Newsgroups werden gesperrt
Sperrungen wegen Kinderpornos: Das Ende des Usenets?
Das Usenet ist eine der ältesten Internet-Anwendungen überhaupt. In den Newsgruppen treffen sich seit mehr als 20 Jahren Netznutzer aus aller Welt, um zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Kanadas größter Internet-Provider Rogers Yahoo! hat nun beschlossen, die Usenet-Zugänge für seine Kunden zu schließen. Das Argument: Das Usenet sei ohnehin tot.
Nicht tot, aber teuer
Das Usenet ist allerdings alles andere als tot: Die alten Newsgroups blühen in voller Pracht und auch die Filesharing-Szene hat die News-Server wiederentdeckt. Und genau hier liegt der Hund begraben: Wo Filesharing betrieben wird, sind auch Kinderpornos nicht weit. Rogers ist Mitglied in der Kanadischen Koalition gegen Kindesmissbrauch, der CCAISE. "Rogers ist verpflichtet, die Effektivität des Usenets als Verbreitungsmittel von Kinder ausnutzenden Bildern zu reduzieren", so der Provider in einer Pressemitteilung.
Die Kunden sind freilich erbost über die Maßnahmen. Das Usenet ist keineswegs tot, einmal abgesehen davon, dass sich Newsgruppen mit binären Inhalten - Newsgruppen also, in denen Dateitausch möglicherweise kinderpornographischen Materials betrieben werden kann - problemlos ausfiltern lassen. Die Sperrung des kompletten Usenets für die kanadischen Kunden ist also eine mehr als überflüssige Maßnahme, weshalb die ersten Kritiker bereits vermuten, dass es sich um eine einfache Einsparmaßnahme des Providers handelt. Preisnachlässe erhalten die Kunden trotz des eingeschränkten Zugangs nämlich nicht.
Filesharing und Kinderpornos
Die "Canadian Coalition Against Internet Child Exploitation", in der Rogers Yahoo! Mitglied ist, wendet sich tatsächlich gegen Kindesmissbrauch im Internet. Von Sperrungen oder Netzzensur hält die Vereinigung allerdings wenig, insofern ist das Argument nicht ganz nachvollziehbar. Zumal es einer Vorverurteilung aller Usenet-Nutzer gleichkommt, wenn man aufgrund der Möglichkeit, Kinderpornografie zu tauschen, einen kompletten Netz-Dienst sperrt. Diesem Argument folgend, müsste der Provider sich einen anderen Broterwerb suchen, sind doch alle Dienste im Netz - von Websites über E-Mail, Chat und FTP - geeignet, um illegale Inhalte auszutauschen. Man müsste also den gesamten Internet-Zugang stoppen, wenn man nicht möchte, dass Kinderpornos über das Internet getauscht werden. Insofern wird das Kosten-Argument der Kritiker überaus glaubhaft.
Rogers Yahoo! bietet auf seiner Website Alternativen für die Usenet-Nutzung an: Der Kunde könne ja auf Webforen, Blogs, Instant Messaging und E-Mail ausweichen. Diese Dienste ersetzen das Usenet allerdings nur teilweise, am ehesten sind Webforen geeignet, doch auch die sind, anders als das Usenet, meist privat betrieben und daher nicht frei von Zensur und Restriktionen wie die Newsgroups. Die anderen Alternativen deuten eher darauf hin, dass Rogers die Usenet-Sperrung als Fortschritt bewerben möchte, frei nach dem Motto: "Der alte Mist ist weg, da bleibt mehr für aktuelle Web-Technologie." Und das, obwohl der Usenet-Verkehr tagtäglich wächst - nur eben nicht so stark wie die anderen Web-Bereiche.
Ein Beispiel von vielen
Die Schließung des Usenets durch Rogers Yahoo! wird am 15. Dezember erfolgen. Kunden, die danach noch Newsgroups besuchen möchten, müssen sich einen kostenpflichtigen Zugang beim Partner Giganews lösen. Der kann laut Rogers aber jederzeit wieder gesperrt werden. Die Sperrung des Usenets ist nicht die erste Anti-Filesharing-Maßnahme des Providers, schon gängige P2P-Ports wurden mit Drosselungen versehen.
Die Vorgehensweise des kanadischen Providers zeigt, wie abhängig Kunden vom Netzzugang sind. Der Internet-Nutzer ist darauf angewiesen, einen möglichst freien Zugang zu haben, um alle Dienste nutzen zu können. Zurzeit neigen Provider überall auf der Welt dazu, möglichst viele Dienste abzuriegeln. Nicht, weil es gesetzliche Probleme gäbe oder weil die Provider hofften, damit die negativen Seiten des Web wie illegale Tauschangebote und Kinderpornografie zu unterbinden, sondern meist aus Kostengründen. Die Tauschaktivitäten kosten die Provider Unsummen, die günstigen Flatrate-Angebote rechnen sich nicht mehr, weshalb mit fadenscheinigen Argumenten Zugänge beschränkt werden.
Links zum Thema
- Jugendliche im Web: Sex, Drogen und Glücksspiel
- Rogers Yahoo!
- Giganews
- Usenet-Revival: Neue, alte P2P-Alternative
- Polizei: Kinderpornos richtig melden
- Kinderpornos: CDU-Politiker unter Verdacht
- Sex-Spam: Ein Klick und ab ins Kittchen
- AOL: Liebes Dr. Blogger-Team...
- Fauxpas: Behörde versteigert PC mit Nazi-Musik und Kinderpornos

Zitat: Luftsteuer, nach dem Lungenvolumen wäre was neues.... Danke, ich werde sofort bei der Regierung nachfragen, ob das möglich wäre... ;-)
Luftsteuer, nach dem Lungenvolumen wäre was neues....
Klar, und demnächst muss man dann für's Sprechen GEMA-Gebühren zahlen ;-)
Und wenn es die Telekom dann mal endlich geschafft hat, bis zu mir DSL zu legen, sperren sie alle Tauschbörsenports, Usenets und bekannten amerikanischen Pornoseiten. Zum angeblichen Schutz der Kiddies. Nebenbei...