Spiel mit der Macht
Test: Civilization IV
Was Macht aus Menschen macht, zeigen unbeherrschte Jedi-Ritter und Sozialdemokraten. Große Macht für kleine Leute bewilligt Sid Meiers Strategieepos "Civilization". Kalkulierbare Nebenwirkung: Augenringe.

Inhaltsverzeichnis
- 1Machthungrige Entwicklungshelfer
- 2Missionarischer Opfergang
- 3Gewalt ist eine Lösung, Raumfahrt auch
- 4Dreidimensionalität und doppelte Musik
- 5Zivilisiert durch die Nacht
Jeder, der sich ernsthaft für Strategiespiele interessiert, wurde im Laufe seines Daddlerdaseins mit dem Namen Sid Meier konfrontiert. Dessen rundenbasierendes "Civilization"-Konzept ist die Saat, aus der Echtzeit-Ableger wie "Age of Empires", "Empire Earth" oder "Rise of Nations" aufgingen. Die Fortsetzung der millionenfach verkauften "Civilization"-Reihe verbindet Bewährtes mit moderner Technik. Im Rundentakt klicken sich Steinzeitstrategen einer strahlenden Zukunft entgegen.
Machthungrige Entwicklungshelfer
18 Zivilisationen repräsentieren die bedeutsamsten Epochen der Menschheitsgeschichte. Antike Hochkulturen wie Griechen, Römer, Ägypter, Perser oder Azteken stehen im Wettstreit mit den Kolonialmächten England, Frankreich und Spanien; die wiederum schielen nach Russland, Japan, Deutschland, China und Amerika.
In grauer Vorzeit unterscheiden sich die Kulturen nur hinsichtlich ihrer Sprache. Erst nachdem aus primitiven Lehmhütten Städte geworden sind, wenn eifrige Forschung Gesellschaftsformen und kulturelle Blüte hervorgebracht hat, erlangt eine Nation Identität. Ein schier erschlagendes Angebot an Staatsformen, Bauwerken und Technologien dürfte verhindern, dass sich mehrere Teilnehmer einer Multiplayerpartie (möglich via Netzwerk, Hotseat und E-Mail) zufällig in die gleiche Richtung entwickeln.
Missionarischer Opfergang
Die Religion tut ein Übriges. Erstmals dürfen "Civilization"-Spieler eine von sieben großen Glaubensrichtungen einschlagen. Weil die Entwickler keine Konfession mit heiklen Themen besetzen wollten, sind die Auswirkungen ungeachtet der Religionswahl stets gleich. Lediglich die technologischen Voraussetzungen variieren. "Wir sind Spieleentwickler, keine Theologen", begründen die Macher diesen Schritt.
Auf dem diplomatischen Parkett ist die Religionsfreiheit jedoch nicht grenzenlos. Obwohl die computergesteuerten Nebenbuhler relativ friedlich sind, kann es durchaus passieren, dass andersgläubige Nachbarn angesichts der vom Spieler praktizierten Religion die Nase rümpfen. Die Entsendung eines Missionars schafft möglicherweise Abhilfe, wenngleich ein Glaubensbote unabhängig vom Erfolg seiner Mission geopfert werden muss.

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