit Weltkriegsspielen bisweilen groteske Formen an - gerade im Ausland. Die Website NaziGotlead, digitaler Clubraum eines amerikanischen "Medal of Honor"-Clans, weist Gäste daraufhin, dass weder Rassisten noch Neonazis hinter dem Internetauftritt stünden. Man spiele zwar gern "Medal of Honor", wolle aber keineswegs den Holocaust bagatellisieren. Einen Mausklick später bekommt der Besucher Hakenkreuzfahnen zu Gesicht sowie "cool nazi stuff from ebay". Hierzulande unvorstellbar, in einigen ausländischen Ländern durchaus legitim. Mit der Globalisierung tut sich die internationale Spielergemeinde nicht zuletzt deshalb schwer.

Virtuelle Salven von rechts und links

Gänzlich ohne naiven Charme präsentiert sich der Onlineauftritt der deutschnationalen Spielergemeinschaft 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend. Deren Maxime: In Zeiten von Spielen wie "Medal of Honor" oder "Return to Castle Wolfenstein", in denen Halbwüchsige darauf getrimmt würden, deutsche Soldaten zu erschießen und den Heldenmut der Amerikaner zu stilisieren, müsse ein Gegengewicht her. Allerdings deutet seit der Gründung im Jahr 2002 nichts auf ein Fortbestehen dieses Clans hin.

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