CeBIT: "Wir sehen uns als Anwalt der Kunden" - Napster im Interview
CeBIT: "Wir sehen uns als Anwalt der Kunden" - Napster im Interview
Schliesche: Zweitens: Die Musikindustrie hat viel zu spät die Künstler selbst in den Kampf gegen illegale Downloads involviert. Man hat es mit Klagen und Werbespots versucht. Aber ich denke, es hätte viel mehr gebracht, wenn sich die Künstler hingestellt hätten und gesagt hätten: "Leute so sieht es aus - wenn ihr illegal runterladet, nehmt ihr mir die Lebensgrundlage." Robbie Williams nimmt man das vielleicht nicht ab. Aber wenn es viele Künstler sind, gerade die neuen, die eine gewisse Glaubwürdigkeit haben...
netzwelt: Und die dritte Sache?
Schliesche: In der heutigen Medienlandschaft ist die Möglichkeit neue Musik zu entdecken stark limitiert. Man merkt das beim Radio - ich kann heute durch das Umschalten kaum noch die Sender unterscheiden, weil überall fast die gleiche Musik gespielt wird. Das sind so drei Sachen, die der Musik und insbesondere dem digitalen Vertrieb nicht gut tun.
netzwelt: Spielen Sie ein Instrument?
Schliesche: Nein, keins. Ich kann noch nicht mal Noten lesen. Mein Musiklehrer hat mich sogar häufiger aus dem Musikunterricht verbannt.
netzwelt: Sie sind von Hause aus Chemiker, wie sind Sie zu Musikdiensten gekommen?
Schliesche: Ich habe zwei Jahre für ein Entsorgungsunternehmen als Projektleiter gearbeitet. Habe aber dann für mich beschlossen, das morgens um sechs Uhr auf eine Baustelle zu fahren und den ganzen Tag im Dreck sitzen nicht so das Richtige ist. (lacht) Ich bin dann zu einem amerikanischen Telefonunternehmen gewechselt und bin darüber zu T-Online gekommen. Dort habe ich den gesamten Bereich digitaler Transaktionen aufgebaut und das letzte Projekt war Musicload.
netzwelt: Bereuen Sie den Wechsel zu Napster?
Schliesche: Nein, kein Stück. Ich bin glücklich.
netzwelt: Herr Schliesche, vielen Dank für das Gespräch.

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