CeBIT: "Wir sehen uns als Anwalt der Kunden" - Napster im Interview

CeBIT: "Wir sehen uns als Anwalt der Kunden" - Napster im Interview

netzwelt: Was tut sich bei Napster im Handy-Bereich?

Schliesche: Wir kooperieren jetzt mit Ericsson, darüber soll Napster mobil werden. Es wird einen integrierten PC-/Handy-Service geben. Der Kunde kann dann über beide Geräte auf dasselbe Repertoire zugreifen - also Titel streamen, transferieren und kaufen. In den USA ist der Service bereits live.

netzwelt: Und der Download von Napster-Musik aufs Handy...

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Schliesche: Wir sind da technisch noch ein wenig eingeschränkt, da es bisher kein Gegenstück zu Microsofts DRM für die Musikmiete gibt. Kaufen und Besitzen geht, alles andere noch nicht.

netzwelt: Warum ist Napster besser als Musicload?

Schliesche: Ich würde nicht sagen, wir sind besser - wir sind anders. Mit 99 Cent pro Einzeltitel sind wir vom Preis im unteren Bereich. Und der Kunde hat die Wahl, er muss die Musik nicht kaufen, er kann auch über die Flaterate die Musik quasi mieten. Wir präsentieren eher Musik, sind mehr ein Musikservice. Musicload dagegen ist mehr ein Shop, der sehr stark auf Charts baut. Das mag für den einen Kunden besser, für den anderen schlechter sein.

netzwelt: Nun legt Musicload mit seinem neuen Streaming-Abo nach...

Schliesche: Aber dabei muss der Kunde online sein. Aus Sicht eines Internetservice-Providers wie T-Online ist das gut - wenn der Kunde online ist, bezahlt er. Unsere Kunden wollen nicht soviel online sein. Sie wollen die Musik runterladen und offline nutzen. Im Zug kann ich beispielsweise das Streaming-Angebot nicht nutzen, die Musik von Napster schon. Viele Leute haben noch keinen Internetanschluss im Wohnzimmer. Bei Daten- oder Zeitvolumen muss ich, wenn ich mir einen Titel zehnmal anhöre, auch genauso oft das Datenvolumen verarbeiten, das bedeutet unter Umständen auch höhere Kosten. Deshalb sehe ich das auch noch nicht wirklich als Konkurrenz- Produkt.

netzwelt: Ein kurzer Blick in die Kristallkugel - wo steht Napster in fünf Jahren?

Schliesche: Der Musikmarkt wird sich in den nächsten Jahren noch stark weiter in die digitale Richtung verschieben. Ich glaube, dass das Abo- und das Kaufmodell ungefähr die gleiche Gewichtung haben werden, was die Umsätze angeht. Und ich glaube, dass Napster in fünf Jahren im Bereich der Abo-Modelle definitiv Marktführer sein wird.

netzwelt: Was ärgert Sie am heutigen Musikmarkt?

Schliesche lacht: Oh, da werde ich heute nicht fertig. Nein, eigentlich sind es drei Sachen. Die größte ist die fehlende Interoperabilität der Geräte und der Services, die uns daran hindert den Markt richtig groß zu machen. Ich kann einem Kunden nicht erklären, warum die Musik von iTunes nicht auf einem Player von Musicload und umgekehrt die Musik von Musicload nicht auf dem iPod läuft. Es ärgert mich, das die Musikindustrie zulässt, dass Hard- und Softwareunternehmen ihre Eitelkeiten auf dem Rücken des Produkts austragen.

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