Beißer im Blutrausch
Kurztest: BloodRayne 2
Michael Dees
Eine Frau jenseits der 70, die zwielichtige Gestalten in den Müllschlucker stopft - klingt unschön. Doch wenn die Oma "Rayne" heißt, sieht die Sache anders aus.
Das 3rd-Person-Actionspiel von Terminal Reality beinhaltet alles, was dem USK-Prüfer die Schweißperlen auf die Stirn treibt: Nazikult, nackte Haut, Opfer in Müllschluckern, Ventilatoren und auf Klingen gespießt. Während das erste Abenteuer von BloodRayne - jenem sadistischen Halbvampir mit knappen Outfits - hierzulande auf keinem Kassenbon stand, erreicht der Nachfolger mit monatelanger Verspätung den europäischen Markt.
Wieder geht es um einen faschistischen Vampirverein, der weltumspannend sein Unwesen treibt. Seit dem Zweiten Weltkrieg, den der Vorgänger zeitlich absteckt, hat die böse Sippschaft um Obervampir Kagan, der auch Raynes Papa ist, stetig zugenommen. An Familienglück ist nach wie vor nicht zu denken. Rayne, obgleich selbst ein so genannter Dhampir, hält wenig von der Blutsverwandtschaft - so wenig, dass jede Begegnung mit Toten endet.
Die Traumfigur kommt nicht von ungefähr: Rayne hält sich mit regelmäßigen Turnübungen fit und wendet im Nahkampf insgesamt zwölf Angriffskombinationen an
Paradox: In der stark geschnittenen deutschen Version fließt trotz Vampirismus und deftiger Gewalt kein Tropfen Blut. Warum es mit der Jugendfreigabe trotzdem nicht geklappt hat, lassen einschlägige Missionsziele erahnen: "Gegner mit der Harpune in den Kamin drängen", heißt es beispielsweise in einem von Vampiren bevölkerten Herrenhaus. Das noble Anwesen wird von klassischer Musik beschallt - und von dem Röcheln sterbender Vampire.
Todesursache Nummer eins: Raynes messerscharfe Unterarmverlängerungen. Die imposanten Klingen werden im Verlauf mit immer neuen Mordwerkzeugen bestückt, sodass damit auch geschossen werden kann. Blut dient als Munition. Sollte der rothaarige Vamp längere Zeit kein Opfer anzapfen, halten im Feuergefecht die eigenen Blutreserven her. Das kostet Lebenskraft, die am nächsten Hals jedoch wieder aufgefrischt werden kann. Eine optimale Ausbeute sieht folgendermaßen aus: Opfer anspringen, Blut saugen, danach Waffe auffüllen und - sofern das Opfer noch lebt - ein Dolchstoß ins Herz. Denn nur so füllt sich die Wutanzeige rasch wieder auf. Wut ist unverzichtbar, um vorübergehend die Geschwindigkeit zu drosseln, die Kampfkraft zu steigern oder Hinweise in der durchaus atmosphärischen 3D-Umgebung zu orten. Wer den letzten Polterabend verpasst hat, nimmt mit Freude zur Kenntnis, dass von der Vase bis zum Konzertflügel alles zerdeppert werden darf.
Fazit: Graf Dracula würde sich glatt ein Bild von Rayne in den Sarg hängen. Sterbliche Fans haben längst das Original gespielt und machen sich jetzt auf die Verfilmung von Uwe Boll gefasst.
BloodRayne 2
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