Flächendeckende Video-Überwachung: Briten machen Ernst

Ausweichen auf Feldwege

Natürlich klingt das alles ganz angenehm, es ist ja schön, wenn Verbrecher schnellstmöglich von der Polizei eingesackt werden. Allerdings hat die großflächige Videoüberwachung auch einen riesigen Nachteil: Sie erlaubt die automatisierte Erstellung von Bewegungsprofilen, nicht nur krimineller Zeitgenossen, sondern auch des normalen, gesetzestreuen Bürgers. So lässt sich vorzüglich herausfinden, wo sich welche Personen so herumtreiben, was die persönliche Freiheit nicht unerheblich einschränkt. Manchmal muss eben niemand, schon gar nicht Vater Staat, wissen, wo man sich aufhält. Die Verkehrsüberwachung macht es unmöglich, unbeobachtet mit dem Auto unterwegs zu sein, es sei denn, man weicht mit dem Wagen auf Feldwege aus, wie Winston Smith aus dem Roman "1984" mit seiner Freundin in die Natur ausweicht, um unbeobachtet zu sein.

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Wie lange sich solche Oasen der Kamerafreiheit jedoch noch halten können, ist fraglich, in "1984" sind selbst die Büsche verwanzt, und auch die britische Regierung wird sich nicht lange damit aufhalten, Gaunernester in freier Wildbahn auf die klassische Methode auszuheben. Das staatliche Auge wird seine Sehstärke wohl noch weiter erhöhen.

Effektvolle Ausschaltung der Opposition

Doch es gibt noch eine weitere bedenkliche Entwicklung: Wenn die Regierung Zugriff auf die Überwachungsdaten hat, ließe sich beispielsweise die Opposition effektvoll ausschalten. Der Wagen des Gegenkandidaten hält im Rotlicht-Viertel? Schnell ein Anruf bei einer Boulevard-Zeitung der Wahl inklusive einer kleinen, anonymen E-Mail mit den Überwachungsbildern, schon ist der Konkurrent als Freier verschrien, die Karriere endet im Rotlicht-Millieu. Die Macht der Medien macht es möglich.

Die Medien allerdings könnten der Überwachung auch gefährlich werden: Datenschützer und Bürgerrechtler bedienen sich nämlich ebenfalls der Macht der Medien, um den Schutz der Privatsphäre durchzusetzen. Im Fall von Großbritannien dürfte die bis zu zwei Jahre rückwirkend mögliche Erstellung von Bewegungsprofilen deshalb kaum möglich sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Gruppen dafür sorgen werden, dass die polizeiliche Überwachung in geregelten Bahnen verläuft.

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