Kommentar: Kann man Apple noch trauen?

Cool, cooler, am coolsten...

Dabei kann man Steve Jobs und seinen Lakaien nicht einmal einen Strick drehen. Aus Marketing-Sicht ist das Konzept von Apple genial, Jobs und Schiller werden auf den Keynotes wie Gurus gefeiert und egal, was sie den Anwendern auftischen, die gläubigen Mac-Jünger schlucken es. Der Intel-Umstieg ist das wohl beste Beispiel. Jahrelang fuhr Apple eine Kampagne nach der nächsten, um den Vorteil der PowerPC-Architektur gegenüber den x86er-Prozessoren aus der PC-Welt zu forcieren, teilweise mit Erfolg. Der Megahertz-Mythos ist ein Klassiker der Apple-Geschichte. Steve Jobs verkaufte dem Anwender glaubhaft, dass PowerPCs bei halber Taktrate ungefähr doppelt so schnell seien wie Pentiums. Dumm nur, dass das nur in einigen, hochspezialisierten Anwendungen zutraf. Ansonsten schenkten sich PPC und x86 nichts.

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Noch vor zwei Jahren, als Apple den Powermac G5 präsentierte, wurde die Überlegenheit der 64-Bit-PowerPC-Architektur beworben. Und heute? Keine Spur mehr davon, außer der Aussage, dass der "neue iMac Dual-Core 2x schneller" als sein Vorgänger sei. Kurz überlegt, Rechenzeit und -power verglichen und siehe da, PPC und x86 schenken sich tatsächlich nichts. Die einfach Milchmädchen-Rechnung: Wenn ein Dual-Core-Intel doppelt so schnell ist wie ein gleich getakteter Single-G5, dann heißt das nichts anderes, als dass die Kerne identische Leistung haben. Vermutlich fährt auch Mac OS X die Dual-Core-Schiene nicht voll aus, viele Anwendungen nutzen eben doch nur einen Kern und schon ist sie dahin, die Überlegenheit.

... genauso "cool" wie Microsoft

Steve Jobs hat es fertiggebracht, seine Firmenpolitik von einem Tag auf den anderen komplett zu ändern, von Anti-Intel zu Intels Bruder im Geiste. Und die Mac-Gemeinde geht mit, als wäre nichts. Die Kehrtwende Apples erinnert ein wenig an den Optimismus, den der ehemalige irakische Informationsminister Mohammed Sahid al-Sahaf, kurz Comical Ali, der es ebenfalls fertig brachte, die Fakten so zu verdrehen, dass sie sich ins Lächerliche bogen. Nicht umsonst hat "Comical Ali" inzwischen Kultstatus: "There are no American infields in Bagdad. Never!" sagte er zum Beispiel den Medien, als Bagdad bereits fiel. Und Steve Jobs? Der erzählt, dass Intel jetzt plötzlich doch besser sei als die PPC-Architektur. Wer soll das noch glauben? So schwach ist selbst das Gedächtnis eines Mac-Anwenders nicht.

Wir haben also einen Lügen-Steve und ein Heimtelefonier-Programm. Und dann das Gehabe mit dem iPod und iTunes. Herr Jobs - muss das sein? Kaum ist Apple einmal irgendwo Marktführer, schon wird aggressiv auf die Konkurrenz eingedroschen. Das fängt damit an, dass iTunes keine anderen Player unterstützt und hört damit auf, dass der iPod sich konsequent weigert, WMA, OGG oder DivX-Videos abzuspielen, obwohl er mit Sicherheit alle Files ausführen könnte, wenn denn die Software mitspielen würde. Es geht nicht einmal um die Möglichkeit, Sachen im Musicstore zu kaufen, dafür gibt es das geschützte AAC-Format. Aber wäre es nicht toll, wenn iPod-Anwender auch ihre WMVs, WMAs und sonstigen Files auf dem iPod abspielen könnten? Jeder Windows-Player erledigt das mit links!

Mach's besser, Steve!

Derweil lassen sich Mac-Anwender alles andrehen, gnadenlos. Bei den Keynotes wird kameratauglich gejubelt wie früher im Palast der Republik, nur mit dem Unterschied, dass der Jubel aus der Journalisten-Ecke beim Auftritt von Onkel Steve echt ist, während die DDR-Jubler beim Erscheinen von Honecker ein Bajonett im Rücken hatten, was die Jubelfreude parallel zum Grad der Todesangst entfachte. Ja, so war das früher, als Apple noch keine Alternative war.

Jetzt ist Apple keine mehr: Die monopolistischen Ambitionen und seltsamen Spionage-Versuche des Herstellers, verbunden mit der möglichst perfekten Integration eigener Dienste, angefangen damit, dass manche Funktionen des Betriebssystems ausschließlich mit einem .Mac-Account funktionieren, sind mehr als gewöhnungsbedürftig. Bleibt dem skeptischen Anwender wohl nur noch der Schritt in Richtung Open-Source, um solchen Machenschaften endgültig zu entgehen. Also, Steve, wenn du verstanden hast, dann sieh' zu, dass Apple wieder cool wird. Sonst musst du Deine Keynotes bald ohne Jünger abhalten.

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Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Apple iTunes hier.

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