Das deutsche Kind: Dick, dumm, einsam und traurig

Endlich bewiesen: Fernsehen macht dumm



29.09.2005 12:42 Uhr

Das Bild deutscher Kinder ist schlecht. Wer es wagt, nach 20 Uhr den Fernseher einzuschalten, wird von Real-Soaps im Stil der Supernannys gequält. Schlecht erzogene Kevins und Chantals, die kreischend durchs Bild rennen, weil ihre alkoholabhängige und kettenrauchende Mutter sie ins Bett bringen möchte. Solche Kinder werden gerne mal vor Fernseher und Playstation geparkt, was ihre späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich reduziert. Das jedenfalls behauptet eine aktuelle Studie.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Dumm, krank, fett und traurig
  2. 2Abstieg schon im Kindesalter
  3. 3Anders lesen ist der Schlüssel zum Verständnis
  4. 4Bildung: Der Schlüssel zum IQ

Laut einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) macht Fernsehen dumm - das ist wohl keine Neuigkeit, der Newswert liegt eher in der Tatsache, dass sich Intelligenz und Fernsehkonsum reziprok zueinander verhalten: Je höher der Fernseh-Konsum, desto dämlicher der Nachwuchs. Gewalt in Fernsehen und Videospielen soll obendrein die Lernfähigkeit von Kindern nachhaltig negativ beeinflussen: Jugendliche, die viel Gewalt konsumieren, sollen wesentlich häufiger Probleme mit fehlender Intelligenz haben als Gleichaltrige ohne Gewaltobsession.

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Dumm, krank, fett und traurig

Im Rahmen der Studie wurden 23.000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren zu ihrem Fernseh-Verhalten befragt. Das Ergebnis: Rund die Hälfte aller Jungs und immerhin ein Drittel aller Mädchen haben einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer, auch Spielkonsolen sind weit verbreitet. Die Kinder verbringen viele Stunden täglich vor dem Bildschirm und werden dabei "dick, dumm, krank und traurig", wie sich KFN-Chef Christian Pfeiffer ausdrückte. Dabei ist interessant, das Hauptschüler wesentlich mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen, als beispielsweise Gymnasiasten.

Gestützt wird die deutsche Studie von rund 50 weiteren Studien aus verschiedenen Industrieländern. Kinder, die lieber surfen, videospielen und fernsehen, als sich zu bewegen, hätten eine wesentlich höhere Gefahr, Übergewicht zu bekommen. Hinzu käme das Problem, dass der schlechte Lebensstil das Übergewicht auch im Erwachsenenalter fördere. Hinzu kommen dann auch schnell die üblichen Dicke-Leute-Krankheiten: Diabetes, Bluthochdruck oder zu hohe Blutfett-Werte, wodurch schon in jungen Jahren die Lebensqualität erheblich eingeschränkt wird. Bei stark übergewichtigen Personen sind auch Herzinfarkte in jungen Jahren keine Seltenheit.

Abstieg schon im Kindesalter

Das Fernsehen sei zudem schuld an der zunehmenden Verblödung der Jugend. Der Ulmer Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer meint dazu: "Dieser Effekt betrifft alle Fächer, ist nicht mit anderen Faktoren zu erklären und wirkt sich langfristig auf den erreichten Ausbildungsgrad aus." Sprich: Wer in der Jugend viel vor der Glotze hängt, wird als Erwachsener das gleiche tun müssen, weil er völlig unterqualifiziert von der Schule direkt in Hartz IV rutscht.

Insgesamt ein schlechtes Bild der Jugend, allerdings sind Studien, wie üblich, auf verschiedene Weise lesbar, außerdem darf neben dem Fernsehkonsum und dem IQ auch nicht das soziale Umfeld der Kinder vernachlässigt werden. Es ist nicht nachweisbar, ob Kinder und Jugendliche durch Fernsehen dumm werden, weil dazu einmal im Jahr IQ-Tests und Befragungen zum Medienkonsum nötig wären - und zwar jahrelang. Solche Studien kosten viel Zeit und Geld, vor allem, wenn sie große Kontrollgruppen umfassen. Entsprechend dürfte es sich bei der Studie nur um einen Vergleich von Fernseh-Gewohnheiten und geistigen Fähigkeiten handeln, einmalig abgenommen.

Anders lesen ist der Schlüssel zum Verständnis

Wenn man die Ergebnisse anders liest, als die Forscher verlauten ließen, ergibt sich ein völlig anderes Bild: Was, wenn nicht das Fernsehen schuld an mangelnder Intelligenz ist, sondern die mangelnde Intelligenz der Grund für erhöhten Fernseh-Konsum ist? Der Teufelskreis setzt viel früher an. Sind die Eltern Angehörige der sogenannten "bildungsfernen Schichten", wird ohnehin viel ferngesehen. Der Fernseher wird dem Buch oder der Zeitschrift vorgezogen. Solch ein Lebensstil wird den Kindern vorgelebt. In solchen Haushalten läuft der Fernseher oft den ganzen Tag, ohne dass kontrolliert wird, was sich die Kinder anschauen.

Kinder dieser Verhältnisse leben oft genug in der Großstadt, in Hochhaus-Siedlungen, an Orten also, die einen gefahrlosen Aufenthalt an der frischen Luft oft unmöglich machen. Der Medienkonsum wird von den Eltern also noch gefördert, damit das Kind in der heimischen Sicherheit bleibt, statt sich in die Gefahr des Lebens "da draußen" zu stürzen. Andere Kinder empfinden die Außenwelt aufgrund negativer Erfahrungen selbst als Gefahr und bleiben lieber in der heimischen Trutzburg. Auch solche Erlebnisse werden von schlechteren Wohngegenden gefördert, genau wie die Gewalttätigkeit, die auch abhängig vom Freundeskreis und Umfeld sind. Medien tragen sicherlich einen Teil dazu bei, der Hauptverursacher sind sie aber mit Sicherheit nicht.

Bildung: Der Schlüssel zum IQ

Andersherum müssen sich Kinder aus gebildeteren Haushalten bei jeder kurzen Playstation-Attacke anhören, sie sollten "doch mal rausgehen", selbst wenn es stürmt und schneit, "oder mal ein Buch in die Hand" nehmen. Und natürlich darin lesen. Ebenfalls nicht zu verachten ist der Faktor der Wahl der Schule: Gymnasiasten, ob klug oder dumm, haben schlicht und ergreifend einen höheren Lernaufwand als Haupt- und Realschüler.

Zudem sind Eltern von Gymnasiasten oft Ehrgeizig, setzen eine niedriger Schulstufe mit einem sozialen Abstieg gleich und foltern selbst den dämlichsten oder faulsten Sprößling mit oft nutzlose Nachhilfe, Klavierunterricht, Ballett- oder Tennisstunden. Dieser Faktor wirkt sich ebenfalls negativ auf den Medienkonsum aus. Kinder gebildeterer Eltern können einfach nicht so viel Fernsehen wie ihre Altersgenossen aus der Hochhaus-Siedlung. Ob dadurch allerdings die Intelligenz beflügelt wird, ist fraglich, vielmehr scheinen Fernsehverhalten und intellektuelle Förderung bereits durch die Lebensverhältnisse der Eltern in die Wiege gelegt.

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Kommentare: Endlich bewiesen: Fernsehen macht dumm (31)

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pixel
29.09.05 13:36

auf der anderen seite kommt im TV auch sehr viel interessantes und wissenswerte. wenn man den zwerg jetzt also nur dokus und wissenssendungen schauen läßt, dürfte er mehr wissen, als seine kameraden, die draußen spielen.

dass TV dumm macht, halte ich für mehr als einseitig. genauso macht lesen nicht schlau - es kommt darauf an, was man liest.

das interessante ist dabei doch:
das, was ich vorher schrieb, hab ich mir mal schnell so ausgedacht und das dürfte auch keiner bestreiten können. die aussage der studie ist aber ein ganz anderer (pauschal TV=doof). was sagt das also über die intelligenz der studierten aus, die die studie erstellt haben? ;-)


Bigpunch
29.09.05 16:15

Ich kann Pixel nur zustimmen, es kommt auf den Inhalt eines Mediums an!
Ich sehe TV, Radio, Internet usw als Werkzeug, als Mittel zum Zweck. Das der Konsum von TV und Internet bis zu einem bestimmten Alter den Kindern schaden kann ist nachvollziehbar (Kleinkinder die es nicht richtig verarbeiten können), aber dann kommt es halt einfach auf den Inhalt an!!!

Zum anderen hab ich mal gehört, dass ein junger Mensch heutzutage ein Vielfaches an Information verarbeiten muss als noch vor einigen Jahrzehnten ... das diese Entwicklung ihre Grenzen hat erscheint mir logisch ... Wir müssen also genau auswählen was wir uns antun ...


hobbyesel
29.09.05 16:48

kann mich auch anschliessen, ich werde doch niemals dumm wenn ich dokumentationen gucke.

daher... kommt auf den inhalt an.


Lady
29.09.05 21:23

Das kann ich nur bestätigen,Gute wissenschaftliche Sendungen ,wie Galileo oder Welt der Wunder sind gute Sendungen,da kann man auch was lernen.Sonst denke ich das manche Serien wie die Tele Tubbies ,schon Fernsehen für arme ist.


immorb
29.09.05 21:53

Zitat:

Das kann ich nur bestätigen,Gute wissenschaftliche Sendungen ,wie Galileo oder Welt der Wunder sind gute Sendungen,da kann man auch was lernen.


Gute wissenschaftliche Sendungen wirst du im Privatfernseh nicht finden.
Solange diese Werbesendungen durch wissenschaftliche Beiträge unterbrochen werden ist es Müll!!
Es gibt nur wenige gute Doku-,wissenschaftliche Sendungen. Einige meiner Favoriten sind zb. NANO,Q21, oder die Sender ZDF-Doku,ZDF-Info.
Was euch erwartet sehe ich schon nächsten Monat :fettesda: BNN-NL spuiten of slikken

in dem Sinne: Ich bin froh das ich mir nicht nur den Metzgergesellen reinziehen brauch.


Tweek
30.09.05 11:16

Kinders: Intelligenz und Bildung sind ja bekanntlich zwei Paar Schuhe, nich? ;-)


pixel
30.09.05 12:19

klugscheisser! wohl zuviel fern gesehen? ;-)


Lady
30.09.05 15:49

Wen meinst Du damit?


Random guy
01.10.05 12:29

hahaha :D


ToSp
04.10.05 02:59

Ich muss auch sagen, dass Fernsehen nicht unbedingt dumm macht.
Es kommt auf den Inhalt der Sendungen an.

z.B. gibt es auch eine Serie, wo es ums Flirten ging

-> Da kann man z.B. ein paar Flirt-Tricks abgucken und sich selber erlernen.
-> Bei "Alpha Centauri" z.B. gehts um die Astronomie (Astrophysik), hier kann man auch so Einiges über den Weltraum lernen.

Was ich aber wirklich zum Lernen empfehle sind: - die Schule, sowie Bücher!

Was wirklich dumm macht sind solche Anime und Gerichtssendungen, sowie solche Sendungen wie "Freunde - Das Leben geht weiter" oder "Abschlussklasse (AK) 200X").... -> Alles nur gestellt! (und vielleicht ncoh sponsored by Pro7) :biglol:

MfG
ToSp


Unregistriert
04.10.05 09:09

Was wirklich dumm macht sind solche Anime und Gerichtssendungen, sowie solche Sendungen wie "Freunde - Das Leben geht weiter" oder "Abschlussklasse (AK) 200X").... -> Alles nur gestellt! (und vielleicht ncoh sponsored by Pro7) :biglol:
[/QUOTE]

Es ist nicht nut vielleicht sponsored by Pro 7, sondern ganz bestimmt. Alles andere ergibt doch auch keinen Sinn. Natürlich ist die ganze Sendung auch gestellt.

Bei den Gerichtssendungen hast du völlig recht. Wer meint, dass diese Geschichten real sind, irrt gewaltig. Ich habe mal einen Drehbuchautor von Richterin Barbara S. kennen gelernt.


ToSp
05.10.05 10:32

Zitat:

Es ist nicht nut vielleicht sponsored by Pro 7, sondern ganz bestimmt. Alles andere ergibt doch auch keinen Sinn. Natürlich ist die ganze Sendung auch gestellt.

Bei den Gerichtssendungen hast du völlig recht. Wer meint, dass diese Geschichten real sind, irrt gewaltig. Ich habe mal einen Drehbuchautor von Richterin Barbara S. kennen gelernt.




Hier hat man sogar ein Beispiel dafür. :chatter:
Man muss nur Connections haben :kiss: :handy: :deal: 8-)


Lady
06.10.05 19:22

Hallo ToSp,findest Du es nicht traurig,wenn Du es TV gucken musst um richtig Flirten zu lernen? Also ich schon.Mit den Gerichtssendungen hast Du völlig Recht


cube
11.10.05 10:39

Das Fernsehen dumm macht, ist leider keine einseitige Sichtweise.
Durch Fernsehen konsumiert man passiv. D.h. man bewegt sich nicht, man braucht keine Phantasie und auch die meisten Denkprozesse werden nicht genutzt, es ist kein Platz für Interpretationen. Zudem sind Kinder mit der Bilderflut schlicht und ergreifend überfordert, da es sich nicht um zusammenhängende fließende Bewegungen handelt sondern um Schnitte.
D.h. grob gesagt, ich kann meinem Kind lieber ein triviales Kinderbuch zum lesen geben (oder vorlesen) anstatt ihm Wissenssendungen vorzusetzen.
Ich möchte Fernsehen nicht verteufeln, aber man sollte sich sehr genau überlegen wieviel man seinem Kind zumutet.


Tweek
11.10.05 11:30

Zitat:

ich kann meinem Kind lieber ein triviales Kinderbuch zum lesen geben (oder vorlesen) anstatt ihm Wissenssendungen vorzusetzen.



Was sowieso die beste Lösung wäre...


Lady
13.10.05 16:48

Stimmt,aber die meisten Eltern haben gar kein Bock ihren Kindern aus Büchern vorzulesen,das erlebe ich öfter.


Tweek
14.10.05 12:29

Zitat:

Eltern haben gar kein Bock ihren Kindern aus Büchern vorzulesen



Das mag daran liegen, dass auch die Eltern bereits zur TV-Generation gehören und entsprechend hohe Neigungen haben, geschriebene Worte zu ignorieren ;-)


baby
20.10.05 08:38

es dibt schon viele sendungen die immer mehr die jugendlichen verblödet aber es gib auch sendungen wie zum beispiel gallileo die wissen bietet


Lady
20.10.05 22:38

Genau diese Art von Fernsehsendungen habe ich gemeint,noch eine gute Sendung ist "Welt der Wunder" oder auch "Clever" auf Sat 1


immorb
20.10.05 23:06

Zitat:

noch eine gute Sendung ist "Welt der Wunder"


:fahrrad: Das meiste was von den Privaten kommt ist "Bullshit"
da gugge ich lieber
Quarks & Co
Kopfball
W wie Wissen
nano
Planet Wissen
Ausserdem hasse ich es wenn Werbesendungen durch dubiose Info-Programme unterbrochen werden,
Das beste Privat-Programm ist eins mit Störungen.

PS. Was ist informativer? 0190-Werbung oder Quiz ala 9Live bei der SAT1/PRO7-Gruppe.
Verbildete aller Privaten vereinigt euch.


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