Verkehrte Netzwelt: Warum der Rechner immer zu langsam ist

Schluck, du Luder!

1995 war das Jahr des ersten Systemfresser-OS. Sicher, vorher gab es bereits OS/2 von IBM, doch das konnte sich nie so recht durchsetzen, obwohl es eigentlich gut und vor allem Ressourcen-schonend war. Ähnlich sah es mit Mac OS aus, beide Systeme boten schon früh eine Leistungsfähigkeit und Stabilität bei sparsamer Oberfläche, die Windows erst Jahre später erreichen sollte. Doch jeder wählt seinen Henker selbst und auch schon damals war Microsoft unangefochtener Marktführer.

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Zurück ins Jahr 2005. Der Rechner, an dem Sie diesen Artikel lesen, ist irgendwie langsam, oder? Word braucht zum Starten genau so lange wie Anno Tobak auf dem 386er, vielleicht sogar länger, obwohl Sie nichts anderes am Rechner machen als damals. Und vielleicht liebäugeln Sie bereits mit dem neuen Angebot aus dem Aldi-Prospekt. Die Leistungsdaten ihres aktuellen Rechners sind mit denen von 1995 nicht zu vergleichen, statt eines 386ers tickt ein Pentium IV unter der Haube, statt 40 Megahertz hat der Rechner vielleicht zwei Gigahertz. In Sachen Arbeitsspeicher und Festplatte sieht es ähnlich aus, 512 statt vier Megabyte, 80 Gigabyte Festplatte statt 100 Megabyte. Und was hat es gebracht? Nichts.

Überfrachtet und lahm

Wenn man es nüchtern betrachtet, ist die Rechenleistungs-Inflation natürlich vorteilhaft. Jeder x-beliebige Billigrechner kann inzwischen Multimedia, besitzt DVD-Brenner und Soundkarte, Dinge, von denen man 1995 nur träumen konnte. Aber langsam wirkt der Rechner immer noch, selbst bei Standard-Aufgaben wie dem Schreiben von Texten oder Tabellenverarbeitung. Fast könnte man glauben, die Hersteller von Hard- und Software würden Drosseln einbauen. Dem ist allerdings nicht so.

Schuld an der gefühlten Langsamkeit sind überfrachtete Benutzeroberflächen, wilde Hintergrundprozesse und größenwahnsinnige Office-Pakete. Und natürlich der Hunger des Anwenders nach immer neuen Anwendungen. Oder haben Sie 1995 mit dem PC Urlaubsvideos bearbeitet oder Bildersammlungen geführt? Eben. Doch selbst, wenn man diese modernen Anwendungen auf die Seite schafft, ist es immer noch verwunderlich, welcher Hardware-Aufwand nötig ist, um den Rechner in Betrieb zu nehmen.

Leistungsfresser im Büro

Der Büro-Rechner ist das Maß aller Dinge. Wofür ist ein Computer da? Lässt man Spiele und Multimedia beiseite - Anwendungen, für die es nie genug Leistung geben dürfte - zum Verfassen von Texten, zur "Elektronischen Datenverarbeitung". Ein Wort übrigens, das in seinem staubigen Klang dem gleichen Geist der 1980er Jahre entsprungen ist wie der "AKW-Ausstieg" und der "Öffentliche Personen-Nahverkehr". Der Rechner als bessere Schreibmaschine und Office-Instrument, ein Arbeitsgerät.

Doch selbst der einfachste Arbeitsrechner hat heutzutage technische Daten, die jeden drei Jahre alten High-End-Rechner alt aussehen lassen. Wohin verschwindet diese Leistung? Die Steuerung der brüllenden Lüfter kann ja nicht alles sein, was den Prozessor belastet, genauso wenig scheinen Tools wie Word und Excel dafür verantwortlich zu sein, können sie doch augenscheinlich das Gleiche wie vor zehn Jahren. Oder vielleicht doch nicht?

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