Offenes Lexikon in Gefahr

Wikipedia: Nur noch für registrierte User?

Das Wikipedia-Konzept ist ein Erfolgsmodell. In kürzester Zeit ist die auf einem Wiki-System basierende Enzyklopädie Wikipedia zum wohl erfolgreichsten Lexikon der Welt aufgestiegen. Erhältlich ist sie in fast jeder wichtigen Sprache der Welt und der Surfer kann im Vorbeisurfen Artikel ergänzen oder korrigieren. Der Nachteil: Der Missbrauch häuft sich. Dem will die Wikipedia-Gemeinde jetzt einen Riegel vorschieben.

Obwohl das Wikipedia-Konzept eigentlich kaum zulässt, dass Inhalte der Online-Enzyklopädie zerstört werden, gibt es immer wieder Experten, die der Ansicht sind, sie müssten Artikel schreiben, die wahlweise falsch oder sogar beleidigend sind. Zwar gibt es selbsternannte Administratoren, die solchen Machenschaften Einhalt zu gebieten versuchen, mit der Zahl der Artikel nimmt aber auch die Chance zu, dass die ein oder andere hinterlistige Änderung unbemerkt bleibt. Das Resultat: Die Wikipedia begibt sich auf das dünne Eis internationaler Juristerei.

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Kompliziert oder einfach seltsam

Und es gibt noch ein weiteres Problem, mit dem das freie Lexikon zu kämpfen hat: Viele Artikel werden von Hobbyisten oder Experten geschrieben, andere von Spaßvögeln. Das Resultat ist, dass manche Artikel extrem ausführlich, aber für Otto Normal kaum verständlich sind, während wieder andere keine drei ganzen Sätze enthalten und den Leser mit mehr Fragen zurücklassen, als er vor dem Genuss des Artikels hatte.

Jimmy Wales, Wikipedia-Gründer, hat nun die Notbremse gezogen - zumindest in der englischen Ausgabe der Wikipedia. Um die Qualität zu gewährleisten, dürfen nur noch registrierte Anwender neue Artikel im Lexikon anlegen. Dadurch werden die zahlreichen überflüssigen und doppelten Einträge verfolgbar und notfalls diskutierbar. Diese Diskussion fehlte bei der bisherigen Vorgehensweise, bei der sich wirklich jeder am Ausbau der Wikipedia beteiligen konnte. Nun dürfen nur noch bestehende Artikel ohne Login geändert werden, wer sich selbst in die Wikipedia eintragen möchte, muss sich vorher anmelden und ist dadurch leichter verfolgbar. Wales hofft, durch diese Maßnahme das qualitative Niveau der Enzyklopädie zu verbessern.

Rufmord und falsche Fakten

Hauptauslöser für die Änderung im Wikipedia-Konzept ist die Debatte um den US-Journalisten John Seigenthaler senior, der in seiner Biographie in der Wikipedia schwere Fehler feststellte. So wurde er als Mordverdächtiger bei den Kennedy-Morden bezeichnet. Seigenthaler beklagte diesen Umstand als "Rufmord" in der US-amerikanischen Tageszeitung "USA Today", mit dem Erfolg, dass die Wikipedia-Organisation unter Druck geriet.

Trotz der Beliebtheit des Online-Lexikons kann sich aufgrund der offenen Struktur eines Wikis nicht auf die Einträge in der Wikipedia verlassen werden. Oft fließen populäre Fehlansichten in das Lexikon ein, die, weil sie eben populär sind, auch nicht korrigiert werden. So kann sich falsches Wissen geschickt um den Erdball und über Artikel verbreiten, bis sich irgendwem die Haare sträuben und er den Artikel endlich korrigiert. Die demokratische Struktur der Wikipedia macht es zudem schwer, dass sich einzelne User, die das richtige Wissen haben, gegen eine ganze Gruppe von Anwendern mit der falschen Meinung durchsetzen können.

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Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 4 Beiträge

Zitat: . Andrerseits kann etwas, das heute (warum auch immer) als falsch angesehen wird, eines Tages doch als richtig erkannt werden - ein in der Wissenschaft oft ablaufender Vorgang! ...

Trotz aller dieser Probleme ist Wikipedia ungemein wichtig für alle Lernenden. Auch in den gelehrtesten Fachbüchern steht oft haasträubender Unsinn, der erst nach Jahrzehnten entdeckt wird - dennoch hat er uns...

Zitat: Projekt Wikiweise Das ist doch ein prima Ansatz. Das Problem ist nur, dass man auf der Suche nach einem Begriff wie "Auto" statt "Automobil" folgende Ergebnisse bekommt: ...

Das Problem der Wikipedia sind leider nicht die anonymen Benutzer. Das Problem der Wikipedia sind die Vielzahl der angemeldeten Benutzer, die nicht verstanden haben, dass zu einer Enzyklopädie mehr dazu gehört als...

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