Nachgefragt: Die HDTV-Pläne von ARD, ZDF und RTL

HDTV: Verbreitung auch ohne Free-TV-Sender

Auch in den kommenden Jahren werden HDTV-taugliche Fernseher und Receiver nur nach und nach ihren Platz in den deutschen Wohnzimmern finden: Laut der Solon-Studie werden erst 2010 in 15 Prozent der Haushalte HDTV-Sender auf den Bildschirmen flimmern. Bis ARD, ZDF und RTL HDTV-Signale ausstrahlen, werden also voraussichtlich noch einige Jahre vergehen.

Werbung

Die Frage ist natürlich gestattet, wie sich HDTV verbreiten soll, wenn die Mehrzahl der großen TV-Anbieter keine hochauflösende Inhalte sendet. Allerdings ist davon auszugehen, dass hochauflösende Displays auch ohne Unterstützung durch die großen Fernsehanbieter die Haushalte erobern werden. Schließlich liefern sowohl die Abspielgeräte der DVD-Nachfolger Blu-Ray-Disc und HD-DVD als auch die Next-Generation-Konsolen Playstation 3 und Xbox 360 hochauflösende Bilder.

Dass die TV-Anbieter die Investition in die Fernsehzukunft derzeit noch scheuen, ist verständlich, denn der Aufwand für eine Umstellung auf HDTV ist groß: Um Sendungen in hoher Auflösung aufzuzeichnen, brauchen die Sender vor allem neue technische Ausstattung wie Kameras und Schnittplätze.

Weil die Umstellung aufgrund der hohen Kosten nur nach und nach zu bewerkstelligen ist, haben die öffentlich-rechtlichen Sender schon mit der Anschaffung begonnen, obwohl der HDTV-Sendestart noch nicht absehbar ist: "Alte Geräte, die ausgetauscht werden müssen, ersetzen wir schon jetzt durch HDTV-kompatible Produkte", sagt ZDF-Sprecher Walter Kehr.

Doch die höhere Auflösung von HDTV macht nicht nur die Neuanschaffung von Studiotechnik erforderlich, sondern stellt auch höhere Anforderungen bei der Produktion selbst: Die HDTV-Bilder sind im Vergleich zu den niedrig aufgelösten PAL-Bildern der konventionellen Fernseher so scharf, dass etwa die derzeit eher grob gearbeiteten Kulissen künftig wesentlich detaillierter gestaltet sein müssen. Und damit die Unebenheiten in den Gesichtern der Moderatoren und Schauspieler vor der Kamera den Zuschauern verborgen bleiben, werden die Maskenbildner wohl deutlich mehr Make-up auftragen müssen.

Dokumentationen: Produktion schon jetzt in HDTV

Trotz der hohen Anforderung hat die Produktion von hochauflösenden Sendungen schon begonnen: "Weil in anderen Ländern wie Japan oder den USA die HDTV-Entwicklung schon weiter fortgeschritten ist, produzieren wir hochwertige Dokumentationen, die auch für den internationalen Markt gedacht sind, schon jetzt in HDTV", sagt ZDF-Sprecher Walter Kehr. Nach und nach wollen die öffentlich-rechtlichen Sender ein Archiv mit HDTV-Material aufbauen, um bei einer Umstellung auch genügend hochauflösendes Material zur Verfügung zu haben.

In welchem HDTV-Format die Sender ihr Programm ausstrahlen werden, steht noch nicht fest: Denkbar ist sogar, dass Sender ihr Programm in unterschiedlichen Formaten ausstrahlen - je nachdem, welche HDTV-Variante für eine bestimmte Sendung besser geeignet ist. Das Format 720p ist beispielsweise dank des progressiven Bildes besser zur Darstellung von rasanten Action-Sequenzen geeignet.

HDTV-Einkauf: Kompatibilität beachten

Wer sich schon jetzt ein HDTV-Gerät anschaffen will, sollte daher auf breite Kompatibilität setzen: "Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Verbraucher bei der Anschaffung neuer HDTV-Fernseher darauf achten, dass das Gerät und natürlich auch der Receiver über das Label 'HD Ready' verfügt. Insbesondere ist die Beratung durch den Fachhandel wichtig, der über das einwandfreie Zusammenspiel der verschiedenen Geräte kompetent informieren kann", empfiehlt ARD-Techniker Tillmann.

Forum

Eigenen Kommentar schreiben