UN-Weltgipfel bringt wenig Fortschritt

WSIS: Wer regiert das Internet?

Wer gibt schon gerne ein Stück Macht ab? Die USA jedenfalls nicht. Dabei ging es in den vergangenen Weltgipfel-Tagen in Tunis nicht um Territorium oder Lufthoheit, sondern schlicht um Einflussnahme: Die Quasi-US-Herrschaft über die Root-Server-Ebene des Internet und die damit verbundene Auflösung von Internet-Domains ist vielen Staaten einfach nicht geheuer.

Tagungsort Tunis - Die Tagungsstätte in der tunesischen Hauptstadt.
Die Tagungsstätte in der tunesischen Hauptstadt.

Obwohl das Internet größtenteils dezentral organisiert ist, gibt es eine zentrale Instanz: die Root-Server. Diese Rechner bedienen sämtliche Domain-Anfragen im Internet: Gibt ein Nutzer beispielsweise "www.netzwelt.de" in seinen Browser ein, leitet der Root-Server die Anfrage an die IP-Adresse des zugehörigen Servers weiter. Weltweit gibt es 13 dieser Root-Server, mindestens neun davon stehen in den USA. Auch die europäische Domain-Verwaltung Ripe NCC betreibt einen Root-Server.

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Die Rolle der USA

Damit alle Nutzer weltweit immer an der richtigen Adresse landen, müssen die 13 Root-Server gleiche Standards und identische Datenbestände aufweisen. Diese Koordination ist Aufgabe der ICANN; das ist die "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers", mit Sitz in Los Angeles. Grundsätzlich ist die ICANN eine privatrechtliche non-profit-Organisation, das US-Handelsministerium verfügt jedoch über ein Veto-Recht bei den Entscheidungen der ICANN.

Selbst das wäre nicht weiter schlimm, wenn anderen ein ähnliches Recht zustünde. Das ist bisher nicht der Fall: Alle Nationen außerhalb der USA werden im "Regierungsbeirat" der ICANN zusammengefasst und haben höchstens beratende Funktionen, welche der ICANN anscheinend nicht teuer sind: Die spanischen Mitglieder hatten offensichtlich keinen Einfluss darauf, dass die spanische autonome Provinz Katalonien vergangenen September trotz der Zugehörigkeit zu Spanien mit ".cat" eine eigene Top-Level-Domain, kurz TLD, erhielt.

Missbrauch leicht gemacht?

Zu den großen Kritikern des ICANN-Systems gehören China, Kuba und eine Zahl von Entwicklungsländern. Besonders Argumente wie Internet-Ausschluss im Kriegsfall, Manipulation oder die von China sicherlich unerwünschte Zuteilung einer eigenen Top-Level-Domain für Tibet spielen hier eine Rolle. Mancher mag diese Kritik für konkurrierende Großmächte und solche, die es gerne sein würden, typisch halten. Doch auch andere, die es nicht ganz so schwarz sehen, würden anstelle der ICANN gerne ein echtes internationales Gremium installieren. So auch die Europäische Union.

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