Lohnen sich Musik-Abo-Dienste in Deutschland?
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Bei 9,99 Euro monatliche Gebühr bekommt Vater Staat 1,38 Euro USt. vom Netzwelt-Music-Flat-Shop. Es bleiben netto 8,61 Euro in unserer Kasse. Davon gehen noch rund 20 Cent für einen günstigen Billing-Dienstleister ab. Einige Labels erlauben das Streamen für 2 Cent pro Stream - angeblich soll es einigen amerikanischen Music-Flat-Anbietern sogar gelungen sein den Preis auf 1 Cent zu drücken. Pro Stream fallen zudem ungefähr 1 Cent an Traffic-Gebühren beim Serverprovider an.
Der Knackpunkt ist die GEMA-Gebühr. Das "Musikfinanzamt" verlangt pro Stream mindestens 0,10 Euro. So steht es in den GEMA-Richtlinien und daran wird sich auch nur wenig verändern. Eine Beteiligung am Umsatz oder andere - für unseren Musikdienst günstigere Varianten - gibt es nicht. Die GEMA besteht auf ihr klassisches Modell "der werkbezogenen und abrufbezogenen Lizenzierung mit einer Mindestvergütung je Abruf".
Unsere Rechnung sieht mit Zahlen so aus:
9,99 Euro Bruttoeinnahmen
- 1,38 Euro MwSt.
- 0,20 Euro Payment-Gebühren
= 8,41 Euro Nettoeinnahmen nach Einmalkosten
Pro Stream fallen folgende Kosten an:
- 0,01 Euro Labelanteil mind.
- 0,10 Euro GEMA-Gebühren mind.
- 0,01 Euro Traffic-Gebühren
= 0,12 Euro Mindestkosten pro Stream
Die Kalkulation bei einer Music-Flatrate ist eine Mischkalkulation. Das heißt, dass alle Kunden im Durchschnitt nicht mehr Kosten verursachen dürfen als ich an variablen Kosten bei den Streams habe. Was passiert, wenn diese Mischkalkulation nicht aufgeht, kann man immer wieder am DSL-Markt beobachten. Übermäßige Traffic-Verursacher werden genau aus dem Grund vom Provider gekündigt oder bekommen sogar Abfindungen, damit sie die empfindliche Kalkulation nicht mehr belasten.
Um nun festzustellen, wieviele Streams jeder Kunde anhören darf, damit der Netzwelt-Music-Flat-Shop profitabel bleibt, müssen wir nur die Mindestkosten pro Stream durch die Gesamt-Nettoeinnahmen teilen. In unserem Beispiel also 8,41 Euro : 0,12 Euro. Das ergibt ungefähr 70 Streams pro Monat pro Kunde.
Das ist nicht viel. Wer eine Flatrate kauft, der möchte sie auch nutzen. Wenn die Kalkulation aber schon bei 70 Songs ins Stocken gerät, dann werden Musikdienst und Kunde keine Freude miteinander haben.
