Blick in die Zukunft

Daten-Wahnsinn: Wo soll das noch hinführen?

Wir schreiben das Jahr 5005. Eine Gruppe von Wissenschaftlern macht sich auf die Suche nach den Überresten einer großen Zivilisation in einer der unwirtlichsten Regionen der Welt: Zentraleuropa. Einige Spatenstiche im Permafrost, schon legen die Forscher erste Artefakte frei. Ein großer, grauer Metallkasten kommt zum Vorschein und hunderte von silbernen Scheiben, die im Sonnenlicht bunt schimmern. "Was ist das?", fragt einer der jüngeren Forscher. "Ein Kalender, mein Sohn, ein Kalender..."

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Vom Aussterben bedroht
Datenträger: Vom Aussterben bedroht. Quelle: Wikipedia

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Wie alles begann
  2. 2Höher, schneller, weiter
  3. 3Umkopieren: Der Horror künftiger Generationen
  4. 4Was ist eine 8-Spur-Kassette?
  5. 5Der kurze Weg auf den Müll der Geschichte
  6. 6 Veröffentlichen, sonst droht der Tod

Diese Szene aus der fernen Zukunft könnte tatsächlich eines Tages stattfinden. Wissenschaftler, die die Spuren unserer Zivilisation ausheben und nichts entdecken, außer einer ganzen Menge silberner Kunststoff-Scheiben und grauen Kisten, deren Inhalt einige Elektronikbauteile, Ventilatoren und kleinere Kästchen mit weiteren Scheiben sind. Die Rede ist von CD-ROMs, DVDs, Festplatten, Speicherkarten und ihren Nachfolgern - Datenträger, deren Zukunft mehr als fraglich ist.

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Wie alles begann

Wir schreiben das Jahr 1990. Die ersten Consumer-PCs werden mit Festplatten ausgestattet. Speicherkapazitäten zwischen 10 und 40 Megabyte sind die Regel, der Arbeitsspeicher eines damaligen PCs, beispielsweise des IBM PS1, beträgt rund ein Megabyte - maximal. Schon bald sollen die ersten CD-ROM-Laufwerke die Rechner erobern und unter dem Stichwort "Multimedia" die Performance-Wünsche der Kunden in bisher ungeahnte Höhen treiben. Keine 15 Jahre später haben sich die Speicherkapazitäten mehr als vertausendfacht. Festplatten mit 250 Gigabyte sind fest etabliert, der Arbeitsspeicher der Rechner hat sich mit einem ähnlichen Faktor vervielfacht, zwei Gigabyte sind keine Seltenheit mehr.

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Und der Platz wird dringend gebraucht: Waren 1990 eigentlich nur Office-Dokumente auf einer PC-Festplatte zu finden, ist die Festplatte 2005 eine umfangreiche Daten-Bibliothek. Alles, was sich in irgendeiner Form digitalisieren lässt, wird abgespeichert, meist ohne Gegenstück in der realen Welt. Filme, Digitalfotos, Spiele, Musik, teilweise mit mehreren Gigabyte Dateigröße - da erscheinen die immer noch allgegenwärtigen Office-Dokumente wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit. Und die Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

Höher, schneller, weiter

Interessant ist die Kapazitätssteigerung, denn die Laufwerke werden eher kleiner als größer, obwohl der Speicher ständig wächst. Geräte wie der iPod wären noch Ende der 1990er Jahre undenkbar gewesen, sowohl von der Größe, als auch vom Stromverbrauch. Viel Zeit ist seither nicht vergangen. Und das Wachstum kennt kein Ende. Zwar posaunen alle Jahre wieder besserwisserische Wissenschaftler, dass "die Grenzen des Wachstums bald erreicht" seien, zumindest was Speicherdichten angeht. Doch die Computer-Industrie sattelt dann einfach auf andere Materialien um oder verbessert die technischen Grundlagen, schon geht es weiter, oft mit enormen Leistungssteigerungen.


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