Wenn Filesharer nicht wissen, was sie tun
Filesharing-Falle: Wenn Tauschbörsen Privates liefern
Filesharing
Die Skepsis ist groß, da fühlt sich jemand ertappt. "Wann haben Sie das Dokument denn geladen?" Vor rund 24 Stunden. "Oh, da muss ich mal die Ordner-Konfiguration überprüfen." Soso, es wird nicht mehr benutzt. Aber wir wollen mal nicht so sein: Der Ertappte gelobt Besserung und sein Tag ist mit Sicherheit gelaufen, wird er sich doch für alle Ewigkeit fragen müssen, welche seiner privaten Dateien unkontrolliert im Netz gelandet sind.
Rustikale Eheschließungen und andere Schrecklichkeiten
Doch weiter mit den Fundstücken: Inzwischen ist eine zweite, gut dokumentierte Hochzeit im Download-Ordner gelandet. Diesmal scheinen Mitglieder des Schützenvereins zu heiraten. In welchem Dorf genau ist leider nicht ersichtlich, dafür sieht man die Verwandten singen und die freiwillige Feuerwehr ist natürlich auch im Bild. Rustikales Hochzeits-Ambiente, der Welt zur Verfügung gestellt. Halb erblindet geht die Sichtung der Dateien weiter, immer mehr Files rauschen direkt aus dem Gnutella-Netz auf die Festplatte, rund 1.000 hängen noch in der Warteschleife.
Private Nacktaufnahmen fehlen leider völlig, der Voyeur hat aber trotzdem seine Freude. Mit Hilfe von Personen, die auf mehreren Bildern vorkommen, lassen sich ganze Stammbäume erkennen und so wird schnell ersichtlich, dass die bekennenden P2P-Exhibitionisten gerne reisen: Ägypten (pauschal) oder das Phantasialand, gerne auch mal Balkonien, kein Reiseziel ist zu weit für den deutschen Arbeitnehmer. Und so eignen sich die Schnappschüsse aus dem Leben ideal, um sich königlich zu amüsieren: Das dicke Kind bei der Bauchtanz-Veranstaltung auf dem Touri-Schiff in Ägypten oder mit einer lebensgroßen Barbie-Puppe, es macht einfach Spaß, sich über die P2P-Versager lustig zu machen.
p2pfund
Tauschbörsen-FundstückeVereidigung, Grillparty, Schulfest - wann hört das Grauen endlich auf?
Eine weitere Sichtung der Bildergalerie ergibt Bilder aus allen Lebenslagen: Die Vereidigung bei der Bundeswehr, offensichtlich Jäger, für alle, die sich mit den Truppengattungen auskennen erkennbar am roten Barett. Und weil es so schön ist noch jede Menge Bilder von Familienfeiern, Schulfesten, Betriebsfeiern, Grillabenden und anderen privaten Festlichkeiten, bei denen Fotografieren an sich schon unter Prügelstrafe gestellt werden sollte. Wer mit diesem Bild-Abfall aber dann auch noch die Öffentlichkeit beglückt, indem er ihn in Tauschbörsen stellt, sollte 12 Jahre inhaftiert werden - im Bootcamp für unbelehrbare Digital-Trottel.
Aber genug der peinlichen Details. Es ist höchstgradig unangenehm für die Betroffenen, wenn persönliche Dateien ihren Weg in die Tauschbörsen finden. Ihr Glück ist nur: Wer nicht gezielt nach dieser Art von Dateien sucht, wird sie normalerweise auch nicht finden. Der normale Tauschbörsen-Nutzer sucht schließlich nach "Moviez" oder MP3s und nicht nach wildfremden Hochzeits- oder Konfirmations-Bildern. Oder? Vermutlich werden sich einige Leser nach diesem Artikel den Spaß gönnen.
Kinder wegsperren!
Doch wie kann man verhindern, selbst Opfer einer solchen Tauschbörsen-Dämlichkeit zu werden? Eltern sollten aufpassen, dass die Sprösslinge keine P2P-Programme, also Tauschbörsen auf dem Rechner installieren - übrigens hat das Recherche-Team gleich zwei vermeintliche Urheber des gepflegten Privatordner-Seedings zwischen den Download-Bildern aufgespürt. In beiden Fällen handelt es sich um den Filesharer-Stereotyp, zu sehen sind zwei Jungs mitten in der Pubertät, einer vor seiner Rechner-Infrastruktur, der andere mit Zahnspange.
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