Der Amiga im Wandel der Zeiten

20 Jahre Amiga: Ein Nachruf

Totgesagte leben länger. Oder sollte man sagen: Tote sollte man Ruhen lassen? Weder noch, wenn es um den Amiga geht. Der existiert nämlich seit inzwischen rund zehn Jahren in einer Zwischenwelt. Nicht wirklich lebendig, nicht wirklich tot, wird er von seinen Fans unter extremen Einsatz von Zeit und Geld künstlich beatmet und am Leben erhalten. Sterbehilfe steht nicht zur Debatte.

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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Erfolgsmodell binnen kürzester Zeit
  2. 2Spieler wechselten zu Windows
  3. 3Untote auf Reisen
  4. 4Der Amiga-Fluch
  5. 5Aufstieg zum Idealisten-System

Es waren die 1980er Jahre, Mofas und Jeansjacken machten Teenager überall in der Republik glücklich. Die Frisuren waren ähnlich schlimm wie heute, nur ohne Stinktier-Streifen und die Musik war auch noch erträglich. In diese Zeit wurde der Amiga geboren. Ursprünglich als Konsole konzipiert, zog der Hersteller Commodore im letzten Moment die Notbremse und stieß in den boomenden Heimcomputer-Markt vor.

Amiga 1000
Urahn: Der Amiga 1000 (Quelle: Computer Commodore Online Museum)

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Erfolgsmodell binnen kürzester Zeit

Der Amiga war ein Erfolgsmodell. Binnen kürzester Zeit schwang er sich auf den Olymp der Computer hinauf, ein Erfolg ohne Frage, was sicherlich auch der seinerzeit überragenden Rechenleistung und dem niedrigen Preis zu verdanken war und der Tatsache, dass der Rechner für damalige Verhältnisse mit rund 1000 Mark, also rund 500 Euro, sehr günstig war.

Doch vor allem das technische Design machte den Amiga zu einem Gewinner: Als Zwitterwesen aus PC und Konsole nutzte er Bestandteile beider Welten. Vom PC schaute er sich die Benutzung eines Betriebssystems, Maus und Tastatur ab, von der Konsole gab es das Kick-Rom spendiert, das die Ausführung von Spielen ohne Betriebssystem erlaubte. Die Tatsache, dass der Amiga für jede Funktion, ob Grafik oder Sound, über souveräne Chipsätze verfügte, machte ihn für die heute jämmerlich erscheindende Taktrate von 7 Megahertz unglaublich schnell. Eine Tatsache, die dafür sorgt, dass erst aktuelle PCs einen Amiga fehlerfrei emulieren können.

Amiga 500
Kultrechner: Der Amiga 500 (Quelle: Computer Commodore Online Museum)

Spieler wechselten zu Windows

Die große Geschichte des Amigas kippte in dem Moment, in dem seine überragenden Multimedia-Fähigkeiten nichts besonderes mehr waren. Als die PC-Welt dank billiger Hardware, Festplatten und Soundkarten begann, den Amiga zu überholen, war der kleine Rechner schnell aus dem Geschäft gekickt. Ehemalige Amiga-Nutzer erinnern sich, dass man wegen Spielen wie TIE-Fighter oder Day of the Tentacle, die nicht mehr für den Amiga veröffentlicht wurden, auf den PC umstieg.

Windows 95 gab dem Amiga Ende 1994 dann endgültig den Todesstoß. Das, was den Amiga und den Mac bis dato vom PC unterschied, war die einfache Benutzbarkeit dank eines graphischen Betriebssystems. Microsoft konnte erst durch Windows 95 mit so etwas aufwarten, vorher war DOS die einzig populäre Alternative auf PC-Plattformen, Windows vor Version 95 war ja ohnehin kein echtes Betriebssystem, sondern ein Aufsatz für DOS.

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