Wenn Filesharer nicht wissen, was sie tun
Filesharing-Falle: Wenn Tauschbörsen Privates liefern
Filesharing
Gesagt, getan. Schnell wird die Suchbegriff-Liste auf übliche Photo-Termine erweitert: "Familienbilder", "Hochzeit", "Geburtstag", "Taufe", "Konfirmation" und "Kommunion" sind überaus dankbare Begriffe. Besonders die Hochzeit-Suche spuckt zahlreiche Bilder aus, die eigentlich niemand sehen möchte: Da küsst, nein: knutscht ein Prachtexemplar eines Zuchtweibchens ihren 20 Kilo leichteren und Sonnenbank-gegerbten Neu-Ehemann, als wollte sie ihn in einem Haps herunterschlingen.
Kiez und Cadillac
Und das Gruselkabinett geht weiter: Ein Mittfünfziger, der trotz massiver Glatzenbildung noch zum proletenhaften Pferdeschwanz steht, hat sich vor seinem türkisen Cadillac aufgebaut. Der Herr ist offensichtlich eine Kiez-Größe. Der Wagen ist hochzeitlich geschmückt und er hat seinen Schatz im Arm, eine leicht dümmlich dreinschauende, mittelalte und extrem schwere Schachtel.
Offensichtlich sind die beiden auf dem Weg zur Hochzeit - zur Hochzeit des Zuchtweibchens. Bezeichnend, dass es mehr Bilder vom Cadillac als von der Frau gibt. Der Schnurrbart des Mannes kaschiert zwar nicht seinen schlecht sitzenden Anzug, dafür rundet er das Diorama der modischen Missgriffe nach unten ab. Nach und nach zeichnen sich schreckliche Details dieses Hochzeits-Tages ab: Die Kiez-Größe besitzt eine ganze Sippe, die völlig stil- und niveaufrei die Hochzeit im Doppelkorn ertränkt.
p2pfund
Tauschbörsen-FundstückePrivatinsolvenzen und andere tiefe Einblicke
Doch es geht noch mehr: Unter den heruntergeladenen Dokumenten findet sich zum Beispiel ein Insolvenzantrag. Allerdings nicht die Art, die bei einer Firmenpleite beantragt wird, stattdessen handelt es sich um einen Antrag auf Privatinsolvenz. Die Person, deren Name und Adresse aus dem Dokument ersichtlich ist, hat die Privatinsolvenz Ende 2004 eingereicht. Der Filesharing-Analyst erfährt nicht nur die persönlichen Daten des Insolventen, sondern auch die der zuständigen Rechtsanwälte und der Gerichtsvollzieherin.
Die Masse an Dokumenten wird inzwischen unüberschaubar: Nur vier "Browse Host"-Anfragen brachten rund 2.000 Dateien zutage, Digitalbilder, PDFs, Word- und Excel-Dokumente. Und nichts davon entstammt dem üblichen Filesharer-Porno-Raubkopier-Viren-Pool, der sich sonst in Tauschbörsen findet. Stattdessen handelt es sich ausschließlich um private Ware. Mit zum Teil viel zu tiefen Einblicken.
Intime Bekenntnisse
So findet sich unter anderem ein Brief an die ADAC-Urlaubsversicherung, in dem die Versicherungsnehmerin in epischer Breite das heranwachsen einer Pilzinfektion im Intimbereich beschreibt, Kontaktdaten inklusive. Ein Anruf bestätigt die Echtheit des Dokuments, ans Telefon geht der Ehemann: "Was haben Sie da gefunden?" Ein brisantes Dokument. Und wie kommt es ins Gnutella-Netz? "Vielleicht habe ich da die Ordner irgendwie falsch freigegeben, aber ich benutze das eigentlich nicht mehr."
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