Betroffene CDs weiter im Handel erhältlich
Sony BMG kannte Kopierschutz-Gefahr
Janko Röttgers
Sony BMG war offenbar seit Anfang Oktober über die Gefahren des Audio-CD-Kopierschutzes XCP informiert. Einen Rückruf der betroffenen CDs veranlasste man jedoch erst Mitte November. Mittlerweile interessiert sich auch New Yorks Staatsanwaltschaft für den Skandal.
Die finnische Antiviren-Firma F-Secure informierte Sony laut Business Week bereits am 4. Oktober per E-Mail über die Gefährlichkeit von XCP. In den folgenden Wochen versuchte F-Secure mit Telefonkonferenzen und schriftlichen Reports, die Plattenfirma von der Dringlichkeit des Problems zu überzeugen. Sony BMG habe die Warnungen nicht ernst genommen, erklärte dazu ein F-Secure-Mitarbeiter gegenüber Business Week: "Sie wollten dieses Problem totschweigen."
Publik wurde XCPs Gefährlichkeit erst, als der Windows-Experte Mark Russinovich darüber Ende Oktober in seinem Weblog berichtete. Sonys Zögerlichkeit könnte die Firma teuer zu stehen kommen. Bereits jetzt laufen wegen des Kopierschutzes vier Klagen gegen die Firma.
Diese Woche nahm sich zudem New Yorks General-Staatsanwalt Eliot Spitzer an der Sache an. Spitzer erklärte, die betroffenen CDs noch bis Mitte letzter Woche in zahlreichen Läden gefunden zu haben. Er ließ offen, ob er rechtliche Mittel gegen Sony BMG einlegen will. Für Spitzer wäre es jedoch nicht das erste Mal, dass er sich mit der Plattenfirma anlegt. Im Juli verdonnerte er Sony BMG für die Bestechung von Radiosendern zu einer Strafe von zehn Millionen Dollar.
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