20 Jahre Amiga: Ein Nachruf

Untote auf Reisen

Der Amiga hätte eigentlich tot sein müssen, den Heldentot gestorben, zumal die letzten Amiga-Modelle wie der Amiga 1200 und Amiga 4000 zwar wirklich gute Systeme waren, deren großer Nachteil aber ihr hoher Preis war. An dieser Tatsache hatte auch der Mac zu knapsen und so kam es, dass Apple haarscharf am Konkurs vorbeischlitterte, wohingegen die PC-Inflation Commodore in den Ruin trieb.

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Nun allerdings geschah das Unfassbare: Statt den Amiga ruhen und in den Olymp der besten Rechner aller Zeiten aufsteigen zu lassen, wurde er am Leben erhalten. Sein Ruf war gut und die Hoffnung, das System wieder neben dem PC platzieren zu können, war latent. Mit dem Erfolg, dass sich immer neue Firmen an lebensverlängernden Maßnahmen versuchten, zum Teil bis zum finanziellen Ruin.

Der Amiga-Fluch

So wechselte Commodore nach der Pleite den Besitzer, die Rechte gingen an den damaligen Vobis-Konkurrenten ESCOM, der kurz darauf pleite ging: Man hatte angekündigt, den Amiga und den C64 neu aufzulegen, was mit Amiga 4000 und 1200 auch gelang. Inwieweit die Pleite mit dem Amiga-Kauf zusammenhing, ist fraglich, allerdings zeichnete sich schnell eine Art Amiga-Fluch ab. Der besagt, dass alle, die sich an der Belebung des Amiga versuchen, zum Scheitern verurteilt sind. Nett ausgedrückt.

Amiga 1200
Erfolgloses Zugpferd: Der Amiga 1200 (Quelle: Computer Commodore Online Museum)

Gateway kaufte die Amiga-Rechte, statt unter dem Firmennamen Commodore wurden die Rechner nun von der Tochtergesellschaft Amiga International vertrieben, mit wenig Erfolg. So kündigte Amiga International diverse Rechner an, die den Amiga zum Leben erwecken sollten, darunter zum Teil progressive Prototypen mit PowerPC-Architektur, wie sie in Macintosh-Rechnern Verwendung findet, auch von einem Amiga 5000 und 6000 war die Rede und sogar von Amiga-Steckkarten für den PC war die Rede. Nichts davon wurde Realität, derweil veraltete das Betriebssystem Amiga OS 3.1 von 1994 zusehend.

Aufstieg zum Idealisten-System

Zwar kam 1999 nach viel hin- und her endlich Version 3.5 auf den Markt, die allerdings konnte weder sonderlich überzeugen, noch verkaufte sie sich wegen der inzwischen doch recht dünnen Basis treuer Nutzer besonders gut. Spätestens, mit gutem Willen, war zum Jahrtausendwechsel endgültig Schluss mit dem Amiga. Oder es hätte Schluss sein müssen.

Doch der Amiga wäre nicht der Amiga, wenn er nicht weiterhin Idealisten angezogen hätte. Die Totenglocken wollten einfach nicht läuten und taten es bis heute nicht. Als 1999 die Amiga-Ära endgültig zu Ende ging, zog Amiga International, inzwischen verkauft und umbenannt in Amiga Incorporation, weiterhin halbe Asse aus dem Ärmel. Es war die Rede von Amiga OS auf Linux-Basis und der Veröffentlichung des Betriebssystems als Open Source.