20 Jahre Amiga: Ein Nachruf

20 Jahre Amiga: Ein Nachruf

Lötnähte überall

Die klassische Hardware war bereits zusehends am verwesen und wurde nur noch von Lötnähten zusammengehalten, als er dann tatsächlich 2003 erschien, der Amiga One. Der Amiga One war kein kompletter Computer, sondern ein Mainboard mit Prozessor, entwickelt von der britischen Firma Eyetech. Statt eines Intel-Chips oder Motorola-Chips steckte eben ein PowerPC-Prozessor im Sockel, der aktuell mit Taktraten von bis zu 1,1 Gigahertz verbaut wird. Erfolgreich ist er nur bei Freaks.

Inzwischen hatte sich das Amiga-Erbe ordentlich verstreut. Auch die Betriebssystem-Umgebung, Ende der 1980er Jahre ein unglaublich fortschrittliches Betriebssystem mit 32 Bit und Multitasking-Fähigkeiten und grafischer Benutzeroberfläche, war inzwischen gespalten. So gab es zwei Ansätze zur Fortentwicklung: Ziel von Amiga Inc. war die Fortentwicklung von Amiga OS im klassischen Sinne, also auf Basis des Motorola-Prozessors oder des Power-PCs.

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Auf zu neuen Ufern

Der andere Ansatz war die Weiterentwicklung auf Basis aktueller Hardware, zum Beispiel Intel-Plattformen. Dazu zählt sowohl das Open-Source-Projekt AROS, das Amiga Research Operating System, als auch das inzwischen ebenfalls kaum noch beachtete MorphOS. Im Grunde geht es darum, ein zum letzten "offiziellen" AmigaOS 3.1 kompatibles Open-Source-Betriebssystem zu schaffen. Allerdings sind die Lager der Entwickler zerstritten und man kommt nur schwer voran.

Amiga 4000
Glücklos: Amiga 4000 (Quelle: Computer Commodore Online Museum)

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2005. Noch immer gibt es Idealisten, die sich weiterhin hinter ihre zehn Jahre alten Maschinen klemmen, um den Amiga künstlich am Leben zu erhalten. Der Kultstatus ist weiterhin vorhanden, allerdings zeigt ein Blick auf die News-Websites, dass sich die Entwicklergemeinde an Strohhalme klammert. Der Amiga wird, auch dank inzwischen extrem uneinheitlicher Technik wohl kaum noch einmal das Licht der breiten Masse erblicken.

Schluss, aus, vorbei

Nichtsdestotrotz gibt es weiterhin sogar Fachmagazine im Print-Format, auch wenn diese ebenfalls langsam aussterben. Der Amiga hat sich vom Kumpel im Kinderzimmer zu Frankensteins Monster entwickelt, zum Leben erweckte Leichenteile, die irgendwie funktionieren, letztendlich aber nichts anderes wollen als in Ruhe gelassen und nicht zerrupft zu werden. Und selbst die letzten hartgesottenen Fans greifen inzwischen lieber zum PC respektive Mac mit Emulator, als sich den Widrigkeiten der gefledderten AmigaOS-Derivate zu ergeben.

Ach ja: Am 23. Juli 2005 wäre der Amiga 20 Jahre geworden. Am 23. Juli 1985 wurde er der Weltöffentlichkeit präsentiert. 20 Jahre sind eine lange Zeit im Computer-Business. Zeit, in Würde abzutreten.