Theater um E3-Kleiderordung
Kolumne: E3 - Kein Schwein mehr namens Babe?
Gamer-Kolumne
Klischees in Film und Fernsehen suggerieren es: Computerfreaks haben ein Imageproblem. Für den Wissensvorsprung im Umgang mit Hard- und Software zahlen viele Spezialisten einen hohen Preis. Von jenen mangelernährten/übergewichtigen Experten mit Brille und/oder Pickeln lassen sich technisch weniger beschlagene Frauen zwar gerne helfen, aber nur ungern anfassen.
Gamer, weil mehrheitlich sehr jung, müssten sich auf der Attraktivitätsskala demnach arg weit unten einrichten. Ganz gleich, wie ertragreich die Ruhmernte auf virtuellen Schlachtfeldern sein mag: Es beeindruckt die Frau von (realer) Welt nunmal nicht. Nur auf einschlägigen Messen, wo Wunschdenken und Realität auf einen übergroßen gemeinsamen Nenner gebracht werden, darf auch der Battlefield-Backfisch ein stimmgebrochenes Flirtwort durch die Zahnspange zischeln. Die Adressaten heißen Messe-Babes. Das schlimme Wort bezeichnet jene Grazien, die mit schmalem Bekleidungsbudget neue Produkte bewerben und die Blicke der Besucher wie Hostien zu empfangen scheinen.
Als wichtigste Veranstaltung ihrer Art gilt die E3 (Electronic Entertainment Expo) in Los Angeles. Und dann diese Meldung, wonach halbnackte Hostessen künftig ausgerechnet dieser Messe fern zu bleiben hätten. Grundlage ist ein Dresscode, der die überhand nehmende Freizügigkeit eindämmen soll. Im Klartext: Ausstellern, die Nackte oder Halbnackte durch die Messehallen scheuchen, droht nach einmaliger mündlicher Verwarnung eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Dollar.
Bald zugeknöpft? E3-Messebabes, Quelle: e3girls.com
Von Zensur in diesem Zusammenhang spricht Brenda Brathwaite. Als Designerin der Simulation "Playboy: The Mansion" weiß sie genau, was viele Männer und frühreife Spielkinder wollen: nämlich Bytes und Babes! Inzwischen hat die Entertainment Software Association (ESA), Veranstalter der E3, relativiert. Die Kleiderordnung sei keineswegs neu, nur wolle man künftig genauer auf deren Einhaltung achten.
Vorläufig atmen Kerle auf und die Haut der Messe-Mädels wohl auch weiterhin nicht durch Strickpullis. Man(n) wird sehen, wie viel Frau letztlich gezeigt werden darf. Was bleibt ist der Beigeschmack, der damals schon Hot-Coffee ungenießbar machte. In den USA hat man selbst mit kleinen Nacktstellen ein offenbar so großes Problem, dass die berühmte Kuhhaut so schwer drunter passt wie das moralische Deckmäntelchen drauf.
Jetzt sind Sie dran.
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