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23.07.2005
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Andere Länder, andere Unsitten

Kolumne: Jugendschutz und Computerspiele

Gamer-Kolumne

Um das berühmte Fass zum Überlaufen zu bringen, reicht manchmal schon ein Schlückchen Kaffee - das Gebräu muss nur heiß genug sein.
Nach dem Zirkus um den Porno-Mod "Hot Coffee" ziehen amerikanische Jugendschützer Konsequenzen und "Grand Theft Auto: San Andreas" aus dem Verkehr. Denn nichts anderes bedeutet die neue Einstufung "Adults Only", die viele amerikanische Händler dazu veranlassen wird, den Titel von Rockstar Games aus den Regalen zu fegen.

So nachvollziehbar das Bestreben ist, ein Spiel wie "GTA: San Andreas" von Minderjährigen fernzuhalten, so absurd erscheint es, wenn dies ausgerechnet in den USA geschieht. Im Land der grenzenlosen Unmöglichkeiten sind Computerspiele wie "Soldier of Fortune" (blutig), "Kingpin" (brutal) oder "Postal 2" (pervers) ab 17 Jahren freigegeben. Nach deutschen Wertmaßstäben unvorstellbar, für den amerikanischen USK-Pedant Entertainment Software Rating Board (ESRB) ein Leichtes.

No Nudity

Vergleicht man die ESRB-Kennzeichnung eines "Postal"-Games mit der von "GTA: San Andreas", wird klar, wo der Sittenschuh drückt: "Blood and Gore, Intense Violence, Mature Humor, Sexual Themes, Strong Language, Use of Drugs and Alcohol" heißt es etwa bei "Postal 2: Apocalypse Weekend"; kein großer Unterschied zu dem, was zu "GTA: San Andreas" geschrieben steht: "Blood and Gore, Intense Violence, (aber) Nudity, Strong Language, (aber) Strong Sexual Content, Use of Drugs". Nicht Gewalt ist das Problem, sondern Nacktheit.

In Deutschland dürfen virtuelle Körper ruhig nackt sein, wichtig ist, sie bleiben am Stück. Auch Körpersäfte fließen ungehemmt, so lange deren Farbe nicht allzu rot ist. In "Lula 3D" sind bereits 16-Jährige dabei, wenn die Blondine zwischen poppenden Pärchen Pornos vom Boden aufliest, die da heißen: "Gib mir deinen Saft".

Kein Krieg am PC, eher im Irak

Dafür hört das Verständnis insbesondere von deutschen Unionspolitikern auf, wenn es um "Killerspiele" geht, "bei denen in menschenverachtender Weise Tötungen oder Verletzungen an Mitspielern real oder digital simuliert werden". Deutsche Soldaten an der Seite Amerikas in einen realen und überdies sinnlosen Krieg zu schicken, das konnten sich konservative Volksvertreter indes gut vorstellen. Als Kanzlerin hätte Angela Merkel dazu Gelegenheit.


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