Deutschland-Vize Thorsten Schliesche über Filesharing und Fehler der Musikindustrie

CeBIT: "Wir sehen uns als Anwalt der Kunden" - Napster im Interview

Alexandra Sorge

Am Rande der CeBIT traf sich netzwelt mit Thorsten Schliesche, Vizepräsident von Napster Deutschland. Er ist ein alter Hase im Geschäft: Vor Napster war er maßgeblich am Aufbau von Musicload beteiligt. Im Interview plaudert er über die Google-Gerüchte, illegale Tauschbörsen und darüber, wie der Diplom-Ingenieur der Chemie zur Musik kam.

netzwelt: Was ist Ihr Lieblingssong und nutzen Sie selber Napster?
Schliesche: Einen richtigen Lieblingssong gibt es nicht. Das hängt von der Tageszeit und der Stimmung ab. Es geht aber eher in Richtung "Alternative". Sachen wie Greenday gefallen mit extrem gut, auch Limp Bizkit.
Ich lade mir das dann auf den Laptop runter und übertrage es, und das ist das schöne an "Napster to go", auf meinen Player und habe die Musik auch für unterwegs.
netzwelt: Wie viele Nutzer hat Napster?
Schliesche: Ende letzten Jahres waren es mehr als 500.000 weltweit, also in den USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland.

netzwelt: Als Napster noch eine illegale Tauschbörse war, lag die Anzahl der Nutzer im zweistelligen Millionen-Bereich. Was bewegt die Menschen überhaupt den legalen Dienst zu nutzen, wenn es das alles auch kostenlos gibt?
Schliesche: Es gelingt uns schon Kunden aus der Illegalität zu holen, das sehen wir in unserem Forum. Drei Dinge lassen die Menschen umdenken. Erstens: die Angst erwischt zu werden. Die Napster-User von früher sind heute älter - mit 30 hat man ein anderes Unrechtsbewusstsein als mit 15 oder 16 Jahren. Außerdem haben viele mittlerweile verstanden, dass die Künstler von irgendwas leben müssen. Und zuletzt ist Convenience, also Verbraucherfreundlichkeit, ein großer Aspekt. Viele Lieder in den Börsen haben eine schlechte Qualität. Bei Napster klicke ich ein Lied an und bekomme was ich haben will und das in einer sehr hohen Qualität von 192 Kilobit pro Sekunde.

netzwelt: Im Vergleich mit anderen Musikdiensten - warum können sich so wenige Menschen mit der Musikmiete anfreunden?
Schliesche: Es ist ja nicht so, dass es zu wenige sind. In den USA gibt es neben Napster auch andere Anbieter wie Yahoo, die das Produkt anbieten und eine gewisse Anzahl von Kunden haben. Mit Blick auf den Gesamtmarkt ist unser Anteil an Kunden noch gering - das ist korrekt. Allerdings liegt der Jahresetat beim Kunden bei etwa 120 bis 180 Euro - das ist im Bezug auf Musik schon sehr viel. Viele Menschen, die mit dem Abo-Modell sympathisieren, also "ich lade soviel herunter, wie ich kann", nutzen heute leider noch illegale Tauschbörsen - auch das muss man ganz klar sehen.
netzwelt: Wenn ich mein Abo kündige, geht meine Napster-Musik flöten...
Schliesche: Sie geht nicht flöten, sie bleibt ja auf dem PC. Sie ist nur nicht mehr nutzbar. Außerdem lässt sie sich wieder aktivieren.



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13. März 2006