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15.07.2005
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Was Videoüberwachung kann und was nicht

Stichwort Videoüberwachung: Zweck verfehlt

Sicherheit

Es war einmal ein Innenminister, der träumte von der totalen Sicherheit. Deshalb beschloss er, seine Bürger in jeder sich nur bietenden Situation zu bespitzeln. Die Stadt war voll mit Kameras, die Bürger fühlten sich sicher und der Innenminister freute sich. Dann explodierten vier Bomben in öffentlichen Verkehrsmitteln und der Innenminister verstand, dass Kameras kein Mittel zur Steigerung der Sicherheit sind.

Das Fünkchen Wahrheit

Diese fiktiv erscheinende Geschichte wäre noch vor Kurzem als wilder Unsinn abgetan worden. Innenminister lieben Kameras und die totale Kontrolle, die vollständige Überwachung der Umtriebe der Bürger gibt ihnen das Gefühl, mit dabei zu sein. Dann bewies eine Gruppe Terroristen, dass es möglich ist, in der bestüberwachten Stadt der Welt, nämlich London, vier Sprengsätze in öffentlichen Verkehrsmitteln zu platzieren. Mehr als fünfzig Menschen starben für den Beweis, dass Kameras kein Allheilmittel gegen Kriminalität und Terror sind.

Nur der letzte Teil der Geschichte fehlt noch, die Einsicht des Innenministers. Der allerdings wird den Teufel tun, seine Überwachungsapparate abzuhängen. Das Instrument, das Politiker gerne benutzen, um ihre Politik im Gegenwind steuern zu können, ohne zu kentern, ist das Teufel-an-die-Wand-Malen. Frei nach dem Motto: "Stellt Euch vor, wie schlimm die Attacken OHNE Kameras gewesen wären." Fünfzig Terror-Opfer als Beweis dafür, dass die Kameradichte in London noch zu niedrig ist.

Bomben platzieren leicht gemacht

Eine Kamera auf 14 Bürger, das macht in einer Stadt wie London rund eine Millionen Kameras. Das ist ein ordentlicher Batzen und wenn man bedenkt, dass sich die meisten Kameras citynah befinden dürften, dürfte klar sein, dass die Kamera-Rate netto wesentlich höher ist. Mit einem Wort: Im Innenstadtbereich von London lauert an wirklich jeder Ecke ein elektronischer Spitzel. Und trotzdem konnten die Terroristen ihre Bomben an neuralgischen Plätzen platzieren. Haben die Kameras nicht funktioniert?

Das derzeitige Problem bei Überwachungskameras ist, dass ihre Präventiv-Wirkung mit der Leistungsfähigkeit des bedienenden Personals steigt und fällt. Denn noch wird die Überwachung von Menschen durchgeführt. Und die müssen im richtigen Moment verstehen und begreifen, was los ist. Mit anderen Worten: Der unterbezahlte Nachtwächter und der genervte Polizist im krankheitsbedingten Innendienst sind nicht unbedingt geeignet für die Arbeit am verlängerten Auge. Mehr sind die Kameras zur Zeit nämlich nicht.

Das Fünkchen Wahrheit

Im Grunde besteht also kein Grund zur Besorgnis. Auch das Gedächtnis der Videoaufnahmen ist mehr als schlecht, im Sekundentakt werden Bilder geschossen, deren Qualität nicht gerade berauschend ist. Dank meist unsauber eingestellter Optik oder physikalischen Problemen ist das Bild häufig schlecht und weil die Betreiber Speicherplatz in Form von Videokassetten oder Festplatten sparen möchten, wird das Material schnell wieder gelöscht. So gesehen stellen Videokameras also nicht die geringste Bedrohung für Straftäter und vor allen Dingen Selbstmordattentäter dar.


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