Lohnen sich Musik-Abo-Dienste in Deutschland?
Das amerikanische Modell
Warum aber funktioniert das Konzept in den USA? Das hat zwei Gründe. In Amerika wird für eCommerce-Transaktionen keine Umsatzsteuer verlangt. Außerdem zahlen die Lizenzgeber, also die Musiklabels, von ihrem Anteil die Verwertungsgesellschaft. Insider rechnen hier mit einer Gebühr zwischen 6 und 8 Cents an die amerikanische Verwertungsgesellschaft Harry Fox für normale Downloads, mit der die amerikanischen Labels sich geeinigt haben sollen. Wie hoch die Abgabe für Stream ist, wissen wir nicht. Diese Gebühr, die der deutschen GEMA enstpricht, belastet in den USA nicht den Downloaddienst. Für den Musikdienst bleiben in erster Linie die Lizenzabgaben an die Labels und die eigenen Kosten. Payment-Systeme, also Kreditkartenabrechung sind in den USA billiger und kosten etwa 5 Prozent des Umsatzes.
Wir ziehen mit dem fiktiven Netzwelt-Music-Flat-Shop deshalb nach Amerika um. Welcome to Miami! Neben schönem Wetter haben wir nun auch weniger Kosten. Unsere Flatrate kostet im Land der unbegrenzten Möglichkeiten 9,99 USD, damit sind wir in etwa auf Niveau von Napster und Rhapsody und haben eine realistische Chance am Markt.
Netzwelt in Miami
9,99 USD Bruttoeinnahmen
- 0,00 MwSt.
= 9,99 USD Nettoeinnahmen
Pro Stream fallen folgende Kosten an:
- 0,01 USD Labelanteil mind.
- 0,00 USD Harry-Fox-Gebühren
- 0,01 USD Traffic-Gebühren
- 0,05 USD Payment-Gebühren
= 0,07 Euro Mindestkosten pro Stream
So macht der Netzwelt-Music-Flat-Shop Spaß! Ein Stream kostet uns 0,07 Euro. Gleichzeitig nehmen wir mehr Geld ein und haben bei unserer Mischkalkulation "mehr Luft". Ein Kunde darf nun bis zu 143 Streams abrufen, ohne dass wir den Weg zum Amtsrichter antreten müssen.
Stimmung am Markt
Netzwelt hat nachgefragt. Plant ein großer deutscher Musikdienst ein Abo-Modell? Woran scheitert es? Und was muss sich ändern? "Das Abo-Model ist eine Form der Weiterentwicklung für das Online-Musikgeschäft, über die wir durchaus nachdenken, ohne jedoch bereits finale Pläne in der Schublade zu haben," erklärt Musicload-Pressesprecher Martin Frommhold. Und gibt Einblick in die Überlegungen des Marktriesen: "Klar ist aber, dass sich ein von Musicload angebotenes Abonnement stark an den Bedürfnissen des deutschen Marktes ausrichten würde. Außerdem müsste gewährleistet sein, dass der Konsument einen stabilen Preis erwarten kann und das Rechtemanagement ebenfalls fair ist. Folglich sollte der Käufer auch nach Kündigung seines Abos die Möglichkeit haben, die vorher bezogenen Musikstücke in einer bestimmten Form zu nutzen."
