Der Hot Game Designer
Hobbykoch mit Visionen: American McGee im netzwelt-Interview
American McGee macht nicht nur Spiele. Der "Hot Game Designer" (Rolling Stone) ist darüber hinaus so viel beschäftigt, dass man kaum nach einem Interview zu fragen wagt. Wir haben es trotzdem getan.
netzwelt: Spiele aus Ihrer Feder unterscheiden sich von den typischen "Alien-Monster-Superhelden"-Ballerspielen. Hat das damit zu tun, dass Sie früher für das Leveldesign von Shootern wie "Doom" oder "Quake" verantwortlich waren?
McGee: Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass sich jeder seinem Wesen entsprechend weiterentwickelt. Für mich ist der erzählerische Inhalt in einem Computerspiel eines der wichtigsten Features. Folglich verwende ich sehr viel Energie darauf, dieses Feature ständig zu verbessern oder zu erneuern. id ist hingegen für seine Technologie bekannt, deshalb ist es verständlich, dass die meisten Neuerungen in diese Richtung zielen.
netzwelt: Ihren früheren Arbeitgeber id Software bezeichnen Sie gern als "Boot Camp für Games". Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Drill Sergeant John Carmack?
McGee: Nein.
netzwelt: In Ihrem kommenden Spiel "Bad Day LA" schlägt sich ein Obdachloser in Los Angeles mit Zombies und anderen Katastrophen herum. Wie kommt man auf so eine Idee?
McGee: Die zentrale Idee kreist um das Konzept der Angst. Das moderne Amerika ist ein Land, in dem die Angst regiert, und "Bad Day LA" greift diesen Umstand auf humorige Weise auf. Die Hoffnung ist, dass das Spiel - wie viele andere humoristische politische Beiträge - Menschen über jene Fragen diskutieren lässt, die dadurch entstehen. Neben dem politischen und humoristischen Aspekt ging es mir aber auch darum, ein Game zu kreieren, das sowohl für eine breite Masse an Spielern als auch für Nichtspieler leicht zugänglich ist. Moderne Videospiele vermitteln mir oft den Eindruck, dass sie wenig dafür tun, ihre Kultur für Nichtspieler interessant zu machen.
netzwelt: Als Creative Director von Enlight verbringen Sie viel Zeit in Asien. Hätten Sie die Terrorängste Ihrer Landsleute auch ohne die räumliche Distanz zur Heimat durch den Kakao ziehen können?
McGee: Als ich mit den Arbeiten zu "Bad Day LA" begann, habe ich noch in Los Angeles gelebt. Die Idee für ein solches Spiel wäre mir nie gekommen, wenn ich die ganze Zeit in Asien gelebt hätte. Realität ist eine Frage der Perspektive. Von Hongkong betrachtet wirkt die Welt ganz anders als von Amerika aus. Hier ist der Gedanke an Terroranschläge nicht in den Köpfen der Menschen. Sie sind mehr mit Wirtschaft und Kapitalismus beschäftigt, damit, ihren Rang in der Welt zu verbessern. Dies ist einer der freiesten Märkte weltweit, was nicht zuletzt die Schlagzeilen und die Geisteshaltung reflektieren. Hier warnen Regierungsschilder- und Plakate vor nüchternen Dingen wie auf den Gehsteig spucken oder bei rot über die Ampel zu gehen. In den Vereinigten Staaten warnen Schilder und Plakate häufig vor potentiellen Terroranschlägen und apellieren an die Menschen, auf "verdächtige Aktivitäten" zu achten.
netzwelt: Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass man die US-Truppen unterstützen solle, indem man sie nach Hause holt. Mit einer Weihnachtskarte von George W. Bush rechnen Sie nicht ernsthaft.
McGee: Er [Bush] liefert eine Menge großartiges komödiantisches Material für "Bad Day LA". Ich bin mir sicher, dass es ihn freuen wird, wie viele seiner denkwürdigen Zitate es in ein Videospiel geschafft haben.
netzwelt: Was können Sie uns über "American McGees Oz" sagen?
McGee: "Oz" wird momentan als Spielfilm mit Disney Films und Jerry Bruckheimer Films entwickelt. Ich fungiere als Schreiber, der Prozess ist im Gange. Wir haben ein Buch, einen Spielzeug-Deal und andere Ideen, die noch in Arbeit sind. Viele Aspekte der Projektentwicklung hängen davon ab, ob der Film grünes Licht bekommt. Wenn das passiert ist, wird mehr Bewegung in die Sache kommen.
netzwelt: Ein anderes Projekt namens "American McGees Grimm" nimmt in Bälde Spielzeuggestalt an. Wann kommt das dazugehörige Game? Und wann wird Rotkäppchen in Alices Fußstapfen treten?
McGee: "Grimm" befindet sich in der Vorproduktion. Im Augenblick kann ich nicht mehr zu diesem Thema bzw. zu "Red" sagen.
netzwelt: Sie haben ein Faible für Kinder- und Märchengeschichten. Wie würden Sie Ihren eigenen Kindern erklären, dass "American McGees Alice" - also Ihre Alice - so oft zum Fleischermesser greift?
McGee: Ich bezweifle, dass ich jemals Kinder haben werde. Ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, Videospiele zu machen und Interviewfragen zu beantworten.
netzwelt: Autor, Art Director, Produzent, Game-Designer - sogar eine eigene Produktionsfirma haben Sie: Wie gestalten Sie Ihre spärliche Freizeit?
McGee: Ich koche gern. So verbringe ich meine Freizeit.
netzwelt: Was ist Ihrer Meinung nach das beste Game unserer Zeit?
McGee: Ich habe keine Favoriten.

klingt nach einem witzigen spiel, bin gespannt auf bad day la