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Kolumne: Wo ist eigentlich der Any Key?
Halten uns die Entwickler für dumm?

von Christian Rentrop Uhr veröffentlicht

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Es gibt so Betriebssysteme, die sich selber widersprechen. Betriebssysteme, die in sich irgendwie unlogisch sind. Windows, das auf der Welt meistverbreitetste und wohl auch unbeliebteste Betriebssystem der Welt ist eines dieser Betriebssysteme. Der Grund sind seine zahlreichen Assistenten. Doch das ist bei weitem nicht alles.

Jeder Windows-Nutzer kennt das Problem: Mit jeder neuen Version packte Microsoft mehr Assistenten in das Betriebssystem. Mit dem Erfolg, dass sich inzwischen bei jeder noch so hanebüchenen Funktion ein Assistent öffnet. Der Bluetooth-Assistent, der Netzwerk-Assistent, der Internet-Assistent oder, ganz beliebt, der Hilfe-Assistent. Diese Krankheit zieht sich durch alle Microsoft-Produkte, besonders schlimm ist MS Word. Der Witz ist nur: Wenn man wirklich mal einen Assistenten braucht, ist er entweder nicht verfügbar oder hilft in keiner Weise weiter.

Startassistenten und anderes Geviech

Aber für solche Fälle haben die meisten Anwender dann ja Freunde und Verwandte, die man zu nachtschlafender Zeit aus den Federn klingeln kann. "Duuuu, ich kriege den USB-Stick nicht angeschlossen..." Die Freude auf Longhorn ist groß, denn dann gibt es garantiert noch mehr Assistenten. Wie wäre es mal mit einem Windows-Start-Assistenten? "Möchten Sie Windows jetzt starten?" Klick auf "Weiter", dann: "Möchten Sie Windows WIRKLICH starten?" Nene, ich überleg's mir nochmal.

Auch schön wäre ein Windows-Absturz-Assistent: "Longhorn möchte nun abstürzen. Bitte drücken Sie "Weiter". Ein Druck auf "Abbrechen" würde dann den Absturz abbrechen. Das wäre doch mal moderne Benutzerführung. Und der Folgedialog lässt auch nicht lange auf sich warten: "Möchten sie den Absturz-Vorgang wirklich abbrechen?" Antwortmöglichkeiten: "OK" und "Abbrechen" Den klassischen, vielzitierten und ungeheuer beliebten blauen Schirm des Todes, den Bluescreen of Death, gibt es natürlich dann auch zu sehen, spätestens wenn sich der Assistent aufhängt.

Linux und Apple spielen mit

Aber genug der Häme, schließlich greifen auch andere Betriebssysteme immer öfter zum Assistenten: SuSE und RedHat haben sich mit ihren Linux-Distributionen mindestens genauso weit aufs Glatteis gewagt und nerven an jeder Ecke mit Assistenten und selbst Apple ist auf den Zug aufgesprungen. Allerdings fehlt Mac OS X zum Glück noch die Assistenten-Inflation eines Windows XP.

Übrigens: Windows ist das einzige Betriebssystem, bei dem man auf "Start" drücken muss, um es zu beenden. Ein schöner Kalauer, wenn auch nicht mehr der frischeste. Aber das sei verziehen. Stattdessen sollte man vielleicht einmal die Mängel der normalen PC-Tastaturen in den Vordergrund ziehen. Wenn es Windows-Tasten gibt, warum gibt es keine Linux-Tasten? Und wo ist eigentlich der Any Key?

Wo ist der verdammte...?

Ja, Anakin gibt es auch, in Star Wars Episode 1, 2 und 3. Aber den Any Key? Die "beliebige Taste"? In Anbetracht der Tatsache, dass Windows-Nutzer ja offensichtlich dämlich sind, zumindest aus Sicht von Microsoft, das suggerieren ja die allgegenwärtigen Assistenten, ist eine fehlender Any Key wirklich ein Mangel auf dem Tastatur-Layout. "Press any key to exit" oder "Press any key to start game" und so weiter. Eine Meldung, die leider immer seltener erscheint - offensichtlich hat man sich im PC-Lager nicht auf den Einbau dieser Taste einigen können und stattdessen die Software-Hersteller gezwungen, drauf zu verzichten.

Was zu weiteren Mängeln in der deutschen Tastaturbelegung führt: Warum hat ein albernes Zeichen wie das # eine eigene Taste, während man sich für das wesentlich häufiger gebrauchte @ die Hände verrenken muss? Warum gibt es gleich zwei Enter-Tasten und keine "beliebige Taste"? Fragen, die interessant sind wie eine Soziologie-Vorlesung, die sich aber manch ein User bereits gestellt haben dürfte.

Hoch, tief, Promille und Trademarks

Und dann diese Sonderzeichen. Mal ©, ‰, ™ oder Ø auf einer deutschen Tastatur gesucht? Nein, standardmässig gibt es nur sowas: § und das zeigt ja eigentlich schon, wie die Deutschen ticken. Aber genug davon. Auf dem Macintosh erreicht man viele der Sonderzeichen auf der Tastatur mit ALT und SHIFT, dafür hat Windows andere Vorteile, hier gibt es nämlich eine hochgestellte 2 und 3 direkt auf der Tastatur. Beim Mac sucht man sich dafür einen Wolf, deshalb stehen diese Sonderzeichen auch nicht in diesem Artikel.

So oder so, Assistenten und Tastaturbelegungen hin und her, auf der einen Seite scheinen die Programmierer die Anwender völlig zu unterschätzen, auf der anderen Seite trauen sie ihm zu, sich Sonderzeichen über extrem komplizierte Tastaturgriffe oder sogar mit ASCII-Codes zu merken. Da stimmt doch etwas nicht, da ist doch eine deutliche Disparität erkennbar. Deshalb fordert Netzwelt die sofortige Einstellung der Assistenten-Schwemme oder die Entwicklung einer Tastatur mit 600 Tasten - für uns dumme User.

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http://www.netzwelt.de/news/71833-kolumne-eigentlich-any-key.html
2005-07-07 10:16:00
News
Kolumne: Wo ist eigentlich der Any Key?