Im Westen kaum Neues
Kurztest: Brothers in Arms: Earned in Blood
Vor einem halben Jahr wollte "Brothers in Arms" das Genre der Taktik-Shooter revolutionieren. Trotz guter Ansätze gelang dies nicht. Der Nachfolger hat bescheidenere Ziele, zu gering sind die Unterschiede zum ersten Teil.

Wo andere WWII-Shooter mit Pauken und Trompeten beginnen, setzt "Earned in Blood" mit ruhigen Stimmen und behutsamen Streichern ein. Nur eine kurze Rückblende zeugt von der Dramatik jener Stunden vor der alliierten Landung in der Normandie, die der Spieler in der Rolle des US-Fallschirmjägers Joe "Red" Hartsock erlebt. Mit einem Kaffeekränzchen an der Westfront geht es los. Minutiös schildert Hartsock seine bisherigen Fronterlebnisse. Ein militärischer Vorgesetzter hört aufmerksam zu, während der Spieler mit Taktik, Führungsqualitäten und Zielwasser ein Happyend zu erkämpfen sucht.
Auch im weiteren Spielverlauf treiben die Entwickler die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte voran, indem sie das Geschehen an Schlüsselstellen stark verlangsamen und das Farbspektrum reduzieren. Unterdessen kommentiert Hartsock jene Ereignisse, wobei der Spieler die Kontrolle über den GI behält. "Brothers in Arms" nimmt sich anders als "Call of Duty" Zeit für seine Protagonisten; zum Dank werden BiA-Veteranen viele Gesichter wiedererkennen.
Kreise im Visier
Gesteuert werden Hartsock und dessen Waffenbrüder genauso wie im ersten Teil. Die computergesteuerten Kameraden - und später auch Panzer - werden durch einen Rechtsklick in der 3D-Umgebung positioniert. Auf die gleiche Weise befiehlt man seinem Trupp, eine feindliche Stellung unter Feuer zu nehmen oder zu erstürmen.
Ein Kreis über den Köpfen der Gegner zeigt an, ob die Wehrmachtssoldaten kämpferisch sind oder eingeschüchtert. Färbt sich die anfänglich rote Beschussanzeige nach beharrlichem Sperrfeuer grau, ist mit Gegenwehr kaum noch zu rechnen. Durch ein Flankierungsmanöver können die bedrängten Deutschen schließlich ausgeknipst werden.
Dieses taktische Korsett ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits ist das Prinzip des Festnagelns realistischer und anspruchsvoller als bei artverwandten Spielen, gleichzeitig wirken die Gefechte statischer und der Missionsverlauf in gewisser Weise vorgezeichnet. Zahlreiche Hindernisse wie Mauern, Panzersperren oder Hecken diktieren die Laufwege der "Brothers in Arms".
Die verwendete Unreal-Technologie zeigt erste Ermüdungserscheinungen, doch der Sound ist - von der Musik bis zu den eingedeutschten Stimmen - ohne Tadel.
Fazit: Nicht schlechter als Teil 1, aber auch nicht großartig anders. Fans des Vorgängers dürfen einen Gefechtsmodus in Angriff nehmen, solo oder kooperativ.
