Die Messe ist weniger VoIP-enthusiastisch als im vergangenen Jahr
CeBIT: Leichte VoIP-Katerstimmung
Lars Gurow
Auch bei freenet gibt es Bildtelefone. Doch freenet kombiniert die Bild-Telefonie mit einer Art Media-Center im Wohnzimmer. Und genau dort könnte der Siegeszug für die Videotelefonie beginnen: Nämlich nicht an kleinen Geräten im Flur bei jedem kleinen Telefonat, sondern eher im Wohnzimmer und dann auch nur bei besonderen Anlässen. Per Computer will die große Masse offenbar keine Bildtelefonie betreiben, und auch der Erfolg der kleinen stationären Telefone mit Kamera und Bildschirm ist zweifelhaft.
Preislich ist aber offensichtlich die Talsohle erreicht. Zwar kristallisiert sich auch bei VoIP die Flatrate als Tarif der Wahl heraus, deren Preis wird aber wohl kaum weiter sinken können. Preise deutlich unterhalb der zehn-Euro-Marke sind unwahrscheinlich. Eine Minute VoIP ins Festznetz kostet den Anbieter 0,4 Cent, sagen Insider. Um VoIP wirtschaftlich anbieten zu können, ist preislich also nur noch wenig drin.
VoIP in Dolby Surround?
Allerdings wird die düftige Festnetz-Sprachqualität mit VoIP ein Ende haben: Viele Anbieter unterstützen bereits Codecs, die eine Sprachübertragung in sehr guter Qualität erlauben. Skype-Nutzer mit guten Headsets kommen bereits in den Genuss der hochwertigen Sprachcodecs. Der Router-Hersteller AVM zeigte auf der CeBIT ein Gerät, das eine deutlich bessere Qualität als herkömmliche Telefone bieten soll.
Letzten Endes hängt der VoIP-Siegeszug aber von einem ab: Dem Bündel von Telefon- und DSL-Anschluss. Die VoIP-Anbieter fordern schon länger, die unnötige Zwangsbündelung aufzuheben. Momentan sieht es zwar nicht nach Bewegung aus, größere Provider testen aber bereits Lösungen für nackte DSL-Anschlüsse. Sollte es DSL großflächig ohne Telefon geben, fängt die VoIP-Revolution erst richtig an.
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