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15.03.2006
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Marketing-Chefin Susanne Peter im Interview

CeBIT: Illegale Filesharer überzeugen - nicht verfolgen

Alexandra Sorge

netzwelt: Wie wäre es mit einem Schülertarif?
Peter: Das ist gar nicht so einfach. Wir wollen mit der Musik, die wir vertreiben, auch Geld verdienen und können keine Spezialtarife aus anderen Töpfen subventionieren. Grundlage für unsere Kalkulation sind die Einkaufspreise, die uns die Musikindustrie vorgibt. Uns bleibt also wenig Spielraum. Im Rahmen von Abo-Modellen ließe sich darüber nachdenken, wie man Musik Schülern und Studenten anders zugänglich macht. Dazu ist aber nichts geplant.

netzwelt: Beobachten sie eigentliche die P2P-Netze, wie eMule oder Bit Torrent - kann man von denen vielleicht sogar etwas lernen?
Peter: Wir analysieren die Konkurrenz selbstverständlich und vergleichen beispielsweise den Traffic der P2P-Dienste mit unserem. Wann sind die Stoßzeiten, wenn es eine neue Veröffentlichung von einem Top-Künstler gibt? Und wann steigt der Datenverkehr? Die Ergebnisse helfen zu verstehen, wie der potenzielle Kunde tickt, der sich noch aus illegalen Angeboten bedient. Eine Erkenntnis ist, dass er alles, was brandneu ist, sofort haben will - genau wie der ehrliche Käufer.

netzwelt: Was ärgert Sie an der Musikindustrie?
Peter: Mittlerweile nichts mehr, aber wir haben ja auch exzellente Überzeugungsarbeit geleistet: Welche Vorzüge hat der digitale Vertrieb? Was für Vermarktungsformen ergeben sich online? Wie können wir neue Produkte anbieten, die es physisch gar nicht gibt? Aber unsere Partner haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und sind mutiger geworden. Worüber ich mich allerdings richtig geärgert habe, ist die Vorverö.

netzwelt: Vorver-was??
Peter: Die Vorveröffentlichungen, bevor das neue Album in den Handel geht. Heute ist es so, dass die Musikindustrie Hörproben an die Radiostationen ausliefert. Dort werden die Songs sozusagen warmgespielt, um potenzielle Käufer zu begeistern. Das Problem: Die Titel gibt es dann noch nicht im Handel, in illegalen P2P-Netzwerken aber schon. Früher hatten wir die Möglichkeit, 14 Tage vor der Veröffentlichung der CD den Titel digital zu verkaufen. Dadurch konnten wir natürlich enorm viele Kunden überzeugen, die sich ansonsten eventuell aus illegalen Netzwerken bedient hätten. Dem hat die Musikindustrie leider einen Riegel vorgeschoben. Ihr Argument: Handel und digitaler Vertrieb müssten gleich behandelt werden, um den Wettbewerb nicht zu gefährden. Dabei wurde leider übersehen, dass der Handel mit einem Gesamtmarktanteil von 92 Prozent natürlich ganz andere Vorteile hat.


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