Test: Civilization IV
Gewalt ist eine Lösung, Raumfahrt auch
Die meisten Nationen stellen zwei historische Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Begabungen zur Wahl. An die Spitze der Inder kann beispielsweise das adlige Organisationstalent Asoka berufen werden. Alternativ bietet Gandhi seinen industriellen Sachverstand an. Unabhängig von der Wahl des Staatsoberhaupts führt jede Nation eine charakteristische Spezialeinheit ins Feld. Auf Seiten der Deutschen ist das der unvermeidbare Panzer.
Weil Kampfeinheiten durch siegreiche Schlachten Erfahrungspunkte sammeln, reifen Veteranen zu wahren Experten auf bestimmten Gebieten. Vorteile auf gewissem Terrain schließt das ebenso ein wie Kraftschübe oder Boni bei der Verteidigung einer Stadt. Leider kommt es immer noch vor, dass etwa Bogenschützen vereinzelt Schießpulvereinheiten eliminieren. Gegenüber dem dritten Teil hat sich das Kräfteverhältnis jedoch weitgehend normalisiert. Die kriegerische Auseinandersetzung mit fremden Zivilisationen ist der radikalste Weg zur Weltherrschaft, aber nicht der einzige. Auch eine Weltraumnation, die allen voran Alpha Centauri erreicht, trägt unter entsprechenden Bedingungen den Sieg davon. Ganz ohne Militär geht es allerdings nicht. Auch friedfertige Diplomaten sind potenzielle Ziele für Barbarenknüppel. Verhandlungsgeschick nützt im Umgang mit Wilden nichts.
Dreidimensionalität und doppelte Musik
Die Verwendung einer neuen 3D-Engine füllt den Bildschirm mit Leben. Wer die Kamera dicht an Städte und Provinzen heranfährt, wird Zeuge einiger netter Details. Mit Grafik-Götzen wie "Age of Empires III" kann und will sich "Civilization IV" freilich nicht messen. Wozu auch, den äußeren Werten messen Serienkenner wohl die geringste Bedeutung bei.
Musikalisch bedient "Civilization IV" dagegen höchste Ansprüche. Schon bei der Installation sichten Liebhaber klassischer Musik Werke von Bach oder Beethoven. Nicht klassisch, aber klasse ist die wunderbare Menümusik, deren Ethnocharme vollkommen dem Charakter des Spiels entspricht. Nett: Das Programm verteilt zwei parallele Musikspuren auf unterschiedliche Zoomstufen. Aus der Ferne betrachtet schwelgen die Zivilisationen in klassischer Tonkunst. Die Nahansicht begleitet zeitgenössische Musik. Nach der Erforschung einer neuen Technologie gibt die deutsche Stimme von "Gladiator" Russell Crowe ein passendes Zitat zum Besten.
Zivilisiert durch die Nacht
Vor dem Hintergrund, dass Computerspieler heute auf eine Einarbeitungszeit von zehn Minuten konditioniert sind, darf darüber spekuliert werden, ob ein "Civilization" ohne ruhmreiche Vergangenheit am Markt bestehen könnte. Sid Meier muss daran keine Gedanken verschwenden; sein Strategieschwergewicht wird selbst treue Fans mobilisieren, die sich aus der Welt der Spiele zwischenzeitlich verabschiedet hatten.
Allen "Civilization"-Neulingen, die in "Age of Empires III" den Platzhirsch sehen, erscheint "Civilization IV" wie das Mammut im Strategierevier. Mehr Tiefgang und Komplexität bietet kein anderer Vertreter dieses Genres. Nicht das geeignete Spiel für die Mittagspause, eher eine Beschäftigung für den langen Abend und/oder die ganze Nacht.
| Steckbrief | ||
|---|---|---|
| Sound | 9 von 10 % | 89 % |
| Grafik | 13 von 15% | |
| Spielspaß | 15 von 15% | |
| Multiplayer | 9 von 10% | |
| Bedienung | 8 von 10% | |
| Preis/Leistung | 13 von 15% | |
| Hardwareanforderung | 12 von 15% | |
| Langzeitspielspaß | 10 von 10% | |
