Interview: Jetzt redet der Firstload-Chef
Alte Bekante: Firstload und Persolvo Inkasso
netzwelt: Und warum wurde dann trotzdem bei den Kunden abgebucht?
Valentin F.: Weil wir mit den Mails nicht mehr nachkamen. Die Datenbank bei uns läuft vollautomatisch. Das heißt, wenn der Kunde binnen 14 Tagen nicht als gekündigt markiert ist, wird der Vertrag automatisch verlängert. Kündigte der Kunde am 10. Tag, war das in den meisten Fällen bei uns eigentlich schon zu spät. Um da aufzuräumen haben wir das Ticketsystem eingeführt, damit wir auch im Nachhinein nachvollziehen können, was passiert ist und damit kein Fall verloren geht.
netzwelt: Hätten Sie nicht gleich von Vornherein diese automatische Abbuchung stoppen sollen als Sie gesehen haben, dass Sie der Sache nicht mehr Herr werden?
Valentin F.: Das ist ein Punkt, den man mir natürlich vorwerfen kann. Das hätte man sicherlich besser machen können. Da gibts, glaube ich, nichts schönzureden.
netzwelt: Ihnen ist klar, dass Sie damit die Probleme Ihrer Firma zu den Problemen der Kunden gemacht haben?
Valentin F.: Das ist, worauf ich hier eigentlich hinaus will.
netzwelt: Stichwort Abbuchung: Wer Ihre Abbuchung storniert, was passiert mit dem?
Valentin F.: Der bekommt automatisch eine Mahnung. Wenn er dann binnen zwei Wochen nicht zahlt, geht die Sache zum Inkassobüro. Der Kunde wird von dort dann die weiteren Briefe erhalten.
netzwelt: Arbeiten Sie im Inkasso-Bereich mit einem gewissen Rechtsanwalt Matthias B. zusammen?
Valentin F.: Ja, Herr B., genau.
netzwelt: War dieser Matthias B. nicht Chef von Persolvo Inkasso?
Valentin F.: Richtig.
netzwelt: Die vor einigen Jahren noch bei der Dialer- und Rechnungs-Abzocke der Skandinavien-Connection kräftig mitgemischt haben?
Valentin F.: Davon weiß ich nichts genaues, habe nur Gerüchte gehört, da wir auch erst seit anderthalb Jahren mit Persolvo zusammen arbeiten. Ich weiß nur, dass Persolvo einige Mitbewerber von uns betreut hat - das war der Grund, warum wir zu Persolvo gingen. Herr B. hat uns in Wien auch mehrfach besucht. Und ich kann nur sagen, dass die Zusammenarbeit mit Persolvo immer sehr seriös war.
netzwelt: Warum melden sich jetzt immer mehr Personen, die behaupten, firstload.de nie besucht zu haben und plötzlich ein Firstload-Inkasso-Schreiben von Herrn B. im Kasten haben.
Valentin F.: Unser 14-Tage-Testzugang wird ohne weitere Überprüfungsmaßnahmen frei geschaltet. Zum Teil geben betrügerische Kunden die Daten Dritter an. Unsere Zugangscodes gehen dann an die E-Mail-Adresse des Betrügers. Lässt der Kunde, dessen Daten missbraucht wurden, das Geld zurückbuchen, setzt das unser Mahn- und Inkassoverfahren in Gang. Und er erhält eine Mahnung, ohne unseren Service je beantragt zu haben. Ich weiß nicht, wie viele das sind, aber es sind schon einige bedingt durch die Masse unserer Bestellungen.
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