Das Ende der TV-Sender
Verkehrte Netzwelt: Die Musikvideo-Verschwörung
Music Markt
Verschwörungstheorien und schwarze Koffer
Wer da kein System riecht, ist entweder nicht interessiert oder einfach blind. Fast scheint es, als sei das Sterben der Musiksender von langer Hand durch die Musikindustrie geplant. Die raffgierigen Plattenbosse scheinen sich nach neuen Einnahmequellen umgeschaut zu haben und stellen den Kunden die Musikvideos nun doppelt in Rechnung. Normalerweise wird deren Produktion nämlich mit dem Preis der Platte abgegolten, als Werbekosten, sozusagen. Da ist ein Verkauf der Videos eine Doppelvermarktung, von der sich manch ein Finanzminister noch eine Scheibe abschneiden kännte.
Wer boshaft ist, könnte meinen, dass die Medienkonzerne da an einer ganz großen Verschwörung gearbeitet haben, einer Verschwörung zur Kommerzialisierung des Musikvideos. Das allerdings kann nicht nachgewiesen werden. MTV und Viva gehören aktuell dem US-Medienkonzern Viacom, Apple ist wenig fremdbestimmt, während Jamba inzwischen zu VeriSign gehört, einem Anbieter von digitalen Zahlungsmethoden. Die Verbindungen untereinander und zu den Musikkonzernen beschränken sich auf den gegenseitigen Erwerb von Rechten, weshalb eine konzertierte Zusammenarbeit zur Beseitigung der Musiksender recht unwahrscheinlich ist.
Die Kommerzialisierung des Videos - ein Qualitätsgewinn
Doch wer weiß? Wahre Verschwörungen lassen sich nicht so schnell aufdecken, und wer weiß, wo die schwarzen Köfferchen getauscht wurden. Doch das ist alles Spekulation, Fakt hingegen ist, dass sich die Musikvideos beachtlich gut verkaufen. Nicht nur, dass Apples Musicstore gleich millionenfach Videos absetzt, auch die Mobilfunk-Anbieter machen ihr Geschäft mit den Musikvideos. Und auch online setzen sich die kleinen Kunstwerke immer öfter durch. So meldete Yahoo, dass sein Musikvideo-Dienst monatlich mehr als 350 Millionen Videos ausliefert, davon rund 50 Millionen in Europa, allerdings kostenlos.
Der Erfolg der Musikvideos in den neuen Medien gibt jenen Produzenten Recht, die auch nach der Kostenoffensive seitens der Musikindustrie weiterhin hochwertige Videos produzierten. Das Musikvideo ist ein nicht unwichtiger Teil der multimedialen Welt geworden und als Kunstform anerkannt. Möglicherweise führt der Erfolg des Musikvideo-Marketings dazu, dass wieder schöne, unterhaltsame Musikvideos produziert werden, Musikvideos, die man gerne schaut, nicht den zur Zeit üblichen Zusammenschnitt albern wackelnder und nur peripher bekleideter Teenie-Hintern. So gesehen ist der Tod der Musiksender kein wirklicher Verlust, sondern ein kultureller Gewinn. Und das ist es ja, worauf es der Kunst ankommt, mit oder ohne Verschwörung.
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