Gut gemeint, schlecht gemacht: Jajah, die Skype-Konkurrenz
Andere Software hilft auch nicht
Problemlos funktioniert allerdings das Telefonieren mit Skype-Nutzern. Sowohl ausgehende als auch ankommende Gespräche übernimmt Jajah. Hier ist auch die Sprachqualität in Ordnung, allerdings ist es auch keine Kunst, über die Schnittstelle an Skype anzudocken. Leider beherrscht Jajah auch nur die Gesprächsfunktion von Skype. Außerdem blockiert Jajah Skype völlig; es lässt sich nicht mehr bedienen. Dazu muss Jajah erst beendet werden.
Jajah wirbt damit, dass sich auch SIP-Nummern kostenlos anrufen lassen. Dazu müsse man nur die SIP-Adresse eingeben. Doch auch das funktioniert im Test nicht: Jajah zeigt zwar eine ausgehende Verbindung an, ein Gespräch kommt aber nicht zustande. Dies passierte sowohl an einer 1&1- als auch an einer Sipgate-SIP-Adresse.
Auch mit einem Softphone war der Jajah-Account nicht ans laufen zu bekommen. Zunächst galt es, den SIP-Server von Jajah ausfindig zu machen. Die Adresse sip.jajah.com fand sich irgendwo versteckt zwischen den FAQ. Doch auch mit einem Softphone war nichts zu machen - es gab nicht einmal ein Freizeichen.
Einige Tage später funktionieren vereinzelte Anrufe auf Telefonnummern und SIP-Adressen. Dabei ist die Sprachqualität in Ordnung, besonders am Anfang der Gespräche kommt es häufiger zu Unterbrechungen. Warum Gespräche manchmal zustande kommen und manchmal nicht, erschließt sich aber nicht. Die Situationen waren nicht reproduzierbar.
Zwar befindet sich Jajah noch in der Beta-Phase, das rechtfertigt jedoch nicht, dass es so schlecht funktioniert. Skype-Funktionen beherrscht das Skype selbst am besten, und umsonst telefonieren kann man mit Skype auch besser. Alle anderen Funktionen von Jajah außer SMS und internen Gesprächen funktionieren nur schlecht - glatt durchgefallen.
Jajah selbst sieht das freilich anders: "250.000 begeisterte User und eine positive Mundpropaganda" hält Roman Scharf von Jajah gegen die Kritik. Den langsamen Download erklärt er mit der starken Nachfrage an Jajah: "Wir müssen die Kapazitäten erweitern". Den Konflikt mit BOINC findet Scharf nicht so schlimm: Es gebe nur zwei weitere Fälle von Software-Konflikten, was im Vergleich zu anderen Anwendungen absolut OK sei und "kein Anlass, uns dahingehend Kopfzerbrechen zu bereiten". Zu den weiteren Problemen äußerte er sich nicht. Die Beta-Phase soll jedoch im Oktober beendet sein.
Bloß nicht benutzen!
Fazit: Von einer Installation der Beta-Version von Jajah können wir nur abraten. Jajah verspricht alles und kann fast nichts halten - hier ist der Frust vorprogrammiert. Jajah verspricht ein Testguthaben, das es nicht gibt, und selbst nach einer Aufladung mit fünf Euro kann man nicht direkt telefonieren. Dafür gibt es keine Entschuldigung, ein Dienst, der so schlecht funktioniert, hat nichts auf dem Markt verloren und sollte bestenfalls als Alpha-Version einem geschlossenen Test unterzogen werden. Dass Jajah dazu noch seine Vorzüge anpreist, macht keinen guten Eindruck. Im Oktober soll die Finalversion erscheinen - bis dahin sollte Jajah die gröbsten Schnitzer ausgemerzt haben. Von der aktuellen Beta-Version ist nur abzuraten.
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