GTA San Andreas mit FSK-Beschränkung
Nachgefragt: Wie die USK über Sex-Pixel denkt
Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Anders muss es sich bei heißen Getränken verhalten, jedenfalls war der Wirbel um den Sex-Mod "Hot Coffee" unvermutet groß. Aus dem Sturm im Kaffeebecher entwickelte sich ein Orkan, der sogar US-Politiker aufbrachte und eine Korrektur der Altersfreigabe für "GTA San Andreas" zur Folge hatte.
Inhaltsverzeichnis
- 1Lendenlahmes Kamasutra
- 2Sexszenen als Folgen eines Rechtsbruchs
- 3Sims auf der Anklagebank
In Amerika darf das Actionspiel, das im Juni die Xbox-Charts dominierte, nur noch an Erwachsene verkauft werden. Gift für den weiteren Absatz eines Spiels, das einstweilen bestenfalls unter der Ladentheke gehandelt werden wird.
Lendenlahmes Kamasutra
Hier zu Lande prüft die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) Video- und Computerspiele vor deren Markteinführung. Von Dr. Klaus-Peter Gerstenberger, dem Leiter der USK, wollten wir wissen, wie der deutsche Pedant zum US-Kontrollgremium ESRB über "Hot Coffee" denkt.
"Wir reden über GTA San Andreas, weil Hillary Clinton darüber redet, die ich sehr schätze. Deshalb frage ich auch noch aufmerksamer, was genau das Problem ist. Die Bildchen auf dem Niveau eines lendenlahmen Kamasutra des 21. Jahrhunderts können es nicht sein. Zumindest nicht für Menschen 16+, für die dieser Titel in Deutschland die Freigabe hat."
Nach Ansicht des USK-Chefs verfolgt die Senatorin ein höheres Ziel. Bei Verstoß gegen die altersgerechte Abgabe im Laden sehe der deutsche Gesetzgeber Ordnungsgelder bis 50.000 Euro vor, so Gerstenberger gegenüber netzwelt. "Das ist das schärfste Schwert einer Abgaberegelung weltweit. Vergleichbares gibt es nicht in Amerika. Frau Clinton fordert eine solche Sanktion jetzt."
Sexszenen als Folgen eines Rechtsbruchs
Die Sex-Pixel in "GTA San Andreas" beleuchtet der Soziologe auch von der urheberrechtlichen Seite: Da sie zum Zeitpunkt der Prüfung weder über ein Optionsmenü zugänglich waren noch erspielt werden konnten, stellt sich für ihn die Frage, was der Publisher, der solcherlei Entwürfe verworfen und im Programm verschlüsselt hat, seinem Publikum anbieten wollte: "Die Antwort ist simpel: Nur, was er über das Optionsmenü erspielbar gemacht hat. Weitere Inhalte können nur bei Verletzung des Copyrights - also durch Rechtsbruch - erschlossen werden."
Schließlich bedient sich der Mann, der seit 1998 über die Alterskennzeichnung für Softwarespiele in Deutschland wacht, einer bildhaften Sprache: "Sie können natürlich auch einen Schuhladen durch das Fenster des Lagers betreten, dort eine Ausgabe des Kamasutra finden und sich dann beschweren, dass derlei zusammen mit Kinderschuhen angeboten wird."
Sims auf der Anklagebank
Unterdessen gerät in Amerika ein weiteres Computerspiel ins Visier der Moralpolizei. Ausgerechnet in "Die Sims 2" sieht der in Miami ansässige Anwalt Jack Thompson, der schon "Hot Coffee" skandalisiert hatte, eine Spielwiese für Pädophile. Grund: Bestimmte und von Electronic Arts verschleierte Körperregionen, auch die jüngerer Sims, lassen sich mittels Patch beseitigen. Was dem Rechtsgelehrten entgangen sein muss: Nicht einmal unverschleiert böten die Sims brauchbares Anschauungsmaterial für den Sexualkundeunterricht.
