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Feature: Musikhören mit dem Hermstedt Hifidelio
Das beste aus der Hifi- und Computer-Welt unter einer Haube

von Michael Knott Uhr veröffentlicht

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Ein Musik-Server im Wohnzimmer - Freunde der gepflegten Unterhaltung rümpfen die Nase. Würde man ihnen die Ausstattungsliste des Hermstedt Hifidelio vorlesen, würde sich daran kaum etwas ändern, im Gegenteil, die Nasenflügel würden sich bloß noch mehr weiten. CDs brennen oder auf der Festplatte archivieren, drahtloses Streaming, Internetradio, das alles zu einem Preis von unter 550 Euro. Das kann kein Mensch bedienen, und wie vollgestopfte Geräte dieser Preisklasse klingen ist bekannt. Netzwelt drückt den Kritikern zur Beruhigung was zum Spielen in die Hand, schickt sie ins Ballparadies und fühlt dem ersten Hifi-Produkt des deutschen Herstellers näher auf den Zahn.

Ein Musik-Server im Wohnzimmer - Freunde der gepflegten Unterhaltung rümpfen die Nase. Würde man ihnen die Ausstattungsliste des Hermstedt Hifidelio vorlesen, würde sich daran kaum etwas ändern, im Gegenteil, die Nasenflügel würden sich bloß noch mehr weiten. CDs brennen oder auf der Festplatte archivieren, drahtloses Streaming, Internetradio, das alles zu einem Preis von unter 550 Euro. Das kann kein Mensch bedienen, und wie vollgestopfte Geräte dieser Preisklasse klingen ist bekannt. Netzwelt drückt den Kritikern zur Beruhigung was zum Spielen in die Hand, schickt sie ins Ballparadies und fühlt dem ersten Hifi-Produkt des deutschen Herstellers näher auf den Zahn.

Fangen wir sachlich und nüchtern an. Hermstedts erster Ausflug in die Audio-Welt führte zu einem klaren, aufgeräumten Gerät. Das Metall-Gehäuse ist wahlweise in schwarzer oder silberner Optik erhältlich und passt dank genormter Größe perfekt auf bereits vorhandene Komponenten des Heimkino-Systems. Die Front wirkt dank weniger Bedienelemente zu gleichen Teilen elegant wie simpel, meilenweit entfernt von überfrachteten Knopf-Wüsten.

Hermstedt Hifidelio

Sechs beleuchtete Tasten steuern die grundlegenden Funktionen der Musikwiedergabe. Zusätzlich kann der stolze Besitzer an zwei miteinander verknüpften Rädern drehen. So genannte Soft-Keys, also Knöpfe die ihre Eigenschaften je nach gewählter Funktion ändern, finden sich neben dem beleuchteten Display.

Fast olympisch: Zwei Ringe für die komplette Bedienung

H i f i d e l i o

  • Festplatte80 GB
  • Auflösung400x160
  • Displayschwarz/weiß
  • Kompressionbis 192 Kbit/s
  • Abtastfrequenz44.100 Hz

Extras bei Pro-Version

- 160 GB Festplatte

- Display hat vier Graustufen

- Cinch-Kabel und Buchsen vergoldet

- Toslink-Kabel

- Internetradio

- Dynamikkompression

- Kompression bis 320 Kbit/s

- Abtastfrequenzen 11.025 bis 48.100 Hz

Vor- und Nachteile

Gute Bedienbarkeit

Einfache Einrichtung

Brenner

Keine MP3-CD Unterstützung

Keine Videostreams

Über ein zweigeteiltes Bedienrad wird Hermstedts Hifidelio gesteuert. Das Prinzip ist einfach - ein Dreh am oberen Rad wechselt die Menüebenen. Innnerhalb eines Untermenüs führt das innere Rad durch die einzelnen Einträge. Bestätigt wird entweder mit der Play-Taste, oder mit einem Rechtsdreh am oberen Rad. Zum Lieferumfang gehört eine Infrarotfernbedienung. Der schmucklose Apparat ist alles andere als ein Handschmeichler und will daher nicht ganz zur wertigen Optik des übrigen Systems passen. Dafür sind fast sämtliche Funktionen bequem vom Sofa aus steuerbar. Je nach Menü-Umgebung werden an der rechten Display-Seite weiterführende Funktionen eingeblendet, welche durch die vier Soft-Keys bestätigt werden. Der Systemstart dauert mit rund 50 Sekunden recht lange. Zum Ausgleich gehen die Einstellungen aber auch nach einem längeren Stromausfall nicht verloren.

Hifidelio ist ein reiner Audio-Netzwerk-Player. Einem normalen CD-Player ist er aber um einige Nasenlängen voraus, Pinoccio lässt grüßen. Denn sobald das Laufwerk eine Audio-Scheibe sichtet zieht sie diese Staubsaugerartig ins Innere. Diese so genannten Slot-In-Laufwerke sehen schick aus, machen im Falle Hifidelio nur leider ein bisschen viel Lärm bei diesem Vorgang. Im laufenden Betrieb hört man es hingegen kaum.

Und das ist auch gut so, denn im Wohnzimmer gibt es nichts nervigeres als laute Komponenten. Trotz Netzwerk-Technik und Festplatte kommt der Hifidelio daher auch ohne hoch drehende Lüfter aus.

Im normalen Betrieb als purer CD-Player überzeugt der Hifidelio auf gesamter Linie. Bis auf die etwas schwächelnden Bässe die etwas zu kraftlos tönen ist eigentlich jede Kritik fehl am Platz. Selbst anspruchvollste Ohren können mit dem gebotenen Klang wunschlos glücklich sein und werden sich eventuell ärgern, für bereits vorhandene Geräte zu tief in die Tasche gegriffen zu haben.

Denn das pure Auslesen von CDs beherrscht der tragbare CD-Player aus der Schublade "Elektro-Geräte, selten im Gebrauch" immerhin auch. Hermstedts Hifidelio speichert aber Audio-CDs auf der wahlweise 80 oder 160 Gigabyte großen Festplatte ab. Um Platz zu sparen werden diese auf Wunsch automatisch komprimiert. Neben den bekannten Formaten unterstützt der Player auch die Aufnahme als FLAC- oder Ogg-Vorbis-Exoten.

80 Gigabte Festplattenplatz reichen etwa für 120 Stunden unbeschnittener Musik-Unterhaltung. Wer die einzelnen Alben komprimiert wird auch größere CD-Sammlungen auf die Festplatte beamen können. Die lästige Sucherei der richtigen CD aus verstaubten Regalen entfällt. Ein angeschlossenes Kabel oder ein Gummistummel auf der Rückseite sorgt dann für das nächste Highlight, und vor allem hier bekommen unsere Kritiker es mit der Angst zu tun. Denn jetzt schickt der Hifidelio Musik drahltos auf die Reise, oder holt sie sich vom Rechner im Arbeitszimmer.

Musikbauch: Die interne Datenbank FreeDB

Sobald eine Audio-CD im Laufwerk des Hifidelios kreist sucht die interne Datenbank "freeDB" nach allen interessanten Informationen zu Künstler, Album, Titel und vielem mehr. Für diesen Service ist kein Internetanschluss nötig da die abgespeicherte Bibliothek bereits über zwei Millionen Einträge groß ist. Da nicht jeder das Gerät mit der Außenwelt verbindet bietet Hermstedt einen kostenpflichtigen Abo-Service an. Für stolze 42,24 Euro im Jahr erhält der Kunde vier CDs mit der aktualisierten Datenbank im Jahr. Alternativ lässt sich freeDB auch über eine Internetverbindung auf dem Laufenden halten.

Doch das Zusammenspiel mit Hifidelio und dem Netzwerk geht so einfach von der Hand, das selbst PC-Phobiker sich der Sache annehmen. Nicht länger als eine Viertelstunde und der Player holt sich drahtlos oder über ein angeschlossenes Ethernet-Kabel die Lieblings-Wiedergabeliste vom Rechner. Dabei arbeitet er völlig unkompliziert und harmonisch mit der beliebten Apple-Software iTunes zusammen.

Der Hersteller bietet Hifidelio nicht nur in zwei unterschiedlich großen Festplatten-Varianten an. Der Kunde muss auch entscheiden ob er die Standard- oder Pro-Version des Gerätes erwerben möchte. Wo liegen die Unterschiede? Die Hardware ist bei beiden Modellen nahezu identisch. Die Pro-Version besteht lediglich aus einer erweiterten Software die den Empfang von Internetradio ermöglicht, sowie vergoldeten Cinch-Buchsen auf der Rückseite. Zusätzlich erhält der Besitzer die Möglichkeit die Lautstärke aller Titel auf einem konstantem Level zu halten (Dynamikkompression), und erweiterten Einfluss auf Kompression und Samplingraten (von 11025 bis 48000 Hz) zu nehmen. Die Pro-Version kostet 99 Euro Aufpreis, und lässt sich auch zu einem späteren Zeitpunkt noch installieren.

Wer über eine Breitband-Verbindung zum weltweiten Netz verfügt wird das kostenlose Internetradio mit Hermstedts Hifidelio erst richtig schätzen lernen. Steht die Verbindung, fischt sich die Hifi-Komponente frische Musik von überall auf der Welt aus den Leitungen. Zum Internetradio wird der Musikus allerdings erst in der aufpreispflichtigen Pro-Version.

Das Slot-In-Laufwerk ist mit CD-Audio und CD-R/RW schon recht belesen. Wirkliche Jubelstürme löst aber der Zusatz "Combo" vor der Laufwerksbezeichnung aus, denn somit avanciert Hifidelio zum waschechten CD-Brenner, wenn auch mit einigen Einschnitten. Denn im Gegensatz zu seinem Kollegen im Rechner brennt der Player nur hieb- und stichfeste Audio-CDs, und nicht die MP3-Sammlung.

Hermstedt möchte mit diesem Schritt der Musikindustrie "so wenig Angriffsfläche wie möglich für eventuelle Klagen wegen illegalen Verbreitens von Musik" liefern. Bei eindeutigerer Rechtslage schließen die Entwickler aber diese Funktion mit einem späteren Firmware-Update nicht aus. Aus gleichem Grund kann das Laufwerk auch keine MP3-CDs lesen.

Hermstedt Hifidelio

Audiophile Menschen sind nicht selten auch stolze Besitzer einer gut sortierten Schallplatten-Sammlung. Wer diese Vinyl-Schätze für die Ewigkeit konservieren möchte kann ebenfalls den Festplatten-Platz des Hifidelio beanspruchen. Die Signale kommen vom angeschlossenen Verstärker an und können nach erfolgreicher Aufnahme beschnitten, zusammengefügt oder betitelt werden.

Und auch der MP3-Player findet Anschluss am neuen Freund des Hauses. Auf der Rückseite befinden sich neben digitalen und analogen Ein- und Ausgängen auch zwei USB-Schnittstellen. Im Test erkannte der Prüfling allerdings bloß den Verkaufs-Hit iPod aus dem Hause Apple. Dem iAudio X5 versagte er ebenso den Zutritt auf die Festplatte wie diversen MP3-Sticks.

Im Falle iPod können die internen Musiksammlungen miteinander abgeglichen werden. Man merkt es bereits: Wer einfach Musik ohne Computer verwalten, hören und sichern möchte ist mit dem Hermstedt Hifidelio bestens aufgehoben.

Die Gattung der Netzwerkplayer ist noch feucht hinter den Ohren. Viele der bereits vorgestellten Geräte, vom Kenwood VRS-N8100 einmal abgesehen, waren daher zusammengeflickte Kompromisse aus Netzwerk-Technik mit aufgesetzten Hifi-Funktionen. Das beide Welten harmonisch unter einen Hut zu bringen sind beweist ausgerechnet ein Branchen-Neuling.

Der Hifidelio von Hermstedt ist insgesamt einfach stimmig. Alles was modernes Musikhören heutzutage ausmacht verpackten die Entwickler in einem eleganten Gehäuse, sodass niemand Angst um die sorgfältig eingerichtete Wohnlandschaft haben muss. Die Verarbeitung - und noch viel wichtiger - der Klang sind auf solch hohem Niveau, das der angesetzte Preis mehr als fair erscheint. Vergleichbare Geräte schlagen meist in doppelter Höhe zu Buche.

Hermstedt Hifidelio

Was das Testgerät aber endgültig zum Überflieger macht ist die einfache Bedienung. Trotz Netzwerkfähigkeiten, dem eingebauten Brenner oder der Fähigkeit Internetradio abzuspielen bleibt das Gerät so einfach zu bedienen wie Apples iPod - eine hohe Auszeichnung.

Hermstedt Hifidelio

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Kommentare zu diesem Artikel

Ein Musik-Server im Wohnzimmer - Freunde der gepflegten Unterhaltung rümpfen die Nase. Würde man ihnen die Ausstattungsliste des Hermstedt Hifidelio vorlesen, würde sich daran kaum etwas ändern, im Gegenteil, die Nasenflügel würden sich bloß noch mehr weiten. CDs brennen oder auf der Festplatte archivieren, drahtloses Streaming, Internetradio, das alles zu einem Preis von unter 550 Euro. Das kann kein Mensch bedienen, und wie vollgestopfte Geräte dieser Preisklasse klingen ist bekannt. Netzwelt drückt den Kritikern zur Beruhigung was zum Spielen in die Hand, schickt sie ins Ballparadies und fühlt dem ersten Hifi-Produkt des deutschen Herstellers näher auf den Zahn.

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  • John schrieb Uhr
    Re: Andere Geräte streamen aber...

    Das Gerät ist ein wahres MODELL, also ein Schönheitsgigant! Es ist edler als alles andere, für den Preis fast ein Schnäppchen, und einfach nur genial. Also wieder auf den Boden kommen. Grüße John
  • Michael Knott schrieb Uhr
    Was soll den das Minus "Keine Videostreams". Das Ding ist ein Audio-Server, deshalb ist doch völlig klar, dass er keine Videostreams liefert. Er kocht auch auch keinen Kaffee - muss man das erwähnen? Andere Geräte streamen aber sowohl Video als auch Audio (aus diesem Grund das Minus) - technisch ist das nicht schwer umzusetzen, und es wäre doch auf jeden Fall eine tolle Sache wenn der Hifidelio dies auch unterstützen würde. Klar, Kaffekochen wäre auch nicht übel...
  • Gast schrieb Uhr
    Re: News - Feature:...

    Und wer weitere Infos über Erweiterbarkeit, Zugriff auf die gespeicherten MP3s etc. .. haben will, soll es mal unter: http://www.hifidelio-user.de versuchen. Das (inoffizielle!) Forum für Hifidelio-User.
  • Uwe schrieb Uhr
    Re: News - Feature: Musikhören...

    Was soll den das Minus "Keine Videostreams". Das Ding ist ein Audio-Server, deshalb ist doch völlig klar, dass er keine Videostreams liefert. Er kocht auch auch keinen Kaffee - muss man das erwähnen?

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2005-10-25 18:30:00
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