Special: 30 Jahre Digitalkamera

Special: 30 Jahre Digitalkamera

Der Damm war gebrochen, die digitale Fotografie wurde populär, auch wenn die Auflösungen und Fähigkeiten der Kameras noch mehr als zu wünschen übrig ließen. Es sollte noch lange dauern, bis die magische 2-Megapixel-Grenze im Consumer-Bereich überschritten werden sollte. Zuerst widmeten sich die Hersteller der Alltagstauglichkeit der digitalen Knipser. Immer mehr Funktionen wurden eingebaut, schon bald kamen Autofocus, Zoom und Bildschirm dazu. Als die Preise unter 1000 Euro rutschten, begannen sich auch die Hobbyfotografen für die neue Technik zu interessieren.

Brauchbare Technik seit 1995

1995 stellte Casio die erste "echte" Digitalkamera für den Consumer-Bereich vor. Die technischen Daten der Casio QV-10 wirken aus heutiger Sicht lausig: Halbe VGA-Auflösung von gerade einmal 320x240 Pixeln, kein Zoom, dafür aber ein Farbdisplay. Die Kamera war, verglichen mit aktuellen Modellen, mehr als klobig, unterschritt allerdings schnell die magische Preisgrenze von 1000 Euro, weshalb sie sich recht gut verkaufte. Speicherkarten wurden in dieser Kamera noch nicht verwendet, Konkurrenzmodelle setzten auf 3,5"-Disketten oder Fixspeicher. Von Microdrive hatte noch niemand gehört, Speicherkarten mit heutigen Kapazitäten waren noch nicht vorhanden und wären auch nicht sonderlich erschwinglich gewesen.

Immer schneller folgten die Modelle, der wirkliche Durchbruch kam aber erst im neuen Jahrtausend, wurden die Kameras doch immer leistungsfähiger, kompakter und günstiger. Große Speicherkarten und neue Computer-Technologien, zum Beispiel der USB-Anschluss, machten die Digitalkameras für die breite Masse der Bevölkerung interessant. Und wie es so ist in der Marktwirtschaft entwickeln sich Zweige mit hohen Gewinnspannen besonders gut. Innerhalb von nur fünf Jahren zogen die durchschnittlichen Bildauflösungen von rund einem auf inzwischen etwa sechs Megapixel an.

Logitech Fotoman
Der Logitech-Fotoman: Die erste digitale Consumer-Kamera. | Quelle: Digitalkamera.de

Speicherkarten auf der Gewinner-Seite

Auch die Speicherkarten wurden in kürzester Zeit enorm verbessert. Waren 1998 noch Compact-Flash-Karten mit Kapazitäten von 48 Megabyte State-of-the-Art, sind inzwischen problemlos vier Gigabyte und mehr möglich. Die hohen Auflösungen heutiger Kameras benötigen allerdings auch entsprechend große Datenträger. Zwischenzeitlich kamen auch alternative Systeme auf den Markt, zum Beispiel Disketten mit hoher Kapazität oder Minidisk-ähnliche magnetisch-optische Speicher. Die arbeiteten jedoch mit stromgieriger Mechanik und konnten sich deshalb nicht gegen die sparsamen Speicherkarten durchsetzen.

Zur Zeit ist die Digitalkamera dabei, die analoge Fototechnik vollständig abzulösen. Digitalbilder umrunden den Erdball dank des Internets in wenigen Sekunden und in nie zuvor gesehener Qualität. Es werden kaum noch neue Analogkameras verkauft, höchstens Profis greifen noch zum guten, alten Film. Die Kapazitäten der Bildsensoren explodieren, erst kürzlich stellte Kodak einen Bildsensor mit 39 Megapixeln vor, womit sich die digitale Fototechnik langsam aber sicher den Auflösungen von analogem Filmmaterial annähert. Die ist nämlich aufgrund der Partikelgröße der Silberoxyd-Beschichtung auch nicht unendlich hoch.

... and the Winner is:

Inzwischen finden sich Digitalkameras in fast jedem modernen Computersystem. Egal ob Handy, PDA oder MP3-Player, die kompakte Digitaloptik lässt sich fast in jede technische Spielerei integrieren, allerdings oft mit fraglicher Qualität. Sogar Computer dürften künftig immer öfter ab Werk mit Kamera daher kommen: Apples neuer iMac G5 wird ebenfalls mit einer fest eingebauten Kamera geliefert. Und das dürfte nicht die letzte Einsatzmöglichkeit der Digitalkamera sein, gibt es doch bereits Brillen und Schlüsselanhänger mit winzigen Kameras.

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