20 Jahre Amiga: Remember the Time?
Rätselhafter Joystick-Tod
Das allerdings zählt alles nicht zu meinem privaten Amiga-Horizont. Der Knabe hatte wie alle Jungs in dem Alter nur Spielen im Kopf und dank der einfachen Bedienung des Amigas musste man sich für diesen Zweck auch nicht tiefer mit der Materie befassen. Man sprang mit den Giana Sisters durch Marios Welten, metzelte Pixelmännchen im Spiel "Wings of Fury" oder lachte sich scheckig, wenn Guybrush mal wieder ein dreiköpfiger Affe begegnete. Die Spielewelten waren pixelig, doch das machte ihren besonderen Charme aus. Damals brauchte man nicht mehr, der Amiga bot genug.
Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie viele Joysticks in der Amiga-Zeit dran glauben mussten, auch dank Spielen wie "Summer Games". Erst klemmten die Feuerknöpfe, dann klemmte die Richtungsanzeige. Das Schöne war, dass Joysticks zwar mehrere Tasten hatten, aber es nur einen Feuerknopf gab. Außerdem passten Mega-Drive-Joypads an den Amiga, was besonders gut programmierten Jump & Runs wie Chuck Rock oder BC-Kid einen besonderes Konsolen-Feeling verpasste. Übrigens liefen die Joysticks ohne jeden Treiber, beim PC bis heute undenkbar.
Allerdings zeichnete sich bereits die Speicher-Eskalation ab: Manche Spiele verweigerten mit 512 Kilobyte RAM schlicht und ergreifend den Dienst. Eine Speichererweiterung musste heran, weitere 512 KB für rund 60 Mark, umgerechnet 30 Euro, nach heutigem Kaufwert aber bestimmt 40 Euro. Soviel kosten heute 512 Megabyte RAM, das ist das Tausendfache. Der Speicherriegel ließ sich mit einem Kippschalter an- und ausschalten. Der Grund war schnell geklärt: Manche Spiele weigerten sich nämlich vehement, mit so viel Speicher zu arbeiten. Stattdessen verabschiedeten sie sich in Richtung Guru Meditation oder verweigerten den Start.
Action Replay: Cheaten in der Kommandozeile
Dann kam das Action Replay-Modul dazu, das es erlaubte, Spiele selbstständig zu cheaten, sprich: Leben, Zeiten und allerlei andere spielrelevante Zähler zu beeinflussen. Ich habe die Funktionsweise nie kapiert, obwohl das Handbuch doch recht eindeutig war. Spielen, sterben, Knopf drücken, Spielen, zweimal sterben, Knopf drücken. Irgendwann wusste das Modul dann, an welchem Wert die Leben hingen und man konnte diesen Wert im Arbeitsspeicher verändern.
Als GUI-verwöhnter Amiga-Nutzer war ich natürlich nie in die Verlegenheit gekommen, mit einer Kommandozeile zu arbeiten - woher sollte ich also wissen, dass "*.*" ein Platzhalter für eine Datei in einem Befehl ist? Das Action-Replay-Modul war in dieser Hinsicht ein Reinfall. Das mit den Platzhaltern lernte ich erst später unter DOS. Da war der Amiga aber schon im Begriff, im Kinderzimmer meines 5 Jahre jüngeren Cousins zu Tode gequält zu werden.
Weg vom Amiga
Der Grund, der mich Anfang 1994 auf den PC umsteigen ließ, war ein völlig anderer, als der, der mich später vom PC zum Mac gebracht hat. Ich wusste damals, dass ich mit dem PC die schlechtere Lösung wählen würde, doch mich faszinierten die zahlreichen Bastelmöglichkeiten und die inzwischen wesentlich höhere Geschwindigkeit. Als Lucasarts dann ankündigte, dass Day of the Tentacle niemals für Amiga erscheinen würde, war der Entschluss gefasst. In der Rückschau vielleicht keine so gute Idee, zumal nicht logische Entscheidungen, sondern die Spiele schuld waren. Dabei war der Amiga zum Arbeiten das wesentlich zuverlässigere System.
Links zum Thema
- Ports of Call
- Filesharing unplugged
- Deluxe Paint
- POV-RAY
- Kompletter C64 lebt im Joystick weiter
- WinUAE: Den Amiga zum Leben erweckt
