Sie sind hier:
 

Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen
Nie geordert, nie genutzt und trotzdem blechen

von Alex Leinhos Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Nie geordert. Nie genutzt. Und trotzdem blechen. - Wie Online-Betrüger mit falschen Mahnungen auf Kundenfang gehen. netzwelt zeigt die Fälle auf. Und verrät, was jetzt zu tun ist…

Die Masche ist simpel - und doch so erfolgreich. In Scharen erhalten Verbraucher zurzeit Rechnungen, Mahnungen und Inkasso-Schreiben. Von Firmen, die sie gar nicht kennen. Über Dienstleistungen, die sie nie in Anspruch genommen haben. Stets wollen die Unternehmen Geld, das ihnen nicht zusteht.

Wie im Fall von Andreas K. aus Lüneburg. In einer Rechnung will eine Proben-Firma rund 100 Euro für ein Abo eintreiben, das K. auf deren Website abgeschlossen haben soll. - K. reagiert nicht; schließlich kennt er weder Firma noch Seite und hat deren "Dienste" nie genutzt. Wenig später der Schock: Jetzt schreibt ihm ein Inkasso-Unternehmen, will die Forderung einziehen und droht mit Klage. K. bekommt es mit der Angst, er ist nicht rechtsschutzversichert - und zahlt.

Sex-Firma bedrängt 80jährige

Ähnlich ergeht es Elisabeth R. aus Berlin. Auch sie bekommt Rechnungen einer Firma, mit der sie nie zu tun hatte. Es folgen Drohschreiben eines bayrischen Inkasso-Büros mit immer höheren Bearbeitungsgebühren. Letztendlich zahlt auch sie - aus Unwissenheit und Angst. Beim ominösen Rechnungssteller handelt es sich um eine Online-Firma. Bei der Forderung um ein Abo für eine Internet-Sexseite. Der Clou: Elisabeth R. ist dreifache Großmutter, Ende 80 - und hat gar keinen Internetanschluss.

Falsche Rechnung? - Was Sie jetzt tun sollten

Netzwelt befragte hierzu zahlreiche Experten. Sie stellen klar, was Verbraucher meist nicht wissen: Zahlen muss keiner! Und auch keinen Gegenbeweis antreten - wie so oft von Unternehmen gefordert. Sie haben eine Rechnung für einen Dienst erhalten, den Sie nie genutzt haben? - Unser Rechnungs-Ratgeber zeigt Ihnen, was Sie jetzt tun sollten:

1. Rechnung im Kasten: Die Suche nach dem Daten-Schnorrer

Die Rechnung ist da. Jetzt sollte der Gewissensspiegel folgen - wer jetzt nicht ehrlich ist, riskiert später Ärger und Peinlichkeiten. Frage: Waren Sie tatsächlich nie auf der genannten Seite? Haben Sie den Dienst tatsächlich nicht genutzt? Ihre Daten dort nicht eingegeben? - Wenn nicht: Hatte sonst noch jemand Zugang zum Rechner? Kinder, Lebenspartner, Mitbewohner? Hätte diese Person die Rechnung verursachen können?

Nicht ganz sicher? - Dann wäre es jetzt vielleicht besser zu zahlen. Heißt "Nein" bei Ihnen die Antwort auf alle obigen Fragen, dann zahlen Sie auf keinen Fall. Denn dann versucht jemand, Sie gehörig übers Ohr zu hauen.

"Selbst wenn die Firma Ihre Adress- und Bankdaten vorlegt", so Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale NRW, "ist das noch kein Nachweis für einen erfolgten Vertragsschluss. Sollte es aus der Rechnung nicht hervorgehen, bitten Sie um Nachweis, wann und zu welchen Bedingungen der Vertrag geschlossen worden sein soll. Prüfen Sie dann, ob Sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt zu Hause an Ihrem PC gewesen sein können."

2. Firmen-Forschung und die Suche nach Gleichgesinnten

Sie sind’s also nicht gewesen - und von ihrem PC ging’s auch nicht aus. Dennoch sollten Sie jetzt aktiv werden. Googlen Sie den Namen der Firma und der Dienstleistung. Was für einen Leumund hat die Chose? Gibt es vielleicht mehr Personen, denen das gleiche passiert ist? Durchsuchen Sie die Foren nach Gleichgesinnten. Anke Kirchner rät hier: "Gleichsam sollten Sie auch die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen kontaktieren und in Erfahrung bringen, ob die Firma in dieser Hinsicht hinlänglich bekannt ist."

3. Schreiben Sie eine E-Mail

Schreiben Sie der Firma jetzt eine gesalzene E-Mail. Machen Sie klar, dass zwischen Ihnen und der Firma kein Vertragsverhältnis zustande gekommen ist, da Sie sich weder dort eingetragen haben noch deren Dienste genutzt haben. Teilen Sie ihnen weiterhin mit, dass Sie aus diesem Grund die in der Rechnung gestellte Forderung nicht berechtigt ist und sie diese nicht begleichen werden. Drohen Sie, sollten Sie weiterhin von der Firma mit Rechnungen belästigt werden, mit rechtlichen Schritten.

4. Von der Mär, Anzeige erstatten zu müssen

Jetzt kann es auf der Gegenseite zu den unterschiedlichsten Reaktionen kommen. Entweder droht ihnen die Firma mit einem Inkasso-Büro oder gibt bekannt, die Forderung erst nach einer Anzeige Ihrerseits gegen Unbekannt fallen zu lassen. - Angeblich, um den wahren Täter zu ermitteln. - "Nonsens," so Internet-Anwalt Dr. Alex Schneehain, "zeigen Sie jetzt keine Angst. Sie müssen auf diese Schreiben weder antworten noch Anzeige erstatten. Die Beweislast liegt beim Forderungssteller, also dem Unternehmen - nicht bei Ihnen."

5. Inkasso - überprüfen Sie die Geldeintreiber

Kommt jetzt das Inkasso-Schreiben, kriegen es viele mit der Angst. Doch ohne Grund. Eine unbegründete Forderung ist durch kein Inkasso-Büro dieser Welt einzuziehen. Wolfgang Spitz, Sprecher des Inkasso-Bundesverbandes dazu: "Als erstes sollte man prüfen, ob das entsprechende Inkasso-Unternehmen überhaupt als solches zugelassen ist. Gerade im Internet tummeln sich vermehrt schwarze Schafe. Eine solche Prüfung lässt sich beim zuständigen Amtsgericht durchführen; dies hat die Dienstaufsicht inne. Sollte es sich um ein zugelassenes Unternehmen handeln gilt: Auch Inkasso-Unternehmen haben die Pflicht, die Forderungen ihrer Mandanten auf deren Anspruchsgrundlage zu prüfen. Bei Einwänden der Verbraucher müssen sie sich mit ihren Auftraggebern in Kontakt setzen."

6. Aufs Ganze: Mahn-, Vollstreckungsbescheid und Prozess

Gemeinhin ist spätestens jetzt Ruhe. Wenn man bei Raffkes jedoch noch immer nicht ablassen will, kommt nun irgendwann der Mahnbescheid. Spätestens jetzt müssen Sie wirklich aktiv werden - und widersprechen, damit daraus kein Vollstreckungsbescheid, sprich Titel, wird. Nach erfolgtem Widerspruch kann es hier nur noch auf eine völlig erfolglose Klage hinauslaufen: Ein Vertrag ist objektiv nicht zustande gekommen. Dr. Alex Schneehain noch einmal: "Selbst, wenn die Firma ihre persönlichen Daten besitzt, reicht das zur Begründung eines Vertragsverhältnisses nicht aus. Die Beweislast liegt grundsätzlich beim Forderungssteller. Schon jetzt kann man sich darauf freuen, wie diese Beweise dem Gericht in einem Prozess glaubhaft gemacht werden sollen."

Zu guter Letzt: "Sie können mich mal, Sie Knallkopp!"

Dass in solchen Fällen Dreistigkeit vor Kuschen geht, zeigt das Beispiel von Henryk M. Broder. Wie der Spiegel-Autor erfolgreich gegen falsche Rechnungen vorging, lesen Sie hier.

Kommentare zu diesem Artikel

Nie geordert. Nie genutzt. Und trotzdem blechen. - Wie Online-Betrüger mit falschen Mahnungen auf Kundenfang gehen. netzwelt zeigt die Fälle auf. Und verrät, was jetzt zu tun ist…

Deine Meinung ist gefragt. Diskutiere im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt diskutieren!
  • Michael2804 schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    So es hat sich heraus gestellt das die Seite nur auf meinem Pc nicht erreichbar ist. Ich war heute mit dem Handy im Wlan Netz meiner Arbeitsstelle und dort wurde die Seite auch angezeigt. Es werden immer 257 € gefordert. Die wollen somit ganz einfach schnell an Geld kommen indem sie so ein genanntes "Inkasso Projekt" wie es auf der Seite heißt gestartet haben. Dieser Komische Patrick Richter scheint viele solcher Briefe verschickt zu haben. und droht den leuten mit dem Besitzt eines Mündlichen Vertrages. Ich habe auch erfahren das die bei meiner Mutter eh nichts holen könnten. Da sie eine Eidesstattliche erklärung abgegeben hat. Somit können die uns ja nichts.
  • Kuerasser schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Ob Mail, ob Brief.

    Die Mail kann als Anhang eine ZIP-Datei mit Viren, Trojanern oder ähnlichen Sauereien enthalten. Also löschen.

    Ein Papierbrief ist eine grössere Bedrohung, aber auch nicht ernst zu nehmen. Schon garnicht, wenn vorher keine Abmahnungen gekommen sind.

    Verschiedene Verbraucherzentralen warnen vor dieser Abz0ckmasche und raten nicht näher auf diese Drohgebärden einzugehen. Einziges Ziel dieser Attacke ist es Geld zu generieren ohne viel dafür tun zu müssen.

    Das da eine Datei nur über einen PC abhörbar ist ist für mich ein Zeichen, dass da ein Schädling auf dem PC sein könnte. Am Besten eine Rescue-CD bei Avira runterladen, brennen, das CD-Laufwerk als Bootlaufwerk im Bios einstellen und den PC dann über die Rescue-cd starten. Nachdem der PC hochgefahren ist ein Update durchführen und danach den Systemscan durchführen. Kann je nach System bis 3 Stunden dauern.

    Die Dateien bekommst Du hier Download Avira Rescue System - 101k
  • Michael2804 schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Es ist keine MAIL ! Sondern ein Brief auf dem eine Internetseite aufgeführt ist auf der man angeblich die Ton aufnahmen anhören kann, wo meine Mutter den Vertrag abschließt.

    Was halt sehr wundert ist. Das die Website nur an EINEM PC im haus aufrufbar ist. Und das ist der Pc meiner Mutter.

    Dort ist der Brief nochmals komplett so zu Lesen wie wir ihn in der Hand gehalten haben.

    Wir haben aber noch keinen Link auf der Website angeklickt weil das sehr nach Virus Klingt.

    Es ist so als hätten sie die Website mit der Ip Adresse von dem Pc meiner Mutter verbunden somit man nur dort an alles dran kommt.

    Sollte net eigentlich vor solch einem inkasso Brief ein Gerichtlicher Mahnbescheid kommen indem man auf sein Widerrufsrecht bestehen kann.

    Auf der Website steht neben dem Text der wie gesagt genau der Gleiche ist auch, das wird kein Gebrauch von dem Widerrufsrecht gemacht hätten und es nun zu Spät ist.

    Aber es kam nie was vorher an. Keine Rechnung, Keine Mahnung. NICHTS !
  • Kuerasser schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Kannst Du vergessen, ist Eigenwerbung.

    Einfach nur die Mail löschen und gut ist.

    Hatte selber schon etliche Dutzend dieser Mails im Spampostfach. Habe bis heute (ist mindestens schon 4 Jahre her) nie wieder was von denen gehört noch gelesen.
  • Michael2804 schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Hallo, ich muss mich nochmal Melden. Und zwar ist uns eben aufgefallen das die Website Startseite - rechtskrafts Webseite! von dem pc meiner Mutter erreichbar ist. Aber von meinem nicht. das ist auch etwas merkwürdig. da wir beide das gleiche in die Suchleiste eingegeben haben. bei meiner Mutter ihrem Pc wurde auch exakt das gleiche geschrieben wie es im Brief steht. Die Gleiche Summe aber alles ohne Nahmen. Weder von und noch der der das Geld haben möchte. Wie kann das sein. Handelt es sich hierbei um einen Virus ?

    ---------- Doppelpost zusammengeführt ----------

    Ich habe auch gerade das hier Gefunden. Mahnung von Rechtsanwalt Patrick Richter – Atli Telemarket Ltd. Das ist genau das.
  • Kuerasser schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Bei diesen Mails, Briefen usw. gibt es nur eins :ignore:

    Dann kann man auch wieder beruhigt schlafen. Is nur Abz=cke, weiter nichts.
  • Michael2804 schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Vielen Dank für die Hilfe damit kann ich und vor allem meine Mutter besser schlafen. :bye:
  • Immorb schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Da stand drinn das meine Mutter 250 € zu bezahlen hat weil diese sich angeblich mal bei 200 Gewinnspielen hat eintragen lassen.
    Zitat: sarazena
    Das kommt in die Schublade Gewinnspielabzocke. Heisst;ignorieren bis ein Mahnbescheid vom zuständigem Mahngericht kommt.Was aber nicht geschehen wird. m.f.G.
  • Kuerasser schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Schnippewippe hat in einem anderen Forum eine Warnung einer Verbraucherzentrale gepostet die sagt, dass man solcje Mails einfach ignorieren soll, Ebenfalls die Briefe, die körperlich kommen. es ist alles Betrug, Verarxsche und Abz=cke.

    Wer sich rührt wird abgezogen.

    Daher: Pfoten weg, kein Kontakt, keine Mails etc. Vor allen Dingen, keine Kohle zahlen.
  • Michael2804 schrieb Uhr
    AW: News - Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen

    Hi @Michael Franz

    wie sangen die Beatles so soschön?

    Let it be, let it beeee, let ist beee, let it bee. The Answer of your Questions let it be.

    Diese Spams gehören einfach in die Rundablage.

    Da sind Abz0cker am Werk die versuchen irgendwie an Kohle zu kommen.

    Die wollten mal von mir Kohle haben, da habe ich denen ein Foto von einem Stapel Briketts mit dem Hinweis" Könnt ihr haben" geschickt. Seitdem habe ich Ruhe. :P

    Das der Brief nicht echt ist. Ist mir eigentlich schon klar.

    Allein schon die Tatsache das ich nicht auf die Angegebene Seite komme um meine Mutter ihre "Worte" zu hören. bzw diese gar nicht existiert sagt ja schon alles.

    www.Rechtskraft.de diese Seite gibt es nicht.

    Ich mache mir Sorgen um meine Mutter. Weil wir genug Probleme haben und sie sowas eigentlich nicht Gebrauchen kann.

    Aber gut wenn du sagt das wir des einfach ignorieren sollen ist der Käse gegessen.

    Es liegen ja keine Beweise vor.
netzwelt Live

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

Ashampoo-Download-Logo
article
16900
Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen
Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen
Nie geordert. Nie genutzt. Und trotzdem blechen. - Wie Online-Betrüger mit falschen Mahnungen auf Kundenfang gehen. netzwelt zeigt die Fälle auf. Und verrät, was jetzt zu tun ist…
http://www.netzwelt.de/news/72693-inkasso-terror-masche-unberechtigten-mahnungen.html
2005-10-15 12:53:00
News
Inkasso-Terror: Die Masche mit den unberechtigten Mahnungen