Es muss nicht immer King oder Clive Barker sein
Kolumne: Klassische Lektüre für den Game-Grobian
Adolf Hitler war Präsident der DDR; die Stadt Hamburg liegt am Rhein; zehn Prozent von 100 sind 20 - was nach dem Resultat intensiven Schulschwänzens klingt, sind Stilblüten ausgerechnet derer, die per Gesetz zum Unterrichtsbesuch verpflichtet sind.
Spätestens mit PISA wurde der bundesdeutsche Bildungsnotstand offenbar. Unser Nachwuchs wird immer dümmer. Zumindest behaupten das die Älteren, die, vor Bildung strotzend, die Ursachen dafür ausgemacht zu haben meinen.
Schuld ist das Fernsehen, einerseits. Doch die vielleicht größere Gefahr für die Allgemeinbildung sehen ausgewachsene Schlaumeier in den gern gescholtenen Videospielen. Mit besonderem Argwohn wird auf gewalttätige Games geblickt.
Goethe gegen GTA
Gegen waffenstarrende Söldner oder Ghetto-Gangster ziehen die Goethes, Schillers und Shakespeares in unserer oberflächlichen Wohlfühlzeit oft den Kürzeren. Zu Unrecht. Denn das Schmökern möglichst vieler Literaturklassiker trägt nicht nur zur persönlichen Bildung bei, es kann obendrein höchst unterhaltsam sein - auch für diejenigen, die Unterhaltung in eimerweise Blut, Brutalität und morbiden Bildern messen.
Fest steht: Den zeitlos abartigen Fantasien eines Marquis de Sade hinken selbst moderne Kunstprovokateure hinterher. Die grotesken Gewaltorgien, die der französische Feuerkopf in "Die 120 Tage von Sodom" beschreibt, relativieren selbst brutale Ego-Shooter oder drastische Filmschocker auf Derrick-Niveau. Umso bemerkenswerter, dass ausgerechnet jene sodomistischen Tage den Zensureifer durch Bundesprüfstelle und Co. zu überdauern scheinen.
Brennpunkt Bibel
Wem Makaberes à la "Silent Hill" besser gefällt, der greift zu den Morgue-Gedichten des Gottfried Benn; Marylin Manson-Videos zum Lesen, wenn man so will. Die knackig-kurzen Verse handeln von Rattennestern in Wasserleichen, Zungen auf Gehirn und ähnlichen Leckereien.
Selbst der Hesse-Klassiker "Narziß & Goldmund" geizt mit entstellten, präzise beschrieben Leichen nicht. Der liebe Goldmund schlägt überdies ein paar mehr oder minder arglose Zeitgenossen tot. Und auf etwa jeder zwanzigsten Seite hat der Buch-Beau Sex. Den unangefochtenen Body Count-Rekord hält indes ein wesentlich betagteres Schriftwerk: Die Bibel, speziell das Alte Testament, steckt voller Gewalt, Blut, Sühne, Mord und Totschlag.
Soll es also ans buchstäbliche Eingemachte gehen, führt an der Lektüre bestimmter Bücher kaum ein Weg vorbei. Derbe Unterhaltung endet keineswegs mit dem Ausschalten des Computers. Oder zeitgemäßer ausgedrückt: Literarisches killt! Der Vorteil des gelegentlichen Lesens liegt auf der Hand: Es muss nicht dumm sterben, wer zu Lebzeiten "Doom" spielte.

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joa ... das ist ja wohl alles wahr und ich habe herzlich gelacht beim lesen. nur mal so um auf das thema fernsehen zu kommen: j.w.von goethe meinte: dummes zeug kann man viel reden kann...
Zitat: Womit allerdings nur wieder bewiesen wurde: Letzendlich ist die Realität doch brutaler als alles was man sich ausgedacht hat. ja, das stimmt wohl. ...
Zitat: Damits nicht zu lang wird, ein abschließender Kommentar: Eine intelligente, selbstdenkende Redaktion, die auf Klasse und Qualität, statt auf Masse setzt. Hoffe, dass das quantitativ...
Ach, das ewig aktuelle Thema. Ist gerade jetzt wieder top, da Doom verfilmt wird/wurde. Da hat das Fernsehen endlich wieder eine Gelegenheit, den schwarzen Peter weit von sich wegzuschieben und einen auf reine Weste...
Mein erster Beitrag, seit dem man die Berichte kommentieren kann, bin schon lange/länger ein Leser eurer Seite (Hab angefangen als es noch aufgeteilt war in mp3, divx undwasweißich -world.net aufgeteilt war)......