Statement von Bündnis 90/Die Grünen
Killerspielverbot: Rot-grüne Koalition im Geiste?
Kaum dass die Killerspiel-Debatte aus den Schlagzeilen verschwunden ist, greift die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Monika Griefahn, SPD, das Thema wieder auf. "Etwas fahrlässig" nannte sie die Formulierung im Koalitionsvertrag. Mit dieser ausschließlich negativen Bewertung würden Computerspiele insgesamt in ein falsches Licht gerückt. Die noch notwendige öffentliche Anerkennung des kulturellen Wertes von Computerspielen sollte laut Griefahn anstelle einer Diskussion um ein Verbot derselben im Vordergrund stehen.
Deutlichere Worte findet Grietje Bettin. Netzwelt hat die medienpolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen zum Thema befragt. Der frühere Koalitionspartner der SPD hält nichts von einem pauschalen Verbot so genannter Killerspiele. Ein neuerlicher Amoklauf wie in Erfurt könne dadurch nicht verhindert werden. Das Statement von Grietje Bettin lesen Sie in urschriftlicher Form.
Statement zum geplanten Verbot von Killerspielen
"CDU/CSU und SPD wollen, so haben sie es in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, ein Verbot von Vertrieb und Herstellung sog. 'Killerspiele' prüfen. Dabei berufen sie sich auf die beliebte These, dass sich Gewaltdarstellungen in Medien negativ auf deren Konsumenten auswirken. Gewaltverherrlichung und Kriegslust haben in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen. Das ist und bleibt grüne Grundsatzposition, die wir auch bei der Novelle des Jugendschutzes immer wieder deutlich gemacht haben.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN halten dennoch nichts von einem solchen pauschalen Verbot - aus mehreren Gründen. Die Forderung der großen Koalition ist populistisch und nicht durchsetzbar. Sie reduziert das Spielen von gewalthaltigen Computerspielen auf einen simplen Zusammenhang 'Gewaltspielen = Gewalthandeln', der so nicht gilt. Wer sich ernsthaft mit Mediennutzung und Gewaltverhalten von Heranwachsenden auseinandersetzt, wird feststellen, dass es komplexe individuelle Zusammenhänge sind, die hier wirken. Dass das Spielen gewalthaltiger Computerspiele kurzfristige Auswirkungen auf Verhalten, Gefühle und Gedanken haben kann, ist weitestgehend unstrittig und in zahlreichen Studien nachgewiesen worden. Einige Untersuchungen haben unmittelbar nach dem Gewaltspiel eine Abstumpfung ('Desensibilisierung') gegenüber Gewaltdarstellungen feststellen können. Unklar hingegen sind die langfristigen Effekte von häufigem oder gar exzessivem Spielen. Ob hierdurch die 'Gewaltschwelle' dauerhaft gesenkt und aus gespielter reale Gewalt wird, konnte die Wissenschaft bisher nicht klären.

Zum Thema vielleicht noch die Äußerung eines Sprechers der Grünen. Hier seine Antwort auf die Frage, ob die Opposition einen entsprechenden Gesetzesentwurf kippen könnte: "Da noch überhaupt nicht...
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