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04.11.2005
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Das Ende der TV-Sender

Verkehrte Netzwelt: Die Musikvideo-Verschwörung

Music Markt

Hübsche Mädchen ohne Kleidung

Derweil wurden die Videos immer schlechter. Die Hip-Hop und R&B-Welle wurde mit immer gleich aussehenden Einweg-Talenten mit immer gleich klingenden Songs in immer gleich produzierten Musikvideos bedient, bis es jedem Zuschauer zum Hals raushing. Wer die einschlägigen Musiksender schaute, fragte sich nicht selten, warum jetzt seit zwei Stunden ein und dasselbe Video lief. Destiny's Child, Ashanti, Christina Aguilera oder war es doch Christina Milian? Hübsche, leicht bekleidete Mädchen, die unmotiviert Popsongs ohne Hintersinn trällern.

Derweil gingen die Umsätze der Musiksender zurück, die Werbeeinnahmen gingen ebenfalls den Bach herunter. Und weil die Werbeplätze verramscht werden mussten, konnten sich Klingelton-Terroristen wie Jamba und Zed plötzlich ganze Werbeblöcke anmieten. Das Resultat: Noch weniger Zuschauer, noch günstigere Werbeplätze, noch mehr Klingelton-Werbung, ein Prozess, den selbst Musikvideo-Liebhaber kaum überstehen. Immer öfter wurde abgeschaltet.

Das Ende ist nah!

Das Resultat: Erzkonkurrent Viva wurde vom Platzhirsch MTV gekauft und weitestgehend mundtot gemacht, Viva 2, später Viva Plus wurde zum Call-in-Sender und schließlich dicht gemacht, billig eingekaufte US-Sendungen wie "Die 100 peinlichsten Pop-Sünden" wurden bis zum Erbrechen wiederholt, der IQ der VJs und das Niveau der Sendungen wurden mehrmals nachhaltig gesenkt und dazwischen immer wieder die nervigen Klingelton-Spots. Inzwischen schaut es so aus, dass die Klingelton-Rotation hin und wieder von einem Musikvideo unterbrochen wird. Da schalten selbst Hartgesottene einfach ab. Einfach mal ein Musikvideo schauen ist unmöglich, wer es erlebt hat, sehnt sich nach der vergleichsweise hohen Qualität, die MTV noch Ende der 1990er hatte.

Seltsam, dass genau zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Musiksender selbst zugrunde gerichtet haben, einige Anbieter von Download-Musik auf die glorreiche Idee gekommen sind, Musikvideos für teures Geld zu verkaufen. Was mit Jamba und Co. als "Video-Klingelton" seinen Anfang nahm, wurde von Apple nun durch den iPod video perfektioniert: Musikvideos, eigentlich die Werbespots für CDs, werden für teuer Geld verkauft. 2,49 Euro sind es beim iTunes Musicstore, für Inhalte, die es eigentlich umsonst geben sollte. Offensichtlich ist das Konzept erfolgreich: Nur 19 Tage nach Veröffentlichung des iPod video und Eröffnung Musikvideo-Rubrik im iTunes-Store meldete Apple das millionenste verkaufte Musikvideo.


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