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Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?
Staaten schießen sich auf Satellitenbilder ein

von Christian Rentrop Uhr veröffentlicht

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Google Earth ist ein Erfolgsprogramm. Mit der virtuellen Erde lassen sich präzise Lagepläne anhand von Satellitenbildern erstellen. Genau das halten einige Staatschefs für problematisch: Terroristen könnten die Informationen zur effizienten Planung eines Terror-Anschlags missbrauchen. Google gerät deshalb zunehmend in die Kritik.

Google Earth ist ein Erfolgsprogramm. Mit der virtuellen Erde lassen sich präzise Lagepläne anhand von Satellitenbildern erstellen. Genau das halten einige Staatschefs für problematisch: Terroristen könnten die Informationen zur effizienten Planung eines Terror-Anschlags missbrauchen. Google gerät deshalb zunehmend in die Kritik.

Präzise Karten sind bei Staatschefs unbeliebt

Nicht nur Google Earth, sondern auch der Dienst Google Maps ist betroffen, die Web-Version von Google-Earth. Die Karten werden täglich präziser und weil Googles Firmensitz in den USA ist, sind auch nur einige terrorrelevante Ziele der USA "ausgemerzt", darunter vor allen Dingen geheime militärische Einrichtungen, die nicht für aller Augen bestimmt sind. Solche Einrichtungen in anderen Ländern sind frei auffindbar, egal ob von Bundeswehr, Royal Air Force oder der chinesischen Volksarmee.

Wohl deshalb meldeten sich nun einige Staaten zu Wort: Australien, Südkorea, die Niederlande und sogar Indien. Dabei kritisierten die Staaten immer wieder das gleiche Problem: Die Satellitenbilder würden Terroristen die Arbeit maßgeblich vereinfachen, schließlich sei es ein leichtes, anhand der Luftbilder einen Terrorplan zu Schmieden. Insbesondere Schwellenländer wie Indien, die sowieso Terrorismus-Probleme hätten, seien daher durch die Satellitenbilder gefährdet. Das jedenfalls ließ der indische Präsident Abdul Kalam bei einem Vortrag in der nationalen Polizeiakademie vermelden.

Kein Problem für geübte Kartenleser

Die Kritik allerdings gleicht einer Hexenjagd. Die kritisierenden Staaten sind allesamt offensichtlich nicht darüber informiert, dass Luft- und Satellitenbilder inklusive passendem Kartenmaterials bereits seit Jahrzehnten frei erhältlich sind. Neu bei Google Earth ist eigentlich nur die direkte Zuordnung von Adresspunkten auf den Satellitenkarten. Diese Zuordnung hat in der Zeit vor Google Earth aber auch ungeübte Kartenleser vor keine besonderen Probleme gestellt, vorausgesetzt, das Kartenmaterial war eindeutig.

Die Anschläge des 11. September jedenfalls konnten ohne die Hilfe von Google Earth geplant werden, was eigentlich für sich schon gegen die Theorie spricht, dass das Google-Tool Terroristen eine Hilfestellung bietet. Hilfe ist nur da nötig, wo sich jemand hilflos fühlt - hilflose Terroristen sind aber nicht sonderlich häufig, vielleicht einmal Situationen ausgenommen, in denen Sprengstoffgürtel nicht hochgegangen sind. Offensichtlich möchten sich die kritisierenden Staaten nicht in die Karten schauen lassen, im wahrsten Sinne des Wortes. Da die Satellitenbilder aber nur sporadisch aktualisiert werden und selten jünger als ein Jahr sind, zeugt die Kritik an der "Bedrohungslage" eher von einer bedrohlichen Unkenntnis der technischen Entwicklungen durch die Staats- und Regierungschefs der kritisierenden Länder.

Deutschland "ohnehin präzise kartographiert"

Das ist wohl auch der Grund, warum andere Länder sich nicht im geringsten an Google Earth stören. Das Bundesverteidigungsministerium stufte Google Earth als unbedenklich ein, weil es ohnehin mehr als genug frei zugängliches Kartenmaterial gebe. Mit anderen Worten: Google Earth ändert nichts an der Gefahrenlage, die möglicherweise durch Satellitenkarten besteht, da Deutschland "ohnehin schon immer sehr genau kartographiert" sei. Entsprechend hielt das Verteidigungsministerium es auch nicht für nötig, die Bedrohungslage hochzustufen.

Die Netzgemeinde reagierte prompt auf die internationale Kritik und rief dazu auf, geheime militärische Einrichtungen in Google Earth aufzuspüren. Auch The Register, ein britisches Online-Magazin, stieg in die Aktion ein und machte prompt Area 51, eine der geheimsten US-Militärbasen, ausfindig. Sie liegt zwischen Las Vegas und Tonopah im US-Bundesstaat Nevada. Allerdings ist die Basis teilweise unkenntlich gemacht. Übrigens ist sie in Microsofts Virtual Earth komplett herausgenommen.

Findet den schwarzen Hubschrauber

Unter dem Motto "Find the Black Helicopter" wurde von The Register ein Wettbewerb ausgerufen, in dem die User von Google Earth möglichst viele geheime und terrorrelevante Einrichtungen auf der Welt, insbesondere den USA aufspüren sollten. Mit Erfolg: Neben Militärbasen wurden auch Atomkraftwerke und Regierungsgebäude problemlos aufgespürt.

Google hingegen reagierte auf die Vorwürfe mit kleineren Retuschen: Photoshop ersetzte den Swimming-Pool des Präsidenten durch einen kleinen Park, andere Regierungsgebäude wurden komplett oder teilweise geschwärzt. Damit arbeitet Google im Earth- und Map-Tool wie schon bei der Suchmaschine: Was nicht in der Datenbank des Marktführers ist, existiert einfach nicht. Google als großer Bruder, der Internet- und Satellitenbilder fälscht. Die freie Marktwirtschaft erlaubt glücklicherweise Alternativen, doch World Wind und Virtual Earth sind ebenfalls nicht sonderlich präzise, zumindest bezogen auf die USA. Australiens Forderung nach einer Entfernung von Kernkraftwerken ist Google beispielsweise noch nicht nachgekommen.

Terrorgefahr hält sich in Grenzen

Die allgegenwärtige Terror-Angst der Regierungen treibt seltsame Blüten. Der Google-Angriff zeigt die Hilflosigkeit vieler Regierungen, am liebsten möchte man alles verbieten, was von Terroristen genutzt werden kann. Das Problem dabei ist, dass Terroristen ihre Ziele auch ohne moderne technische Mittel finden, wodurch sich Angriffe schlicht und ergreifend nicht verhindern lassen. Eine Schwärzung terrorrelevanter Gegenden in Google hilft da nicht weiter, genauso wenig wie die Ausstattung von Pässen mit RFID-Chips oder das Anlegen von großen Datenbanken. Der Vorteil der Terroristen ist die Möglichkeit, sich im System zu verstecken und im richtigen Moment durchzumogeln. Statt also der Terror-Paranoia zu fröhnen, sollten Regierungen lieber dafür sorgen, dass Terroristen der Boden entzogen wird. Schließlich ist der beste Nährboden für Extremismus Armut und Perspektivlosigkeit, nicht Satellitenkarten.

Kommentare zu diesem Artikel

Google Earth ist ein Erfolgsprogramm. Mit der virtuellen Erde lassen sich präzise Lagepläne anhand von Satellitenbildern erstellen. Genau das halten einige Staatschefs für problematisch: Terroristen könnten die Informationen zur effizienten Planung eines Terror-Anschlags missbrauchen. Google gerät deshalb zunehmend in die Kritik.

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  • czarek schrieb Uhr
    AW: News - Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?

    Ich finde wenn Terrordeppen was planen, dann können die auch auf andere Mittel zurückgreifen. Man kann sich heutzutage Kleinflugzeuge für Paar Hunderter mieten und evtl. Ziele ausspionieren. Militärbasen sind bei GoogleEarth sowieso verschleiert dargestellt (habe ich zumindest in Holland gesehen). Ich finde GoogleEarth dient hervorragend der geographischen Allgemeinbildung und sollte Zielgenau im Erdkundeunterricht eingesetzt werden, jetzt weiß man wenigstens genau wo Fidschi, Kanaran und co. liegen. Vor ein Paar Jahren haben die Schüler nicht mal gewusst wo Prag, Tokio oder Adis Abeba liegt.
  • El Barto schrieb Uhr
    AW: News - Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?

    Und das glaubst du wirklich? ;-) Bekannt wurde inzwischen ein Fall einer deutschen Frau der die Einreise in die USA verwehrt wurde weil sie offenbar bei Amazon regierungskritische Bücher bzw DVD´s bestellt hatte.Also die Überwachung ist schon da man sollte auf einem amerikanischen Flughafen nicht unbedingt ein T-Shirt mit dem Bild von bin Laden oder der Aufschrift "Fuck Bush Fuck the USA" tragen das könnte durchaus ein mehrstündiges Verhör nach sich ziehen.
  • _Macromonium_ schrieb Uhr
    AW: News - Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?

    Das Amerikanische FBI kennt jeden von uns sie habe sptielle datenbanken wissen wo zb jemand arbeitet wieviel er verdient ... Und das glaubst du wirklich? ;-)
  • Unregistrier schrieb Uhr
    AW: News - Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?

    Das Amerikanische FBI kennt jeden von uns sie habe sptielle datenbanken wissen wo zb jemand arbeitet wieviel er verdient ... also ich hätte eher angst davor die ganzen zeit vom FBI Ausspioniert zu werden als das irgend en terrorist sich in googel earth bilder anschaut und irgend win plan schmiedet
  • pittiplatsch schrieb Uhr
    Google Earth: Werden wir alle ausspioniert?

    Das wurde doch schon in mehreren Zeitschriften erwähnt, dass Satelliten mittlerweile KFZ-Kennzeichen und sogar einige Überschriften aus Zeitungen relativ hoch auflösen können. Zu midest in sofern, dass man diverse kleine Dinge mitllerweile sogar lesen kann. Im Großen und Ganzen wirkt das lansam auf mich ziemlich bedrohlich, auch wenn man nichts zu verbergen hat. Aber meine Prvatsachen sollen doch bitte auch privat bleiben. Oder wie seht ihr das? Ice :hmmm: Tja das heisst dann wohl :s3x: nur noch im dunklen Keller oder :unterdec: Die indirekte Überwachung aller möglichen Vorgänge :abwasch: erfolgt inzwischen fast lückenlos :vogel: Dagegen wehren kann ich mich nur, wenn ich bestimmte Dinge :auto:, :handy:, :duschen: , :goodnite: komplett sein lasse. :wayne: Mit der Einführung der Autobahn-Maut und den TOLL-COLLECT-Brücken hat man ein hervorragendes Instrument der Überwachung geschaffen :schild: als ein Verbrecher darüber ermittelt werden sollte - DATENSCHUTZ ! :motz: PS: Auch die Postings hier im Netz können nicht mehr als "ganz privat" gelten :discu: - wenn sie privat bleiben sollen - muss ich sie mir denken :ideen:
  • ice2401 schrieb Uhr
    AW: News - Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?

    Das wurde doch schon in mehreren Zeitschriften erwähnt, dass Satelliten mittlerweile KFZ-Kennzeichen und sogar einige Überschriften aus Zeitungen relativ hoch auflösen können. Zu midest in sofern, dass man diverse kleine Dinge mitllerweile sogar lesen kann. Im Großen und Ganzen wirkt das lansam auf mich ziemlich bedrohlich, auch wenn man nichts zu verbergen hat. Aber meine Prvatsachen sollen doch bitte auch privat bleiben. Oder wie seht ihr das? Ice
  • Tweek schrieb Uhr
    ich möchte nit wissen was die amerikaner alles sehen können O_O Glaubt mir, die zivil zugänglichen Bilder Marke Google Earth sind bestimmt nicht das höchste der Gefühle. Ich würde sogar stark annehmen, dass jede Nation mit Satelliten im All solche Bespitzelungen durchführt, und zwar wesentlich schneller mit wesentlich höheren Auflösungen als in Earth. Würde mich nicht wundern, wenn die Satelliten inzwischen in der Lage wären, herauszufinden, welche Zeitschrift eine Person, die von oben fotografiert wird, gerade liest ;-)
  • vize schrieb Uhr
    Google earth

    tja die area 51 für jedermann. usa fühlt sich bedroht?? eher der rest der welt. ich möchte nit wissen was die amerikaner alles sehen können O_O
  • Tweek schrieb Uhr
    sicherlich wäre der anschlag auf ein atomkraftwerk der supergau. Naja, gibt schlimmeres, glaube ich :-)
  • pixel schrieb Uhr
    Re: News - Google Earth:...

    sicherlich wäre der anschlag auf ein atomkraftwerk der supergau. aber die realität zeigt, dass anschläge auf offener straße und in öffentlichen nahverkehrszügen viel einfacher und effektiv sind. und angriffe auf militärische und regierungsgebäude müsste man schon mit ganzen armeen führen. da ist die karte sicherlich das kleinste problem, wie wir aus diversen filmen kennen.

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Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?
Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?
Google Earth ist ein Erfolgsprogramm. Mit der virtuellen Erde lassen sich präzise Lagepläne anhand von Satellitenbildern erstellen. Genau das halten einige Staatschefs für problematisch: Terroristen könnten die Informationen zur effizienten Planung eines Terror-Anschlags missbrauchen. Google gerät deshalb zunehmend in die Kritik.
http://www.netzwelt.de/news/72754-google-earth-terroristen-hilfe-weltall.html
2005-10-22 11:19:00
News
Google Earth: Terroristen-Hilfe aus dem Weltall?