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13.03.2006
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Deutschland-Vize Thorsten Schliesche über Filesharing und Fehler der Musikindustrie

CeBIT: "Wir sehen uns als Anwalt der Kunden" - Napster im Interview

Alexandra Sorge

netzwelt: Dennoch, ich muss dazu aber zurück ins Abo...
Schliesche: Ich weiß, es ist am Anfang etwas ungewohnt. Aber vom Grundsatz her machen das viele. Wenn Sie ins Kino gehen, bekommen sie danach auch nicht den Film. Sie zahlen auch monatliche Radio- und Fernsehgebühren...
netzwelt: ...aber das darf ich mitschneiden und dann hab ich es auch auf meinem Rechner...
Schliesche: Die Themen "Privatkopie" und "intelligente Mitschneideprogramme" werden aktuell im Rahmen des Urhebergesetzes sehr intensiv und kontrovers diskutiert. Man muss die Ergebnisse abwarten, aber eine klare Regelung ist absolut wünschenswert.

netzwelt: Kurz nach dem Napster-Start in Deutschland funktionierte der Login nicht einwandfrei - gab es technische Probleme, was war da los?
Schliesche: Es war in der Tat ein technisches Problem. Wir haben für den deutschen Service in den Rechenzentren in den USA eine eigene Infrastruktur aufgebaut und am Anfang gab es Kapazitätsprobleme, weil wir nicht mit einer solchen Resonanz gerechnet hatten. Wir mussten noch ein wenig aufrüsten. Aber seit anderthalb Monaten gibt keine oder fast keine Probleme mehr bei der Anmeldung.

netzwelt: Wann kommt EMI in den Napster-Katalog, woran scheitern bisher die Verhandlungen?
Schliesche: In der Tat ist es bis heute so, dass EMI noch nicht mit im Service ist. Das ist das größte Problem, das wir im Bezug auf den Content haben. Ansonsten haben wir mit 1,5 Millionen Titeln ein sehr umfangreiches Angebot.
Das Problem ist: EMI hat einfach eine andere Preisvorstellung beim Endkundenpreis als wir. Und wir sehen uns verpflichtet als Anwalt der Kunden aufzutreten und versuchen zu vermeiden, dass die Musikindustrie bei solchen Services Preiserhöhungen durchsetzt. Und so hohe Preise sind am Markt beim Kunden nicht zu etablieren.
netzwelt: Es ist also ein Preisproblem, EMIs Forderungen sind zu hoch?
Schliesche: Es ist nicht mal die Forderung selbst, sondern der Preis, den EMI vom Endkunden sehen möchte. Da unterscheidet sich die Sichtweise deutlich. Ich denke, dass wir über den Preis auch viele Leute, die heute kein Geld für Musik zahlen, weil sie diese illegal nutzen, in die Legalität zurückführen können. Wenn wir den Preis anheben, verliert das ganze Produkt an Attraktivität; der Tranfer von illegal zu legal leidet.


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