Eine kleine Geschichte der digitalen Fotografie
Special: 30 Jahre Digitalkamera
Preisfrage: Wann wurde die erste Digitalkamera vorgestellt? Wer nun in seinem Gedächtnis kramt, wird sich kaum erinnern, dass es vor 1990 irgendwelche Geräte gegeben hätte. Der Durchbruch kam erst um die Jahrtausendwende, einige Jahre vorher wurden dank des Siegeszuges des Internets zumindest Webcams populär. Aber davor? Fehlanzeige.

Inhaltsverzeichnis
- 1Eine kleine Revolution: Die MAVICA
- 2Bildübertragung früher: Faxen machen
- 3Der Durchbruch der Digitalkamera
- 4Logitech Fotoman: Die erste für alle
Die erste Digitalkamera: 100.000 Pixel, farblos
Tatsächlich wurde die erste funktionstüchtige Digitalkamera bereits mitten in den 70ern von Kodak vorgestellt. Gut, das Gerät wäre vielleicht kein Kassenschlager geworden, mit seiner Garagenbastel-Optik und seinen über vier Kilo Lebendgewicht: Der Schwarzweiß-Sensor brachte es auf gerade einmal 0,1 Megapixel, also eine Auflösung, die sich vielleicht für Avatare im Netzwelt-Forum perfekt eignet, für alle anderen Zwecke dann doch ein wenig zu gering ist. Ein Ausdruck eines solchen Bildes hätte gerade einmal Briefmarken-Größe.
Auch Sportfotografen hätten ihre wahre Freude gehabt: Die brillanten Bilder brauchten gerade einmal 23 Sekunden, um auf einer Datasette gespeichert zu werden, das ist eine Audiokassette, nur dass eben Computer-Daten darauf gespeichert werden. Von Auslöseverzögerung sprach damals noch niemand, die seinerzeit bereits hoch entwickelten Analog-Kameras machten digitale Bildaufzeichnung vorerst überflüssig. Niemand hätte sich damals denken können, dass die Nachfahren des unhandlichen Klotzes eines Tages die analogen Kameras ablösen könnten. Und erst recht nicht, dass sich derartige Geräte eines Tages in winzige Computer oder gar tragbare Telefone einbauen lassen würden.

Glauben an die Zukunft
Dennoch: Steve Sasson, damals Ingenieur bei Kodak und Erfinder der Digitalkamera glaubte bereits 1975 an das Potential seiner Erfindung. Er hatte den Auftrag bekommen, eine Kamera zu entwickeln, die ohne Film funktionierte. Das Ergebnis war die erste Digitalkamera: "Dies könnte die Art und Weise wie Leute fotografieren entscheidend verändern." Sasson sollte Recht behalten, auch wenn es noch gut und gerne 20 Jahre dauern sollte, bis die Digitalkamera die Welt eroberte.
Erste Versuche gab es bereits in den 1980er Jahren. 1981 stellte Sony auf der Photokina in Köln ein System vor, das eine kleine Revolution darstellte: Die "MAVICA", eine Abkürzung für "Magnetic Video Camera". Sony legte damit den Grundstein für heutige Digitalkameras, auch wenn die Technik noch alles andere als digital war: Die Kamera speicherte bis zu 50 Bilder mit einer Auflösung von bis zu 570x490 Pixeln als analoges Videosignal auf einer speziellen 2-Zoll-Diskette.
Eine kleine Revolution: Die MAVICA
Mit einem speziellen Abspielgerät für diese Disketten ließen sich die Bilder am Fernseher vorführen. Wer damals Bilder am Computer bearbeiten wollte, musste einen speziellen Analog-Digitalwandler kaufen, der die Bilder digitalisierte. Das allerdings dürften sich nur wenige Kunden zugelegt haben, waren doch PCs gerade erst auf den Markt gekommen und auch andere Heimcomputer kaum leistungsfähig genug, um Bilder zu bearbeiten - selbst der C64 war zu diesem Zeitpunkt noch Zukunftsmusik, Computerfans investierten ihr Taschengeld in Commodores VC20 oder den Sinclair Spektrum.

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