Umtriebiger Österreicher neppt Filesharer
Firstload.de: Die Abo-Masche aus dem Alpenland
Filesharing
Valentin F. und die Spur der Betroffenen
Schenkt man den Foren Glauben, zieht F. in der Tat eine Spur der Betroffenen durchs Internet. Auf gameorado.de und wunschspiel.de schob er Unvorsichtigen mit listigen AGBs ähnliche Abo-Verträge unter wie auf firstload.de. Und auf tvshow.de bot er Kunden einen begehrten Studioplatz bei Game- und Talk-Shows an. Unter anderem auch bei "Pfarrer Fliege" in der ARD. Bis herauskam, dass mit dem Geistlichen gar keine entsprechenden Gast-Verträge bestanden - und dieser F. im Fernsehen öffentlich brandmarkte.
Ein Mann, fünf "Projekte" - und bei jedem ein Aufschrei im Netz. Valentin F. tut gewiss einiges, um den Nutzern das Internet gehörig zu vermiesen. Doch dem Autor des Buches "Geldmaschine Internet", der darin paradoxerweise selbst vor "Gaunereien" warnt, droht Ungemach. Netzwelt fragte bei der Staatsanwaltschaft Wien nach. Sprecher Ernst Kloiber dazu: "Wir ermitteln gegen F. wegen gewerbsmäßigen Betruges. Der Mann steht in Verdacht, Kunden vorgespiegelt zu haben, er könne Gratiswarensendungen von Firmen für sie erwirken. Derzeit vernehmen wir zahlreiche Zeugen, eine Hausdurchsuchung haben wir ebenfalls durchgeführt."
Staatsanwaltschaft Wien: Ermittlungen wegen Betruges
Die Anzeigen Betroffener bei der Staatsanwaltschaft Wien reißen nicht ab. Zurzeit sucht die Behörde noch nach weiteren Betroffenen der Proben-Masche. Diese sollen ihre Anzeige umgehend an die Staatsanwaltschaft Wien schicken. Adresse: Landesgerichtsstraße 11, 1082 Wien, Österreich. Aktenzeichen: 46Ft38/05Z.
IFPI schießt sich auf Firstload ein
Aber auch eine andere Institution hat den jungen F. inzwischen ins Visier genommen. Netzwelt fragte bei den Urheberschutz-Wächtern der IFPI nach der Legalität von Fs. neustem Projekt Firstload.de. IFPI-Sprecher Dr. Hartmut Spiesecke dazu: "Das Angebot ist in Deutschland illegal. Daher geht die IFPI zurzeit gegen Firstload.de und ähnliche Anbieter vor. Dass dabei jemand arm werden oder möglicherweise gewisse Zeit im Gefängnis verbringen kann, ist durchaus vorstellbar!"
Widerrufs-Lücke: Der Rechtsweg aus der Abo-Falle
Unser Rechtsexperte
Dr. Alexander Schneehain ist unser Rechtsexperte rund um das Thema ebay und Verbraucherschutz. Der promovierte Jurist ist Dozent auf den von ebay durchgeführten "ebay Workshops" und "ebay Universities". Bundesweit schult er so u.a. Powerseller und Existenzgründer.
Suchen Sie einen kompetenten Anwalt zum Thema Verbraucherschutz im Internet? Mehr Informationen zu Dr. Schneehain und Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter www.schneehain.de.
Die neusten Schwierigkeiten für F. mögen vielen Betroffenen Genugtuung sein. Von der Forderungslast befreit es sie nicht. Einen Weg aus der Abo-Falle weiß Rechtsanwalt Alexander Schneehain. Der findige Jurist hat in Fs. ausgetüftelten AGB-Dschungel eine verheerende Lücke entdeckt. Schneehain hierzu: "Probenexpress.de und Firstload.de weisen zwar in ihren Homepage-AGBs auf ein Widerrufsrecht hin. Dieser Hinweis muss jedoch nach deutschen Recht bei Geschäften zwischen einem Unternehmer und einem Verbraucher nicht nur auf der Internetseite, sondern in Textform, zum Beispiel einer E-Mail an die Kunden erfolgen. Dies geschah in unseren Tests nicht. Somit hat der Kunde grundsätzlich ein unbefristetes Widerrufsrecht. Sprich: Er kann den Vertrag jederzeit widerrufen und muss nicht zahlen. Dies gilt jedoch uneingeschränkt nur, wenn er nach dem Testabo den Dienst nicht mehr in Anspruch nahm."
Valentin F.: Zur Stellungnahme nicht bereit
Gerne hätte netzwelt Herrn F. zu den zahlreichen Kunden-Vorwürfen gehört. Doch wie so viele Betroffene hingen auch wir ohne Erfolg in der telefonischen Endloswarteschleife - auf unsere E-Mails erfolgte keine Reaktion. Hoffnungen auf eine Kontaktaufnahme machen wir uns nicht. Denn wie es scheint, wird Herr F. in Zukunft sehr viel um die Ohren haben...
Update! Interview: Jetzt redet der Firstload-Chef
"Ich möchte mich entschuldigen!" - Firstload-Chef Valentin F. über massive Fehler bei seinen Projekten. Über Drohungen, Geld, Moral und ein Versprechen. Letztendlich haben wir ihn doch noch erreicht. Er hat unsere Fragen am Telefon beantwortet. Wie, das lesen Sie hier...
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