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Spaceprice.net: Deutschlands dreistester Online-Ganove
Wie ein 22jähriger seine Opfer in nur acht Wochen um mehr als 250.000 Euro prellte

von Alex Leinhos Uhr veröffentlicht

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Hunderte Opfer und 250.000 Euro Sachschaden. Ein Call-Center, eine englische Limited und ein Schießbuden-Auftritt im Internet. Ein Viersener Dreikäsehoch zeigt, wie man schon in jungen Jahren fremdes Geld in die eigene Tasche pumpt.

Hunderte Opfer und 250.000 Euro Sachschaden. Ein Call-Center, eine englische Limited und ein Schießbuden-Auftritt im Internet. Ein Viersener Dreikäsehoch zeigt, wie man schon in jungen Jahren fremdes Geld in die eigene Tasche pumpt.

"Schaut Euch mal spaceprice.net an - da stinkt's gewaltig!" - so eine anonyme E-Mail letzte Woche an netzwelt. Wir kamen, schauten - und trauten unseren Augen kaum: Ein Sammelsurium an Elektronik-Schnickschnack zum halben Preis. Vom Handy über den Plasmabildschirm bis hin zum Notebook alles dabei. Wohlgemerkt zu unglaublichen Kursen.

Acer: "Unmöglich! So günstig kann die keiner verkaufen."

So unglaublich, dass wir der Sache näher auf den Grund gehen wollten. Mit einer Stichprobe ging's los: spaceprice.net verhökerte unter anderem das Acer-Notebook "Aspire 1692 WLMi". Üblicher Marktpreis bei guenstiger.de: rund 1.200 Euro. Bei Spaceprice.net: 748 Euro - rund 450 Euro billiger. Wir rufen bei Acer an, fragen nach, ob das angehen kann. Antwort dort: "Unmöglich! So günstig kann die keiner verkaufen." - Was nun? Das LKW-Schwerkraft-Kurve-Prinzip oder einfach brilliante Kalkulation?

Wir forschen weiter. Was ist das für eine knallhart kalkulierende Firma, die der Konkurrenz mit Top-Preisen den Wind aus den Segeln nimmt? - Beim ersten Blick ins Impressum sieht alles ganz ordentlich aus: Als Geschäftsführer firmiert ein gewisser Martin H. Man sitzt im schönen Krefeld, am Krützpoort 1. Telefon und Fax sind auch gelistet. Nur die Firmierung der Spaceprice als Ltd. stimmt uns ein wenig nachdenklich.

Spaceprice: Firmensitz in Krefelder Briefkasten

Google macht noch mehr Stirnfalten. Eine kurze Prüfung der Adresse ergibt, dass am Krützpoort 1 gar keine Spaceprice Ltd. eingetragen ist; stattdessen eine "BSC Büro Service-Center GmbH" - ein Büroservice mit Call-Center-Angebot. Stutzig geworden überprüfen wir auch die Space Price-Nummern. Ergebnis: Auch die gehören dem Büro-Center. Der böse Verdacht: Der schöne Spaceprice Deutschland-Sitz ist nur virtuell - und passt in einen Briefkasten.

Erste Kundenbeschwerden - wir haben einen Fall!

Mitten in unsere Recherchen platzen die ersten E-Mails verstörter Spaceprice-Kunden. Sie hatten Handys, Digicams oder Notebooks bestellt, bezahlt und seitdem auf ihre Ware gewartet. Unter der angegebenen Nummer waren sie bislang vertröstet worden. Gründe: Ein Zulieferer sei abgesprungen, man habe Probleme mit dem Lieferservice, die Ware sei raus, das Geld werde zurückgebucht. Was die Kunden nicht wussten: Sie telefonierten die ganze Zeit über mit einem Call-Center, das Spaceprice beauftragt hatte - der Krefelder BSC.

Wir prüfen weiter. Suchen nach den Verantwortlichen für die Internetauftritte. Spaceprice.net und Spaceprice.de sind beide auf Martin H. registriert - mitsamt Krefelder Tarnadresse. Ein Blick ins Archiv offenbart eine weitere Anschrift. Zuvor liefen die Seiten zwar ebenfalls auf Martin H.; jedoch in der Anratherstraße 21 in Willich. Kurzes Googlen: Wer sitzt eigentlich unter dieser Anschrift? - Ergebnis: die Ghost-Office Büroservice GmbH, Bürocenter Nummer zwei!

Inzwischen schlägt die Stimmung der Spaceprice-Kunden um. Was am Anfang bedauerliche Einzelfälle waren, wird im Geizhals-Forum immer mehr zur Welle der Geneppten: An die 20 Leute tauschen sich dort inzwischen aus und wollen die Verzögerungs-Taktik der Krefelder nicht mehr hinnehmen.

"Wo bleibt meine Ware?" - über 250 Anrufe pro Tag

Und auch bei netzwelt kommt man in die Puschen: Zwei Firmensitze, zwei Briefkästen - und am Telefon ein Haufen Auftrags-Telefonisten? - Seltsam. Wer so gute Preise macht, hat doch eigentlich keinen Grund sich zu verstecken. Also: Wer steckt dahinter? Wir rufen bei BSC an, verlangen den Geschäftsführer. Der sieht seine Fälle jetzt so richtig schwinden. Kurz vorher war die Krefelder Kripo schon da, stellte Fragen nach Spaceprice und Consorten. Ja, er hätte von Spaceprice einen Auftrag bekommen. Über Büroservices mit angeschlossenem Callcenter. 250 Anrufe erboster Kunden seien pro Tag am Ende eingegangen. Er habe die Hotline jetzt dicht gemacht - auch aus Angst, von Spaceprice kein Geld mehr zu bekommen.

Der Hintermann: Arne R., 22 - aus Viersen

Wer dahinter stünde? - Vertragspartner sei ein gewisser Arne R. gewesen. Seine Anschrift? - Die Anratherstraße in Willich: aber da sitzt doch das Ghost-Office Call-Center. Wir staunen: Die Briefkasten-Firma aufgemacht mit den Daten einer anderen Briefkastenfirma? - Starkes Stück. Wolle man Arne R. Böses, könnte man jetzt fast vom perfekten Verbrechen sprechen. - Aber eben nur fast - denn jeder Ganove macht einmal Fehler. So auch Arne R…

Wer also steckt hinter der Firma mit den tollen Preisen? - Spaceprice-Geschäftsführer Martin H. ist nicht zu packen. Weder im Netz noch in Deutschlands Telefonbüchern. Ein Check beim Gewerbeamt ergibt: Weder auf seinen Namen noch auf den seines Unternehmens ist in Krefeld ein Gewerbe angemeldet. Und wo wohnt Arne R.? Im Willicher Briefkasten wohl kaum…

Arne, wir wissen wo Dein Auto steht!

Wir müssen woanders weitersuchen. Und landen bei der Spaceprice-Rechtsform. Die Hintermänner haben für ihr Unternehmen die britische Limited gewählt. Schön weit weg - und aus Deutschland schwer zu knacken. Wir surfen zum britischen Handelsregister, beantragen Einsicht. Ein voller Erfolg! - Der Check ergibt: Erst Ende Juli wurde das Unternehmen mit Anschrift in der Great Hampton Street in Birmingham gegründet. Als Direktor eingetragen: Arne R. - ein 22jähriger, wohnhaft im nordrheinwestfälischen Viersen.

Der mutmaßliche Täter: Ein polizeibekannter Pleitier mit Vorgeschichte

Arne R. - der junge Mann ist in Internet-Deutschland kein Unbekannter. Ehemalige Schulfreunde erzählen uns die Geschichte des schnöseligen Anzugträgers, der angeblich schon zu Schulzeiten gerne E-Klasse fuhr - ein Mann mit Hang zu windigen Geschäften. Realschulabschluss, danach Selbständigkeit mit der Firma XTserver. 2003 damit die Bauchlandung. Anzeigen, Schlange stehende Gläubiger, hoher Sachschaden. Allein ein Düsseldorfer Hosting-Unternehmen verbucht 50.000 Euro Schaden dank Arne R. Mittendrin wohl ein trauriges Zwischenspiel bei eBay. Und Anfang 2005 ein Haufen verschnupfter Apple-User, die Mac-Teile zu sagenhaft günstigen Preisen bestellt, bezahlt und vergebens auf Lieferung gewartet hatten. Klingelt’s?

Im Netz bersten die Foren

Einem Gläubiger aus 2003 schuldet der blonde Arne R. noch immer 17.000 Euro. "Den kriegt Ihr nie - das haben schon ganz andere versucht", so der Geprellte in einem Telefonat zu netzwelt. Nicht ganz - denn Mitte dieser Woche überschlagen sich die Ereignisse. Das Geizhals-Forum quillt letztendlich über. Mehr als 100 Spaceprice-Opfer schreiben sich dort inzwischen die Finger wund. Rund 50 von ihnen haben sich inzwischen bei netzwelt gemeldet. Schon zu diesem Zeitpunkt gehen Experten von bis zu 500 Geprellten und über 100.000 Euro Schaden aus.

Die Kripo Viersen ermittelt

Doch die Spaceprice-Opfer - sie schreiben nicht nur. Sie zeigen auch an. Und machen damit der Polizei in Krefeld richtig Dampf. Die reagiert - und nicht zu knapp. Polizeisprecher Wolfgang Lindner dazu: "Gegen den polizeibekannten Arne R. wird wegen des Verdachts des Warenbetruges ermittelt. Wir haben zwei Objekte durchsucht. Seinen Viersener Wohnsitz und luxuriös ausgestattete Büroräume in Willich. Herr R. ist jedoch nach wie vor auf freiem Fuß."

Mehr als 200.000 Euro Schaden - zum Teil verprasst

"Inzwischen sind in diesem Fall mehr als 50 Anzeigen eingegangen, Tendenz stündlich steigend. Der Gesamtschaden beläuft sich nach ersten Einschätzungen der Polizei auf mehr als 200.000 Euro. Rs. Konto ist eingefroren, ein Teil des Geldes sichergestellt. Ab Mitte August verzeichnen wir umfangreiche Barabhebungen vom Konto - daher reicht die sichergestellte Summe nach unseren Erkenntnissen leider kaum aus, alle Geschädigten dieses Falles zu befriedigen."

"Die Polizei rät den Geschädigten, umgehend Anzeige zu erstatten - damit wir ermessen können, wie groß der Fall wirklich ist. Jetzt schon einen Anwalt einzuschalten, würde wenig Sinn machen. Da wir zunächst feststellen müssen, wie viel Geld noch vorhanden ist. Sicher ist: Wir werden alle Vermögenswerte Rs., die wir finden, umgehend sicherstellen."

netzwelt meint:

Hundertausende von Euros in knapp acht Wochen: Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie schnell sich's übers Netz bereichern lässt. Und wie wenig es dafür braucht. Dass es soweit kommen konnte, liegt nicht nur an Arne R. allein. Der Deutschen Bank sowie dem Call-Center in Krefeld lagen bereits Mitte September Warnhinweise von Experten vor. Doch lange folgte keine Reaktion. Auch billiger.de, die spaceprice listeten, hatte wohl nicht genug geprüft. Eben darauf hatten sich viele Kunden verlassen. - Nach Pleitewelle und wirtschaftlicher Bruchlandung probte der Jungspund anscheinend das fast perfekte Verbrechen. Dumm nur, wenn die grüne Truppe schlauer ist als die Polizei erlaubt…

Update: Arne R. - der Nepper vom Niederrhein.

In Düsseldorf hat der 22jährige ein 1-Millionen Euro-Verfahren am Hals.

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Opferdatenbank für spaceprice-Betroffene

Für Opfer von spaceprice.net haben wir jetzt eine Datenbank eingerichtet, in der Sie sich und den Ihnen durch spaceprice entstandenen Schaden eintragen können. Damit hoffen wir, Ihnen und uns ein Bild von der wahren Dimension des Falls zu machen. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Eintragen finden Sie hier.

Kommentare zu diesem Artikel

Hunderte Opfer und 250.000 Euro Sachschaden. Ein Call-Center, eine englische Limited und ein Schießbuden-Auftritt im Internet. Ein Viersener Dreikäsehoch zeigt, wie man schon in jungen Jahren fremdes Geld in die eigene Tasche pumpt.

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  • Lisalili schrieb Uhr
    AW: News - Spaceprice.net: Deutschlands dreistester Online-Ganove

    Seit Anfang Februar 2009 ist Arne R. wieder auf freiem Fuß... weiß jemand mehr darüber?
  • immorb schrieb Uhr
    AW: News - Spaceprice.net: Deutschlands dreistester Online-Ganove

    Wegen den ganzen ABOs hat man diesen Herrn vergessen!! Wenn ich mich nicht irre war Heute der 1.) Verhandlungstag? Herren Mods,Admins,NetSheriff Gibt es etwas zu melden?war jemand anwesend? M.f.G.
  • Claudia schrieb Uhr
    mir reichts....

    Er hat nicht nur Acer "verkauft" auch DigiCams die nur 50 € billiger waren als im Geschäft, warum soll man da nicht zu schlagen, alle die hier sagen die Leute die dort gekauft haben den wünsch ich auch mal so was, ihr könnt es euch vieleicht leisten hunderte von Euros auszugeben, aber es gibt nun mal Leute die nicht die mega Kohle haben und die freuen sich nun mal über Schnäppchen.... Und ich find es einfach mal mega shit von den Leuten die hier sagen wir wären selber Schuld, ihr habt wohl alle noch nie ein Fehler gemacht... tz
  • Claudia schrieb Uhr
    Re: Haben ALLE selbst Schuld!

    Gehts noch? Bist wohl der beste Freund von dem Typen?? Ich habe auch bei dem bestellt, ich rauch keine Hammergute Beratung, den ich hab selbst Plan, und es ist nun mal verlockend wenn man echt viel sparen kann, und als Azubi muss man nun mal sparen wo es geht!!!
  • Tweek schrieb Uhr
    jeder will sparen, daran ist nichts verwerfliches. natürlich macht das auch ein wenig blind, aber letztlich rechtfertigt das keine betrüger. Aber es hilft ihnen enorm weiter. Man sollte sich möglicherweise einfach mal mit er Frage auseinander setzen, ob diese ganze Bestellerei sich überhaupt lohnt. Die Läden mit den guten Preisen sind ja meist Unfug, ich erinner gerne an Connecting Elektronics, ( http://www.netzwelt.de/news/67669.html ) denen ich damals in weiser Voraussicht einen Nachnahme-Versand an die Back geheftet habe. Die Digitalkamera ist immer noch nicht da, aber ich bin auch nicht auf irgendwelchen Kosten hängen geblieben :-) Gruß, Christian
  • timeshare666 schrieb Uhr
    Re: News - Spaceprice.net:...

    ist doch schon lange kein einzelfall mehr,wenn man manche sachen ein wenig besser betrachtet,kann mann sich nur noch wundern wie dumm die menschen sind
  • GreasySpoon schrieb Uhr
    jeder will sparen, daran ist nichts verwerfliches. natürlich macht das auch ein wenig blind, aber letztlich rechtfertigt das keine betrüger.
  • TomTiger schrieb Uhr
    Haben ALLE selbst Schuld!

    Warum wollen alle das SUPERSchnäppchen machen? Ich gehe zu meinem PC Spezialisten hier vor Ort und kriege einen guten Preis (meist billiger als Internetversand) und auch noch eine Hammergute Beratung! Da ist nichts mit "vorkasse" und warten auf Ware. Wer so etwas macht, hat selbst schuld!
  • EGAL schrieb Uhr
    Re: ... ja, und das wird sich...

    Jetzt kommen natürlich von überrall solche klugen Sprüche!Aber die casio-Kamera gab`s für das gleiche Geld wie im Sommer im Angebot in einem Geschäft,aber denoch sind 180,- Euro für einen Schüler ein schweine Geld!
  • CRackZ o. CH!N schrieb Uhr
    Re: News - Spaceprice.net:...

    FU** SpacePrice !!!! Zum glück hab ich da noch nicht mein Geld zusammen gespart um da mein K750i zu Holen ....:-D :-? Ich hab da auch schon voll viele bemerkungen gemacht , da beim K750i und hab da imemr hin geschreiben : Viel zu Billig selbst bei Ebay bekommt man es niocht so billig .. und Finger Weg ... die wurden natürlich gelöscht .. und da schreib dann gleich einer dazu Ich habs schon sogar Zwei ..blablabla Trotzdem gabs da wohl welche die bestellt haben !!!! Ich hab da dann noch extra ein Forum aufgemacht um zu schauen wer es bekommen hat und wer nicht ... und nur einer hat es angeblich bekommen .... Ich glaub mal das war der Admin aus der Fuc* page selbst !!!!! SpacePrice --> HINTER GITTER oder HOHE GEld STRAFE !!!!!

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Hunderte Opfer und 250.000 Euro Sachschaden. Ein Call-Center, eine englische Limited und ein Schießbuden-Auftritt im Internet. Ein Viersener Dreikäsehoch zeigt, wie man schon in jungen Jahren fremdes Geld in die eigene Tasche pumpt.
http://www.netzwelt.de/news/72570-spaceprice-net-deutschlands-dreistester-online-ganove.html
2005-09-29 14:07:00
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