Test: Fahrenheit
Spielfiguren am Rande des Nervenzusammenbruchs
Ein störungsfreier Ablauf der vorgefassten Actionsequenzen - das Motion Capturing nimmt es locker mit etablierten Sportsimulationen auf - erfordert wiederum das schnelle Umsetzen von vorgegebenen Tastenkombinationen. Hier ist der Rheumapatient mit Gaming-Ambitionen klar im Nachteil. Andere Spielabschnitte meistern sich wiederum mit schierer Fingergewalt: Wenn die Protagonisten z. B. in Gefahrensituationen durch hektisches Pfeiltasten-Staccato Muskelkraft entwickeln müssen, sieht man sich in Gedanken beim Kauf einer neuen Tastatur.
Jedes interaktive Spiel erhebt den Anspruch, fesselnd zu sein. Doch "Fahrenheit" ist einer der wenigen Titel, die es tatsächlich schaffen, ab dem frühesten Augenblick gefangenzunehmen. Zwar auch mit Monstern, Mystik, Härte und Pixelblut, aber eben nicht nur. Denn alle Charaktere breiten in gründlicher Weise ihr Gefühlsleben aus.
Beziehungsprobleme mit Familienangehörigen oder Lebenspartnern werden ebenso nach außen getragen wie Sehnsüchte oder Phobien. Wenn Carla etwa bei dem Versuch, im düsteren Polizeiarchiv ihre Platzangst zu überwinden, wiederholt an der Nachlässigkeit des Spielers scheitert, der mittels Tastendruck die Atmung kontrollieren muss, droht ein Nervenzusammenbruch. Ein Schicksal, das übrigens jeden gramgebeugten Charakter ereilt, wenn nicht durch Erfolgserlebnisse, Kopfschmerztabletten oder positive Dialoge gegengesteuert wird. Ein nervlicher Zusammenbruch setzt dem Abenteuer ein Ende.
Film oder Spiel?
David Cage, der geistige Urheber von "Fahrenheit", sieht in seinem gelungenen Experiment zu Recht den Beweis, dass man "sowohl eine Geschichte erzählen als auch einen Spielinhalt anbieten kann, ohne deswegen die narrativen oder interaktiven Elemente opfern zu müssen."
Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht die Schlussfolgerung, dass "Fahrenheit" mehr Film ist denn Spiel. Damit üben wir keine Kritik, schließlich heißt es im Hauptmenü nicht umsonst "Neuer Film". Das erklärt wohl auch, warum die Dramatik der Anfangsstunden letztlich in einer hollywoodschen Klischee-Kaskade untergeht.
| Steckbrief | ||
|---|---|---|
| Sound | 15 von 15 % | 88 % |
| Grafik | 14 von 15% | |
| Spielspaß | 14 von 15% | |
| Multiplayer | kein | |
| Bedienung | 7 von 10% | |
| Preis/Leistung | 13 von 15% | |
| Hardwareanforderung | 13 von 15% | |
| Langzeitspielspaß | 12 von 15% | |

Sagen Sie Ihre Meinung!