DSL ohne Telefon wird den Trend beschleunigen

CeBIT: "Mittendrin in der VoIP-Revolution" - sipgate-Chef im Interview

Thilo Salmon, 35, ist Gründer der VoIP-Firma sipgate. Sipgate ist der einzige große VoIP-Provider, der nicht auch gleichzeitig DSL anbietet. Im netzwelt-Interview spricht er über die VoIP-Revolution, den Vergleich mit anderen Technologien und was VoIP und E-Mail-Adressen gemeinsam haben.

netzwelt: Es kostet Geld, von einem sipgate-Anschluss bei sipgate anzurufen.
Thilo Salmon: Warum?
netzwelt: Das frage ich Sie. Ist sipgate kein sipgate-Kunde?
Salmon: (lacht) Nein, die Telefonanschlüsse der indigo networks (sipgate-Muttergesellschaft, Red.) sind keine sipgate-Anschlüsse. Das liegt daran, dass wir auf den indigo-networks-Festnetzrufnummern die zukünftigen Business-Produkte für sipgate testen.

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sipgate-Chef Thilo Salmonnetzwelt: Ist die VoIP-Revolution schon da oder schon vorbei?
Salmon: Ich würde sagen, wir stecken mittendrin. Jetzt gibt es bereits Dual-Mode-Telefone mit WLAN und GSM, Wimax - VoIP ist jetzt deutlich flexibler.
netzwelt: Die großen Umwälzungen gab es aber noch nicht.
Salmon: Doch. Wenn Sie ein Jahr im Ausland sind, können Sie ganz selbstverständlich Ihre deutsche Rufnummer mitnehmen. Das ist neu, das gab es früher nicht. Ein anderes Beispiel, das mir sehr gut gefällt: Ich habe einen sipgate-Account für zu Hause, den habe ich auch in mein Bürotelefon einprogrammiert. So bin ich unter meiner Privatnummer im Büro erreichbar. Zwar kann man eine solche Lösung auch per Anrufweiterleitung einrichten, aber das kostet natürlich Geld. Mit VoIP kostet das nichts.

netzwelt: Momentan hält der alte Telefonanschluss die VoIP-Revolution auf, weil er Voraussetzung ist, um einen DSL-Anschluss zu bekommen. Was passiert, wenn Telefon und DSL entbündelt werden?
Salmon: Es wird dann eine deutliche Abwanderung von Telefonkunden zu VoIP-oder DSL-Anbietern geben.

netzwelt: Weil die Kunden dadurch Geld sparen? Um welchen Betrag geht es dabei?
Salmon: Diese Frage könnte die Deutsche Telekom am besten beantworten. Ich erwarte, dass der Kunde einen signifikanten Anteil bei seinem Telekom-Anschluss spart. Im Moment subventionieren Telekom und andere Anbieter die DSL-Grundgebühren über den Telefonanschluss. Würde man Telefon und DSL entbündeln, würden die Kosten neu verteilt. Der DSL-Anschluss würde dann zwar teurer, aber ohne den Telefonanschluss spart der Kunde unter dem Strich dennoch deutlich.

netzwelt: Bei den DSL-Anbietern ist VoIP eher ein Zusatz, so wie eine E-Mail-Adresse. Sipgate dagegen muss mit VoIP Geld verdienen. Wie geht das mit einer VoIP-Flatrate für halb Europa für 8,90 Euro?
Salmon: Sehr freundlich, dass Sie sich unseren Kopf zerbrechen, aber wir sind da frohen Mutes. Wir verdienen ja schon heute Geld, schreiben schwarze Zahlen und haben auch keine Investoren im Hintergrund. Es zeichnet sich aber ab, dass wir von der "Economy of Scale" leben müssen. Das heißt: ein Produkt, das wir tausend Kunden zur Verfügung stellen können, auch hunderttausend oder sogar einer Million Kunden, und das ohne spürbar steigende Fixkosten. Dann rechnen sich auch niedrige Umsätze pro Telefonkunde.

netzwelt: Warum sollte ich zu sipgate gehen und nicht das VoIP-Angebot von meinem DSL-Provider annehmen, wo die Minutenpreise ins deutsche Festnetz in der Regel niedriger sind als bei sipgate?
Salmon: Im "plus"-Tarif haben Sie ja auch einen solchen Minutenpreis. Und eine Grundgebühr haben im Prinzip alle VoIP-Anbieter - egal, ob sie nun im DSL-Grundpreis enthalten ist oder nicht. Außerdem ist man flexibler, als wenn man den Dienst des Providers annimmt. Denken Sie an früher: Da konnte man keine T-Online-E-Mails abrufen, wenn man sich nicht über T-Online eingewählt hatte. Heute ist es selbstverständlich, seine E-Mail-Adresse bei einem anderen als dem DSL-Provider zu haben und ich erwarte, dass es mit dem Telefon genauso sein wird.

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